Tag Archives: Fußball

Lissabon in Schlangenlinien

13 Jan

schlangeLiköre, Fadomusik, Schlangestehen – darin haben es die Portugiesen zu wahrer Meisterschaft gebracht. Vor allem Letzteres hat mich schwer beeindruckt. Es kann in Strömen regnen, es kann winden und der Andrang noch so groß sein: Die Portugiesen stellen sich brav hintereinander.

Als Tourist kann man da nur staunen. Vor allem, wenn man wie ich den Überlebenskampf in rheinhessischen Schulbussen der 80er/90er-Jahre als wesentlichen Moment seiner Sozialisation begreift. Entscheidend waren folgende Fähigkeiten:

  1. Als Letzter zur Haltestelle kommen, sich aber so geschickt an allen vorbeidrängeln, dass man als Erster im Bus ist, um die Rückbank für die eigene Gang zu okkupieren.
  2. Allianzen mit älteren, stärkeren, cooleren Schülern schließen, damit die einen ohne Abtretung von Taschengeld als Sitznachbar dulden und etwas von ihrem Glanz abfällt.
  3. Sind 1 und 2 fehlgeschlagen: Die Fahrt überstehen, ohne dass einer den Turnbeutel schnappt und durch den Bus wirft oder einem den Rest vom Pausenbrot in die Haare schmiert.

Dass ich zu einem selbstbewussten, durchsetzungsstarken und intelligent handelnden Menschen geworden bin, führe ich – meine Eltern mögen mir verzeihen – allein auf die Busstrecke Ober-Flörsheim – Alzey zurück. Aber okay, wer sich Cristiano Ronaldo anguckt, der muss eins zugeben: Die Portugiesen lernen das mit dem Durchsetzen wohl auch irgendwie – und sehen dabei noch dazu besser aus.

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Adeus Eusébio!

8 Jan

eusebio

Wir sind im Almirante. Es ist eines dieser typischen Lissabonner Cafés: klein, günstig, praktikabel. Einheimische kehren hier ein, um im Stehen einen schnellen Café Bica oder einen Port zu trinken und ein paar Worte mit dem Wirt zu wechseln. Es ist spät am Abend, draußen regnet es in Strömen.

Wir nehmen einen Absacker und gucken uns um. Hinter uns steht ein etwa 30-jähriger Schönling und isst sein Lachstörtchen. Vor uns lehnt eine junge Frau an der Treppe, blonder Pferdeschwanz, enge Jeans, armeegrüner Parka, und trinkt ein Sagres-Bier. An einem der zwei Tische sitzt ein alter Schwarzer mit Schiebermütze und Regenflecken auf der Cordhose vor einem leeren Weinglas.

Im Fernsehen laufen die Nachrichten und plötzlich werden alle ganz still. Es sind die Bilder des Tages: Ein dunkler Leichenwagen kämpft sich durch die Lissabonner Innenstadt, die Straßen sind gesäumt von Menschen, die Abschied nehmen von einem Idol. Zwei Tage zuvor ist Eusébio gestorben, der „schwarze Panther“, eine Ikone des portugiesischen Fußballs.

1960 kam Eusébio da Silva Ferreira aus der Kolonie Mosambik nach Portugal. Benfica hatte das junge Talent dem Rivalen Sporting vor der Nase weggeschnappt. Ein Coup: Eusébio schoss Tor um Tor, wurde zur Legende und sorgte für Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis der kleinen Nation eingebrannt haben. Unvergessen die Weltmeisterschaft 1966 in England: Als Portugal im Viertelfinale gegen Nordkorea 0:3 zurücklag, wendete Eusébio das Spiel, schoss 4 Tore und bereitete den 5:3-Endstand vor. Letztlich wurde Portugal Dritter, Eusébio Torschützenkönig.

Noch immer starren im Almirante alle auf den Bildschirm. Der Leichenwagen dreht mittlerweile eine Ehrenrunde durch das Benfica-Stadion. Noch immer ist es ganz still. Der Schwarze hält sich an seinem Regenschirm fest. Der Wirt drückt die Hände ins Küchentuch. Der Schönling vergisst das Schlucken. Die Blondine nimmt ein paar Servietten vom Tresen und wischt sich die Tränen von den Wangen. Auch die Bilder von Eusébios Abschied werden ins portugiesische Gedächtnis eingehen. Legende bleibt Legende.

Meisterjäger trifft Jägermeister

15 Mai

jaegermeisterNamibia ist sehr groß und die Bevölkerungszahl sehr klein: Auf mehr als der doppelten Fläche von Deutschland verteilen sich 2,3 Milliönchen Menschen. Das ist super, denn schwuppdiwupp trifft man Leute in wichtigen Positionen.

Kürzlich war ich mit meinem Mitbewohner und einem Kollegen in „Joe’s Beerhouse“ was trinken. Schon nahm das Unheil seinen Lauf – in Gestalt von Ali. Ali ist der wohl einzige kurdische Namibier weltweit, Ende 50 und Fußballtrainer. Und Ali hatte in kürzester Zeit einen Narren an mir gefressen. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber Männer in fortgeschrittenem Alter entwickeln gerne mal eine maskottchenmäßige Begeisterung für mich. Ich habe das mit den Jahren akzeptiert.

