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Ins Blaue – Die Synagoge von Curaçao

3 Feb

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Mit zitternden Fingern öffne ich meine Wasserflasche. Ich sitze und doch rinnt mir der Schweiß in Strömen. Prompt rutscht mir der Deckel aus der Hand und kullert über meinen rechten Oberschenkel, um sich übers Knie in den Abgrund zu stürzen. Ich gucke ihm nach, während der Puls zwischen meinen Ohren hämmert.

Ich bin im Arsch. Was ist nur los mit mir auf dieser Insel? Curaçao – das klingt nach alten Schatzkarten, nach Abenteuern unter dem Winde, nach mystischer Exotik und karibischen Versuchungen. Aber ich bin nur versucht zu brechen. Ich fühle mich fast wie vor zwei Tagen, als ich mit dem Kopf in der Kotztüte per Taxi auf der Suche nach einem Arzt war und schließlich vor einem „Veterinario“-Schild gelandet bin. Nur dass ich jetzt mit dem Kopf unter der Vorderbank stecke und darüber nachdenke, mich einfach neben diesen Deckel zu legen.

Kurzerhand kippe ich mir die komplette Flasche Wasser hinter die Binde, schließe die Augen und atme tief durch. Wo sind wir überhaupt? Eine gute Stunde bin ich willenlos meiner Reisegruppe und ihrer Stadtführerin durch Willemstad gefolgt, habe mich aufs Atmen und Gehen konzentriert. Nun blinzele ich die Schweißperlen von meinen Wimpern und gucke direkt in das wunderbarste Blau, das ich je gesehen habe. Und nicht nur das. In diesem stillen, leicht abgedunkelten Raum umweht mich ein kühles Lüftchen, dass es eine Freude ist.

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Sofort kehren meine Lebensgeister wieder: Das ist die Mikvé Israel-Emmanuel Synagoge, gestiftet 1732. Kein anderes jüdisches Gotteshaus der westlichen Hemisphäre ist länger im durchgehenden Betrieb. Ich habe einiges darüber gelesen und nun sitze ich hier in dieser kleinen Oase inmitten der trubeligen, kreischbunten Inselhauptstadt und genieße dieses Blau.

Natürlich bietet einem das gerade mal 444 Quadratkilometer große Eiland, auf dem man immer den Himmel oder das Meer oder beides vor der Nase hat, Blautöne ohne Ende. Sogar die Flagge und der Nationallikör sind blau – Letzterer kann allerdings auch anders. Aber diese blau schimmernden Fensterbögen in der Synagoge sind besonders. Die Kombination mit der schweren, dunkelbraunen Mahagoni-Einrichtung, den goldenen Kronleuchtern und weißen Säulen wirkt ungeheuer edel und beruhigend.

Während unsere Stadtführerin Clarina Gomez im Flüsterton die bewegte Geschichte des Judentums auf der Insel erklärt, bleibt mein Blick auf dem Balkon hängen: eine Orgel? Was macht die denn hier? Soweit ich weiß sind Synagogenorgeln ziemlich selten und Anzeichen für einen deutsch-jüdischen Kultureinfluss. Bei uns sind die meisten in der Pogromnacht in Flammen aufgegangen, aber wie kommt dieser typisch teutonische Trumm in die Südkaribik? Ich würde gerne nachfragen, bin aber leider immer noch dermaßen verlangsamt, dass ich nicht zwischen Clarinas Rede komme.

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Sie weist derweil auf eine andere Besonderheit hin: den feinen, weißen Sand, der vollständig den Boden bedeckt. Dafür gibt es mehrere Erklärungen, zum Beispiel erinnert er daran, dass die sephardisch stämmigen Juden in ihren Heimatländern einst ihre Schritte polstern mussten, weil sie ihre Religion nicht frei ausüben durften. Warum der Sand aber unbedingt aus Surinam stammen muss, bleibt mir ebenso ein Rätsel wie die Orgel – bei 38 Sandstränden wäre die Auswahl auf der Insel doch wohl groß genug.

Oh Gott, 38 Sandstrände! Und bestimmt alle in der prallen Sonne! Ich bin nicht sicher, ob ich auch nur den Besuch eines einzigen überlebe. Schnell gucke ich in ein blau schimmerndes Fenster und seufze glückselig. Während meine Gruppe in selbstmörderischer Manier nach draußen in den Innenhof strömt, checke ich noch mal die Lage bei meinem Deckel unter der Vorderbank. Mach Platz, Kumpel, ich bleibe noch ein bisschen!

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Und Schluss!

