Tag Archives: Trinidad

Cuba libre auf vier Rädern

12 Mrz

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Kuba, Kuba, Kuba und ein wenig Obama. Seit Wochen sind die Zeitungen voll mit Nachrichten über die Insel. Vor zwei Jahren gab es eine ähnliche Welle, als so etwas wie Reisefreiheit für die Kubaner verkündet wurde. Jedes Mal, wenn ich seither „Kuba“ in einer Schlagzeile lese, frage ich mich, ob er es schafft…

***

Trinidad, Herbst 2009. Wir sind auf dem Weg zum Nationalpark Topes de Collantes. Der Taxifahrer, ein kleiner Mann mit aschgrauen Haaren, ist mürrisch. So mürrisch wie die Frau aus dem Reisebüro, die uns das Taxi organisiert hat. So mürrisch wie jeder auf dieser Insel, der für staatliche Touristikunternehmen arbeitet.

Meine Freundin hält mir ein Wasser hin: „Willst’n Schluck?“ Umgehend kommt Bewegung in den Mann: „Dachte ich mir doch, dass ihr Deutsche seid! Woher kommt ihr?“ Astreines Deutsch! Bestimmt einer der DDR-Kubaner, vermute ich, die einen des Öfteren anquatschen. Schließlich reisten in den 80ern zehntausende für Studium oder Ausbildung in den sozialistischen Bruderstaat. Doch der Mann war angeblich nie in der DDR. Und er ist wie ausgewechselt, so viel Begeisterung haben wir mit unserer Herkunft selten ausgelöst. „Ich liebe Deutschland, die Kunst, die Literatur, kennt ihr das Buch….“

Unser Fahrer vergisst, dass er mürrisch ist und parliert uns mit reizendem Akzent in Grund und Boden: „Ich habe mir auf dem Schwarzmarkt Deutschbücher gekauft, bei uns bekommt man ja alles nur auf dem Schwarzmarkt, mein Laptop haben die mir aber konfisziert. Wenn wir gleich euren Tourguide abholen, werde ich weder Deutsch noch Englisch sprechen, ich will nicht, dass die wissen, dass ich das kann…“ Wer auch immer „die“ sind, er spricht viel von ihnen. Ab und an schaffen wir es, Stichwörter einzustreuen: „Bei uns lässt sich nur im Tourismus Geld verdienen. Meine Schwester ist Ärztin im Staatskrankenhaus und verdient einen Hungerlohn im Vergleich zu mir!“

topesdecollantes

Jetzt kommen auch wir in Fahrt. In diesem kleinen Taxi, Cuba libre auf vier Rädern, können wir all die Fragen loswerden, die sich uns auf dieser wunderschönen und doch so fremden Insel stellen. „Zuhause habe ich eine Deutschlandkarte hängen – wo lebt ihr genau?“, fragt er noch mal. Sonst sagen wir immer: Frankfurt und Köln, weil Mainz und Koblenz im fernen Ausland kaum einer kennt. Aber er fängt sofort an zu schwärmen: „Der Rhein, die Mosel, wie schön, den Rhein möchte ich auch mal sehen.“ Aha, denke ich, jetzt kommt die Bitte nach Einladung und Geld. Denn Kubaner müssen vor der Reise unter anderem eine Einladung aus dem Reiseland vorweisen. Wir fragen ihn, ob er eine hat.

Stille im Taxi. Wir hoppeln weiter Richtung Nationalpark. Schließlich antwortet er: „Mir haben viele Touristen das Schreiben angeboten. Aber ich will das so nicht. Ich will meinen Koffer packen und nach Deutschland reisen. Und dann will ich wieder meinen Koffer packen und nach Hause zurückkehren. Einfach so.“ Spricht’s und hält am Straßenrand, um unseren Guide aufzusammeln. Kaum sitzt dieser im Auto, ist es vorbei mit der Freiheit der Gedanken. Unser Fahrer zwinkert uns noch mal kurz zu, macht die Schotten dicht und guckt mürrisch.

***

Fünfeinhalb Jahre ist unsere Kubareise nun her. Das Land hat sich geöffnet – oder besser: Mittlerweile verbietet nicht mehr die Regierung das Ausreisen, sondern die finanzielle Not der meisten Kubaner. Aber vielleicht schafft es unser Taxifahrer ja. Vielleicht packt er in diesem Moment seinen Koffer, um endlich nach Deutschland zu reisen. Ich hoffe, wir entäuschen ihn nicht.

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Mein Liebster Award – Blogstöckchen!

21 Apr

Joyce und Karen haben mich eingeladen, ihre elf Fragen vom Liebster Award zu beantworten. Sinn dieses Awards ist es, andere Blogs bekannter zu machen. Da bin ich doch gerne noch mal dabei. Im Anschluss darf ich dann meine elf Fragen an elf interessante Blogger richten, die wiederum je elf Fragen an elf weitere Blogger stellen.

1. Wie bist Du zum Bloggen gekommen? Das Reisebloggen fing an, als ich sehr überraschend meinen Job verlor und die neue Freiheit zu einem Auslandsaufenthalt nutzte: Ich reiste für drei Monate zum Arbeiten nach Namibia und wollte die Daheimgeblieben auf dem Laufenden halten. Ein klassisches Family-and-Friends-Blog, das nun einfach immer weiter wächst.

