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08/15 – eine Wochenbilanz

22 Feb

Ich erlebe gerade die letzten Stunden der Kalenderwoche 08/15, von der nun wirklich nicht viel zu erwarten war. Aber manchmal kommt’s halt anders, als man denkt. Die Bilanz einer Woche voller Abenteuer:

Rosenmontag

Montag: Vor meinem Wohnzimmerfenster knutscht Obelix mit einer Gießkanne. Es ist Rosenmontag. Den verbringe ich ganz gegen meine Gewohnheit nicht in der Altstadt, also am Ende der Zugstrecke, sondern in der Neustadt und damit direkt am Anfang. Erstmals offenbart sich mir die ganze Vielfalt närrischen Wurfmaterials. Bislang hielt ich Schwammtücher für das traditionelle Mainzer Wurfgeschoss. Aber plötzlich fliegen mir Schokoriegel, Schmuck, Halstücher, Bonbons, Popcorn, Gummibärchen, Taschentücher, Bleistiftspitzer, Rapper-Psy-Figuren, Tröten, Make-up-Proben, Kugelschreiber, Kaufladen-Pizza-Schachteln, Teddybären, Senftüten, Gummienten, Cracker und Kondome um die Nase. Ein Wahnsinn! Die Kondome, die ich übrigens Obelix in den Rucksack gesteckt habe, laufen im Februar ab. Ich hoffe, er fackelt nicht lange.

Freitag: Ich gehe zum Mittagessen ins „Natürlich“, ein Bioladen in der Neustadt. Während ich mit knurrendem Magen in der Schlange stehe, trifft mich der Blitz: Da ist noch ein Reisklecks – der letzte! Ich bin sofort hellwach und analysiere die Lage: In der Schlange stehen zwei Frauen vor mir – die schaffe ich, sollte es zum Äußersten kommen. Aber die Position des muskulösen Riesen neben mir ist nicht eindeutig. Ich mache einen Schritt nach vorn, er zieht gleichauf. Ich gucke pfeifend durch die Gegend und arbeite mich mit den Füßen Millimeter um Millimeter an die Theke heran. Er verschränkt die Arme und guckt mich an. Ich versuche Blickkontakt zur Verkäuferin aufzunehmen, aber er auch – und der sieht gut aus! Die zwei Frauen vor uns sind fertig, er holt Luft zum Bestellen. Nicht mit mir, mein Lieber! Ich niese lautstark, die Verkäuferin guckt mich an, sagt „Gesundheit!“ und ich sage: „Danke, ein Reisklecks, bitte!“. Während sie das verführerische Ding aus der Auslage holt, lächele ich den Typen an: „Bitte warm machen.“ Sieg auf ganzer Linie.

Schroedi

Sonntag: Schrödi und ich hatten keinen guten Start. Schrödi ist das Meerschweinchen meiner neuen Mitbewohnerin. Als Schrödi mich zum ersten Mal gesehen hat, ist er vor Schreck in seine Höhle gehüpft und den Rest des Tages nicht mehr rausgekommen. Ich wage einen neuen Versuch: Ich klopfe leise an der Tür und luge ums Eck. Schrödi guckt mich an. Ich zeige ihm meine Karotte, breche sie in zwei Hälften und lasse eine in den Käfig fallen. Er macht drei Schritte rückwärts und fixiert mich. Doch als ich in meine Karottenhälfte beiße, knabbert er auch seine an. Brüder!

Diese Woche 08/15? Pffh! Ich habe der Liebe auf die Sprünge geholfen, im Kampf um Nahrungsmittel einen triumphalen Sieg errungen und einen Freund fürs Leben gewonnen. Und, wie war eure Woche so?

11 Tipps für Rosenmontag in Mainz – Helau!

15 Feb

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Fastnachtsneulinge? Ihr habt die ver­gan­ge­nen Wochen mit wach­sen­dem Erstau­nen eure Umge­bung beob­ach­tet? Es kommt noch dicker. Hier sind 11 Tipps für Rosenmontag in Mainz:

1. Falls ihr noch über­le­gt: Die Ant­wort lau­tet Ja. Ja, ihr soll­tet euch unbe­dingt ver­klei­den. Wer das nicht tut, der erfährt das­selbe Maß an Auf­merk­sam­keit, als würde er bei der Früh­messe nackt durch den Dom ren­nen. Das Gute ist: Main­zer sind groß­zü­gig. In der Regel gilt es schon als Ver­klei­dung, wenn man Rin­gel­söck­chen trägt und die Hose hochkrempelt.