Ali wollte eine Runde Jägermeister schmeißen, aber ich hasse Jägermeister. Den Protest konnte man mir wohl schon von den Lippen ablesen, zumindest stürzte er sich plötzlich auf mich, nahm mich in den Schwitzkasten und hielt mir den Mund zu. Ich trat ihm gegen das Schienbein und wir waren Freunde. Er bestellte mir einen namibischen Kaktusfeigenschnaps und sagte: „Ich mag deine Frisur. Sie ist so schön altmodisch.“ Darauf sagte ich: „Danke, du weißt, wie man einer Frau Komplimente macht.“

Ali strahlte von einem Ohr zum anderen, streichelte mir liebevoll über den Kopf und rief den Männern hinter der Bar zu: „Guckt mal! Ihr Haar ist so dünn und weich, wie bei einem Baby!“ In diesem Moment beschloss ich, den Abend zu akzeptieren, wie auch immer er sich entwickeln würde.

Am nächsten Tag erzählte ich in der Redaktion, dass ich so einen ulkigen Ali kennengelernt hatte, macht irgendwas mit Fußball. Mein Kollege vom Sport hielt kurz inne, schob langsam seine Maus zur Seite und erklärte mir mit ruhiger Stimme: „Alexandra. Ali ist DER Erfolgstrainer dieses Landes, sein Team steht auf Platz zwei der Ersten Liga. Er ist sozusagen der namibische Jürgen Klopp. Aber im Unterschied zu ihm kann er noch Meister werden.“ Dann drehte sich mein Kollege wieder ganz langsam um.

Ja, kann ich so was ahnen? Wenn ich nachher im Telefonbuch „Pohamba“ nachschlage und mich zum Kaffee einlade – dann lande ich vermutlich beim Präsidenten am Tisch.

Ich hab’ne Serie!

3 Mai

Was für ein Auftakt: Am 1. Tag Prinz Karneval kennengelernt, am 2. den Vorsitzenden vom BVB-Fanclub, am 3. Kandi. Kandi ist eine Naturgewalt. Sie hat ihren 30. Geburtstag gefeiert und irgendwie bin ich in ihrem Wohnzimmer gelandet, mit einem respektabel gemixten Longdrink in der Hand, während ihr Hund versucht hat, meinen rechten Schuh zu essen. Um mich herum: mein neuer Mitbewohner, ein Kollege und fünf von Kandis Freundinnen, ebenfalls Naturgewalten. Ich ahnte Schlimmes.

Und schon ging’s los: Kandi drehte die Musik auf, schnappte sich die Gardinenstange, legte lasziv ein Bein darum und eröffnete unter dem Gejohle ihrer Freundinnen die Table-Dance-Night. Ich zog mich hinter die zwei Männer zurück und vertiefte mich ins Gespräch mit meinem Drink. Es kam, wie es kommen musste und die erste der aufgekratzten Tänzerinnen rief nach mir. Ich reagierte nicht. Wenn man einen Stock im Arsch hat, in etwa in der Größe der Stange, um die gerade sechs prächtig gelaunte Namibierinnen herumwirbeln, dann ist das mit dem Tanzen so eine Sache. Aber ich fühlte mich sicher in meinem Versteck. Schließlich waren meine Begleiter Deutsche und damit ebenfalls qua Geburt rhythmisch unterversorgt. Doch plötzlich wackelte der eine mit der Hüfte und der andere warf die Arme von sich. Und schon stand ich alleine da, alle Augen auf mich und stand unter Druck wie einst bei meiner Führerscheinprüfung.

Es gibt solche Momente im Leben, in denen muss man sich einfach entscheiden. Und man kann mir ja manches vorwerfen, aber nicht, dass ich Angst vor Entscheidungen hätte. Ich kippte also meinen Drink hinunter, machte ein paar Dehnübungen – und tanzte!

Das F-Wort

29 Jun

Schnell, zie­ht eure Kin­der vom Bild­schirm weg, jetzt kommt das F-Wort: Fuß­ball, par­don, Frauen. Ach, nee nee, Quatsch, Femi­nis­mus. Ich schwör’s, ich bin nicht radikal-toter-mann-guter-mann-feministisch:

  • Seit ich eigen­stän­dig über meine Gar­de­robe ent­schei­den kann, trage ich keine Latz­ho­sen mehr.
  • Ich habe als Kind „Wendy“ gele­sen und bin noch heute sauer auf meine Eltern, weil ich nie auf einen Pony­hof durfte.
  • Als ich das letzte Mal eine Bohr­ma­schine in der Hand hatte, habe ich die Strom­lei­tung in der Küche angebohrt.
  • Ich ver­su­che Män­ner immer ernst zu neh­men. Selbst wenn ihnen Haare aus den Ohren wachsen.

Das schreibe ich mal lie­ber vor­ne­weg. Und zwar nicht, weil ich mir Femi­nis­tin­nen als Latz­ho­sen tra­gende, „Mäd­chen­kram“ ableh­nende, hand­werk­lich begabte Män­ner­has­se­rin­nen vor­stelle, son­dern zur Erhei­te­rung für all die­je­ni­gen, die bis zu fol­gen­dem Hin­weis sonst gar nicht mehr lesen wür­den: Es ist eine Fußball-WM, keine Frauen-WM. Die Sport­art heißt Fuß­ball. FUßBALL — und nicht Frauen!

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Verfasser von Gegenwartsliteratur, Kurzgeschichten, Gedichten ...

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