31 Dez

[Heute ist zum letzten Mal die Mainzer Rhein-Zeitung erschienen – die Zeitung, bei der ich Praktikantin, Freie, Volontärin und bis April auch Redakteurin war. Und in dieser letzten Ausgabe, der Silvesterausgabe, ist prompt noch mal ein Text von mir. Silvesterkind halt… 😉 ]

Das grüne Herz von Curaçao

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Dinah Veeris fackelt nicht lange. Die Curaçaoerin bricht einen Zweig von einem Bäumchen ab und kaut so wild darauf herum, dass die bunten Kugeln an ihren Ohren aufgeregt wackeln. „Tsahnbürschte“, nuschelt sie und lächelt. Stoki heißt die Pflanze, die angeblich gut für die Mundhygiene ist und deren Blätter und faserigen Zweige noch von Veeris‘ Mutter zum Zähne putzen verwendet wurden. Heutzutage sind auf der kleinen Karibikinsel industriell hergestellte Zahnbürsten natürlich gängiger.

Die Stoki-Pflanze ist eine von gut 300 Arten, die Veeris in ihrem botanischen Garten am Rande der Hauptstadt Willemstad zieht. „Den Paradera“ ist ein Hort an grünem Wissen, eine Sammlung heimischer Kräuter, Büsche und Bäume und eine Quelle für die Spiritualität der Vorfahren und ihre Kenntnisse über die Heilkräfte der Natur. Aber der Garten ist noch etwas: Business.

Kauend marschiert die 74-Jährige durch ihr Reich, streichelt hier eine Agave und tätschelt dort eine Aloe. Mit wippendem Rock stoppt sie bei einem Kaktus. Der Stamm ist verholzt, die Farbe irgendwo zwischen Braun und Grün, nicht gerade appetitlich. Veeris klemmt ihren Stokizweig hinters Ohr und schnappt sich eine herumliegende Astgabel. Sie streckt sich an den großen Kaktussäulen ganz nach oben und hakt die Gabel an einem stacheligen Kaktusarm ein: „So schlägt man einen Arm ab“, demonstriert sie. „Er wird geschält und aus dem Fruchtfleisch macht man Suppe oder Saft. Kranke bekommen davon ihre Kraft zurück.“

Ein Kraut gegen jedes Zipperlein

Der Kadushi ist ein wahrer Tausendsassa: Die roten Früchte enthalten laut Veeris viel Eisen und Vitamin C, wirken blutreinigend und sind gut gegen die Hautalterung. Und wer sich mit Kadushi-Shampoo die Haare wäscht, der bekommt angeblich weniger schnell graue Haare. Offenbar ist gegen jedes Zipperlein ein Kraut gewachsen…

Vor fünf Jahren hat Veeris ihren Job als Lehrerin aufgegeben, diesen Platz gekauft und die ersten Pflanzen hergebracht. Es war ein Wendepunkt in ihrem Leben – der Höhepunkt einer Entwicklung, die einige Jahre zuvor mit einem Schicksalsschlag begann: Veeris musste sich im Krankenhaus Eierstöcke und Gebärmutter entfernen lassen. Nach der Operation fühlte sie sich schwach, hatte ständig Kopfschmerzen und kam einfach nicht mehr auf die Beine. Erst ein Arzt auf der Nachbarinsel Aruba konnte ihr mit Naturheilverfahren helfen: Veeris änderte ihre Lebensweise, ihre Ernährung und beschäftigte sich erstmals mit pflanzlichen Heilkräften.

Die Weisheit der Alten bewahren

Als sie zurück auf Curaçao war, erkannte sie im Garten ihrer Mutter viele Pflanzen wieder. Sie begann die alte Dame auszufragen über ihr Wissen um die Natur. Veeris knüpfte systematisch Kontakt zu den Alten auf Aruba, Bonaire und Curaçao. Sie sammelte nicht nur ihre grünen Kenntnisse, sondern auch ihre Geschichten über die Lebensweise der Vorfahren. Denn für die 74-Jährige ist beides eng verknüpft: Die Kraft der Natur und die Spiritualität der Ahnen.

„Die Quelle liegt im Wissen der Sklaven und Indianer“, sagt Veeris. Denn Curaçao war ursprünglich von den Paraguiri-Indianern bewohnt, als 1499 die Spanier die kleine Insel nördlich von Venezuela entdeckten. Sie brachten ihre afrikanischen Sklaven zu den naturkundigen Indianern, damit sie ihre menschliche Ware nach der anstrengenden Überfahrt wieder gesund machten. Doch 1634 eroberten die Niederländer Curaçao und es folgte ein ständiger Kampf um die günstig gelegene Insel zwischen ihnen, Engländern und Franzosen.