2. Äußert euch gern wohl­wol­lend zu den Kos­tü­men ande­rer. Spa­rt euch aber jeden Kom­men­tar in Rich­tung eines (ech­ten) Poli­zis­ten nach dem Motto: „Sub­bäh Kos­tüm, Gummigesicht!“

3. Ganz wich­tig: Wir fei­ern hier F-A-S-T-N-A-C-H-T. Und der dazu­ge­hö­rige Ruf heißt nicht Alaaf, Dol­lau oder Hej-Jo, son­dern Helau, gerne ein­ge­lei­tet mit „Ein drei­fach don­nern­des…“. Bei Helau guckt man ver­zückt in den Main­zer Him­mel, packt sich mit der Hand ans Herz und wirft den Arm in die Luft. Bitte dar­auf ach­ten, dass ihr in eurem Anfän­ger­über­mut kei­nen Gar­dis­ten k.o. schla­gt.

4. Ach was, das ziehe ich zurück: Schlagt ruhig zu, auf einen Gardisten mehr oder weniger kommt es in dieser Stadt nicht an.

5. Es gibt ja den berühm­ten Satz: „Ich kann auch ohne Alko­hol lus­tig sein!“ Das mag sein, der Rosen­mon­tag kann das aber nicht. Ihr soll­tet euch also den ein oder ande­ren Sekt gönnen.

6. Stink­be­sof­fen durch die Stadt fal­len, in Blu­men­beete kot­zen und in Haus­ein­gänge pin­keln ist nicht mit „den ein oder ande­ren Sekt gön­nen“ gemeint. Wer so weit ist, der hat sie ein­fach nicht mehr alle.

7. Ler­nt wich­ti­ges Lied­gut. Text­si­cher­heit wird gern gehört bei „Am Rosen­mon­tag bin ich gebo­ren“ von Mar­git Spon­hei­mer und „Im Schat­ten des Doms“ von Tho­mas Neger. Wenn ihr auf­trump­fen und eure Ver­bun­den­heit mit der neuen Hei­mat zei­gen wol­lt, dann stim­mt das Mainz-Lied von Lars Reichow an. Es wer­den Trä­nen der Rüh­rung kul­lern, aber man wird euch lieben.

8. Apro­pos lie­ben: Es ist wahr­schein­lich, dass sich ein See­bär, ein Mess­die­ner oder eine Gieß­kanne auf euch stürzt und abknutscht. Mein Tipp: Wenn die Gieß­kanne gut aus­sieht, dann macht hem­mungs­los mit. Ansons­ten sagt fol­gen­den Satz: „Ich lebe in Wies­ba­den, bin gegen Fleisch­wurst all­er­gisch und treue Anhän­ge­rin des FCK. Alaaf!“

9. Machen wir uns nix vor, der Rosen­mon­tag ist vol­ler Gefah­ren. Vor allem vol­ler brand­ge­fähr­li­cher Eltern, die jedes ein­zelne Bon­bon die­ses Zuges für ihr ver­zo­ge­nes Balg vor­ge­se­hen haben. Und da ken­nen die nix: Unzu­läs­si­ger Ein­satz von Regen­schir­men sowie Atta­cken mit Kin­der­wa­gen sind die Regel — und ganz ver­se­hent­lich fliegt auch mal ein Ell­bo­gen beim Fan­gen durch die Luft.

10. Das Wurf­ma­te­rial ist eh so eine Sache. Ja, man kriegt was umsonst, aber nicht alles, was umsonst ist, will man auch haben. Ich erin­nere mich an meh­rere Schwamm­tü­cher, brö­se­li­ges Pop­corn und abge­lau­fene Scho­ko­lade, die ihren Weg zu mir gefun­den haben. Schen­kt all die­ses über­flüs­sige Zeug ein­fach den Kin­dern, deren Eltern ihr beson­ders ner­vig fandet.

11. Rech­net mit unge­ahn­ten Schmer­zen am nächs­ten Mor­gen. Irgend­was wird euch weh tun und ihr wer­det nicht wirk­lich sagen kön­nen, warum eigent­lich. Seid froh darüber!