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2. Was gefällt Dir am Bloggen? Ich schreibe einfach gern. Und das Bloggen ist eine schöne Form, seine manchmal bewegenden, oft lustigen und immer spannenden Erlebnisse auf Reisen festzuhalten. Außerdem lernt man darüber Gleichgesinnte kennen – das ist eine nette Community.

3. Was wünschst Du Dir von Deinen Lesern? Was alle wollen: Rückmeldungen, Kommentare, Austausch. Gerne ein paar Tipps und Anekdoten von ihren Reisen. Und wenn man Kontakte knüpft und sich irgendwann mal „in echt“ und vor allem on Tour trifft – um so besser!

4. Was bedeutet Dir Glück? Viel. Immer her damit!

5. Gibt es einen Traum, den Du Dir schon erfüllt hast? Ja 🙂

6. Gibt es einen Traum, den Du Dir unbedingt noch erfüllen möchtest? Einen? 1. Ich möchte eine Ayurweda-Massage von Shah Rukh Khan am Strand von Goa, 2. Ich möchte mich als Mann verkleiden und mich ins Crazy am Mainzer Bahnhof schmuggeln, 3. Ich möchte freien Zugang zu den Produktionsstätten von Baileys.

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7. Wer oder was inspiriert Dich? Alles Mögliche, generell habe ich ein großes Herz für Überraschungen und Absurditäten im Alltag, für Kulturschocks und den Moment, wenn der Schock nachlässt. Ich mag es, wenn man manchmal einfach in was hineingerät – sofern das Leben nicht daran hängt!

8. Was war das Überraschendste, was Du bei einer Reise bisher vergessen hattest? Nix. Ich bin ziemlich gut organisiert – da könnt ihr euch alle eine Scheibe abschneiden ;).

9. Hast Du ein außergewöhnliches Erlebnis zu berichten mit jemanden aus einem anderen Kulturkreis? Da gibt es unzählige. In Trinidad auf Kuba sind meine Freundin und ich mit einem Taxi zu einem Nationalpark gefahren. Am Steuer saß ein weißhaariger, alter Mann. Er war stumm und abweisend. Als er aber mitbekam, dass wir Deutsche sind, sprudelte es in hervorragendem Deutsch aus ihm heraus. Er war ein leidenschaftlicher Fan unseres Landes, hatte sich alles selber beigebracht. Er wusste sofort, wo unsere Heimatstädte Mainz und Koblenz liegen, schwärmte von unserer Sprache und Literatur. Er war jedoch keiner der allgegenwärtigen DDR-Kubaner, er wollte auch kein Geld und keine Einladung fürs Auswärtige Amt.  Er wollte etwas anderes: „Eines Tages werde ich als freier Mann meine Koffer packen und endlich nach Deutschland reisen – und dann werde ich als freier Mann nach Kuba zurückkehren.“ Ich hoffe, sein Traum wird irgendwann wahr.

10. Was war das Ungewöhnlichste, was Du bisher fotografiert hast? „Ungewöhnlich“ ist vielleicht nicht ganz das passende Wort, aber als ich mit zwei Freundinnen vor diesem Optikerladen in Südafrika stand, haben wir uns nicht mehr eingekriegt:

Hermanus/Südafrika, 2006

Hermanus/Südafrika, 2006

11. Teile mit uns Dein schönstes Reiseerlebnis! Oh Schreck, es gibt so viele – angefangen von einem äußerst skurrilen Junggesellenabschied in Namibia, über eine mystische Nachtfahrt durch die Negev in Israel bis zu einem wunderbaren Fado-Abend in Lissabon. Wirklich großartig war auch ein Erlebnis in Costa Rica. Wir haben uns früh morgens aus dem Bett gequält und sind zum Strand gegangen. Die Leute aus dem Dorf hatten sich im Morgengrauen versammelt, um frisch geschlüpfte Schildkröten ins Meer zu entlassen. Wie diese kleinen, tapsigen Dinger unbeirrbar ihrer Natur gefolgt sind und sich von den Wellen haben mittragen lassen – das war bewegend.

matapalo

Meine elf Fragen gehen an Anemina, Annewhere, Betrachterauge, Danares, In other news, Stadtblogozin, Textnomadin, Travelling ColognianTravelproject2014, Weltreisejunkies, Writing Tool

  1. Welches Land hat dich am meisten berührt?
  2. Wo gibt es den schönsten Sonnenuntergang?
  3. Wo hast du die wildeste Party gefeiert?
  4. Reist du lieber allein oder lieber mit jemandem?
  5. Erzähl mir eine Taxigeschichte!
  6. Erzähl mir eine Thekengeschichte!
  7. Erzähl mir eine Tiergeschichte!
  8. In welcher Situation hattest du Angst?
  9. Was ist typisch deutsch?
  10. Nenne einen Geheimtipp für deine Heimatstadt!
  11. Warum hast du angefangen zu bloggen?

Fotoreise: Von A wie Addo bis Z wie Zagreb

7 Okt

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