Rosenmontag in Mainz – eine Chronologie

10 Feb

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Einmal im Jahr haben mich meine Freunde besonders lieb. Ich wohne nämlich in Mainz an der Strecke des Rosenmontagszugs. Wie ich und andere Anwohner diesen Tag erleben? Eine dokumentarische exemplarische Chronologie:

10 Uhr: Diverse Freunde haben sich zum Brunch eingeladen. Alle haben an Getränke, aber keiner an Essen gedacht. Schnell werden mehrere Flaschen Sekt geleert. Leider fliegt bei einer der Korken mit solchem Karacho weg, dass er die Haferflockenpackung eines WG-Mitbewohners glatt durchschießt.

11.11 Uhr: Während in der Boppstraße der Zug anrollt, rieseln immer noch Haferflocken von der Küchendecke. Man wirft Konfetti zwischen die restlichen Flocken in der Packung und hofft, dass der Mitbewohner, der sich gerade auf der Flucht befindet, den Unterschied nicht bemerkt. Derweil bringt man den kolumbianischen Gästen wichtiges Liedgut bei: „Rucki Zucki“ flutscht in Sachen Aussprache deutlich besser als „Schnuckele Schnackele, Heissassa“.

11.30 Uhr: Pippi Langstrumpf raucht und verfehlt beim Aschen den Aschenbecher, trifft dafür aber die Luftschlangen. Apfelschorle hilft beim Löschen. Zum Rauchabzug reißen die Kolumbianer die Fenster auf und beglücken das Viertel mit ihrer neuen Sangeskunst.

12.15 Uhr: Die Mainzer schalten die TV-Übertragung des Rosenmontagszuges ein. Beim Anblick der Funkenmariechen kippt einer vor Aufregung eine Flasche Sekt um, der Fernsehapparat zischt und dampft. Zwei Höhlenmenschen formulieren eine gereimte Schadensmeldung an die Haftpflichtversicherung.

12.50 Uhr: Letzte Arbeiten am Kostüm, das in klimatischen Extremen bestehen muss: eisige Tundra beim stundenlangen Stehen auf der Straße und subtropische Wetterlagen bei Tanzorgien in Altstadtkellern.

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13.10 Uhr: Der Zug kommt! Das Narrenvolk stürmt auf die Straße. Pippi Langstrumpf, mittlerweile auf dem Balkon rauchend, wird vergessen. Jeder telefoniert mit jedem und alle verabreden als Treffpunkt die Weißliliengasse. Die Kolumbianer lernen eine Gruppe Cowgirls kennen und kommen nicht mit. „Schnuckele Schnackele, Heissassa“ klappt offenbar doch ganz gut.

13.50 Uhr: Man trifft auf dem Neubrunnenplatz auf Bekannte. Da die aber zu Altweiber in Köln waren, samstags bei der Sitzung der Meenzer Drecksäck und sonntags beim Finther Zug der Lebensfreude hat ihr Sprachzentrum geschlossen.

14.05 Uhr: Beim Überklettern einer Absperrung auf der Lu stürzt einer der zwei Höhlenmenschen und schneidet sich die Hand an Scherben auf. Als ein Sanitäter nach dem Namen fragt, fällt auf, dass man den Höhlenmenschen gar nicht kennt.

14.30 Uhr: Großes Hallo auf der Weißliliengasse, das gemeinsame Lager befindet sich direkt vor der Polizeistation. Man hebt die Plastikbecher uff unser goldisch Meenzer Fassenacht, wundert sich, wo Pippi Langstrumpf ist und gratuliert einem Polizisten zu seinem teuflisch echt aussehenden Knallblättchen-Colt.

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14.45 Uhr: Gut 100 Zugnummern sind durch. Die Motivwagen sind mal wieder nur so halb gewagt, aber die Fußgruppen sorgen für Stimmung. Man will gerade die anfliegende Schokolade fangen, als sie einem ein Vater mit aufgeklapptem Schirm und ausgefahrenem Ellbogen vor der Nase wegschnappt und seinem verzogenen Balg zusteckt.

14.46 Uhr: Die Regenschirmnummer wiederholt sich. Damit ist das Maß voll! Mit markerschütterndem Helau-Gebrüll stürzt man sich auf den Familienvater, zwingt ihn zur Herausgabe von mindestens einer Schokolade und zwei Heidelbeerbonbons und flüchtet dann in die Altstadt.

15.45 Uhr: Vorm Klo auf dem Bischofsplatz trifft man die Kumpels wieder, zieht mit ihnen zwischen Bitsch-Keller, Klingelbeutel und Goldstein umher und trifft auf eine Samba-Gruppe. Der eigene Hüftschwung ist allerdings so unerwartet heftig, dass man ausrutscht und mit der Stirn auf das Kopfsteinpflaster fällt. Da plötzlich Nebel in den Straßen aufzuziehen scheint, bleibt man mal kurz liegen. Nur zur Sicherheit.

16 Uhr: Irgendjemand bringt einen in die Wohnung zurück. Man krabbelt zu Pippi auf den Balkon, die sich mit einem Transvestiten auf dem Nachbarbalkon angefreundet hat. Man erklärt den beiden, dass es echt toll war, mal wieder die Nacht durchzufeiern, bis es hell wird – wie früher, als man noch jung und wild war. Dass es immer noch hell ist und man schon länger nicht mehr jung und wild, das verschweigen die zwei netterweise.

16.05 Uhr: Während man auf der Couch langsam wegdöst, gratuliert man sich zu diesem rundum gelungenen Mainzer Rosenmontag. Nur Rheingauer Sekt, den wird man nie wieder trinken. Mehrere Flaschen dieser hessischen Plörre müssen abgelaufen gewesen sein, so mies wie man sich gerade fühlt. Die können einfach nix, diese Messfremden…

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Sie ruhe in Frieden, die Mainzer Fastnacht!

5 Mrz

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Die Fastnacht ist tot, mausetot. Gerade komme ich von der Beerdigung in der Mainzer Altstadt. Die Trauerrede von Obermessdiener Schmitt war bewegend, die Gemeinde gerührt, die Leiche angemessen bleich. Wie es sich gehört, hat man vorm Weinhaus Bluhm gemeinsam um den Toten geweint, nebenbei die Fleischwurst besungen und die Wiesbadener beschimpft – und natürlich die Auferstehung in 278 Tagen heraufbeschworen. Bei all dem religiös angehauchten Brimbamborium habe ich Angst bekommen, dass im katholischen Mainz der Spaß nun wirklich vorbei sein könnte. Schließlich hat der Fastenquatsch in den vergangenen Jahren immer mehr um sich gegriffen. Das kurze Gespräch der beiden schwarz gewandeten Damen, die beim Trauermarsch neben mir gingen, hat mir dann aber Mut gemacht:

  • Trauernde 1: „Fastest du eigentlich?“
  • Trauernde 2: „Waren deine Eltern Geschwister?“

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Närrische Nackedeis

17 Feb

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Kürzlich war ich mit einer Freundin in der Sauna. Als wir gerade drinnen waren, hörten wir eine Frau fragen: „Entschuldigung, ist das der Fastnachtsaufguss?“ Ich habe gelacht. Ich hielt es für einen Scherz. Es war der Fastnachtsaufguss.

Zu dieser Jahreszeit muss man in Mainz mit allem rechnen – mit Gardisten auf Verbrüderungskurs, kotzenden Teddybären und liebestollen Radieschen. Aber in meiner Vorstellung war die Saunawelt so narren- wie textilfrei, der Ort gewordene Aschermittwoch. Ich habe das Mainzer Narrentum unterschätzt.

Nach einer ersten Schrecksekunde guckte ich mir den Tagesplan an: Tatsache, da wurde ein Aufguss mit Kräuterwein vom Winzer-Weingut angekündigt. Ich sah es vor mir: Wie der Kräuterwein vom heißen Stein direkt in mein Hirn dampft, wie ich als prächtig gelaunter Schwellkopp durch den Außenbereich torkele, wie ich aufs Dach der 90°-Sauna klettere, um die anderen närrischen Nackedeis beim „Schnuckele Schnackele, Heissassa“-Singen zu dirigieren, wie die Angestellten versuchen, mich mit Kreppeln wieder herunterzulocken, wie …

Ich beschloss, dass so ein Aufguss nichts für mich ist und ging schnurstracks ins Dampfbad. Ich saß kaum auf den Fliesen, alles verschlingenden, heißen Nebel um mich, als die Tür aufgerissen wurde und eine Stimme rief: „Herzlich Willkommen zur Meenzer Fassenacht-Sauna!“ Schon war der pure Frohsinn im Bad und verteilte Salzpeeling mit Traubenkernöl. Hätte ich nicht so einen Haufen in Händen gehalten, hätte ich draußen schnell meine Brille geholt. Nur zur Kontrolle. Ich hatte nämlich fast den Eindruck, die Frau habe ein Elch-Geweih auf dem Kopf gehabt.

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