Eine Insel als Schmelztiegel

Heute gilt Curaçao als unabhängig innerhalb des niederländischen Königreichs, aber die Bevölkerungsstruktur zeigt noch immer die bewegte Vergangenheit: Laut Tourismusverband entstammen die 150.000 Bewohner mehr als 50 Nationen. „Die Holländer haben Sklaven und Indianer zu Katholiken gemacht. Ihre eigene Spiritualität sollten sie vergessen, Naturmedizin war verboten und stigmatisiert“, sagt Veeris. Noch dazu gibt es nur wenige schriftliche Zeugnisse über die Botanik der Insel: Im schwülheißen Klima der Karibik verrottet Papier einfach zu schnell.

Ihr Wissen hat Veeris in zwei Büchern zusammengetragen, denn es soll nicht noch einmal verloren gehen. Sohn Shastri hat in Indien Ayurveda und in Holland Naturmedizin studiert und wird irgendwann das Erbe der Mutter antreten. Außerdem arbeitet sie mit Kindern und zeigt ihnen, wie man Pflanzen zieht und die Schätze der Natur hütet. „Anfangs haben mich die Leute hier als Kräuterhexe ausgelacht, aber plötzlich wurden sie doch neugierig. Mittlerweile kommen sogar Ärzte und informieren sich bei mir“, sagt sie nicht ohne Stolz. „Das Bewusstsein für die Natur nimmt generell wieder zu. Da ist etwas in Bewegung.“

Natur ist Partner der Schulmedizin

Doch trotz aller Begeisterung für Naturheilkräfte sieht sie auch ihre Grenzen – und sich selbst nicht als Ersatz, sondern eher als Partnerin eines Schulmediziners. „Ich behandle zwar Leute mit Kräutern, aber ich rufe durchaus auch mal einen Arzt. Genauso schicken mir Ärzte ihre Patienten. Das ist ein Prozess, eine gegenseitige Unterstützung“, sagt sie und sinniert weiter: „Ich weiß nicht, ob man jede Krankheit mit Pflanzen heilen kann. Falls das so sein sollte, dann fehlt uns das entsprechende Wissen dafür.“

Veeris marschiert weiter durch ihren Garten und weiht die Besucher in ihre grünen Geheimnisse ein. Es raschelt an allen Ecken und Enden: Eidechsen jagen sich die Stämme hoch, ab und an sieht man einen Leguan regungslos beim Sonnenbad. Heiß ist es, schwül und drückend, Moskitos fressen sich satt an jedem Fleckchen nackter Haut, aber Veeris hat den Elan einer jungen Frau. Sie erzählt von der Zeit der Sklaven, von alten Legenden und der Spiritualität früherer Generationen.

Hoffen aufs große Geschäft

Wer sie nach ihren Plänen für die Zukunft fragt, der bekommt eine erfrischend wenig spirituelle Antwort: „Meine Ziele sind kommerzielle. Wir verhandeln gerade mit einem möglichen Partner in den Niederlanden für den Import unserer Produkte. Das könnte ein echter Boom werden. Wir haben so hart gearbeitet und viel investiert, das soll sich jetzt mal lohnen“, spricht‘s und führt die Besucher in einen Shop.

Allerlei Produkte gibt es hier, gegen Gelenkschmerzen, Erkältung und Hautprobleme. Aber auch Pülverchen für die Manneskraft, Glücksöl für die Badewanne und einen feuerroten Liebestee. Ob’s hilft? Wer weiß – aber ein Griff in die Schatzkiste der Natur kann ja zumindest nicht schaden.

Die Reise wurde finanziert vom Curaçao Tourist Board.

Suff weltweit: A wie…

11 Okt

Travel-and-Food-Blogs sind sehr in. Ich lese sie gern. Mit exotischem Essen und mir ist es aber so eine Sache. Mopane-Raupen in Namibia, gegrillte Heuschrecken in Thailand, Froschschenkel in Frankreich? Nein, danke! International gesehen ist das Trinken mehr mein Metier. Deswegen gibt es die Rubrik „Suff weltweit von A-Z“ – wird natürlich fortlaufend erweitert…

A wie…

Amarula in Südafrika: Ich bin die Tochter eines Biolehrers und hatte Biologie als Hauptfach in der Schule. Die Photosynthese, Mendels Vererbungslehre, der Klimawandel – alles nur noch rudimentär bei mir vorhanden, festgesetzt hat sich vor allem Quatsch. Ich sage nur: „Die lustige Welt der Tiere“ von Jamie Uys. Ich könnte mich noch heute darüber beömmeln, wie die Strauße nach dem Genuss der Früchte des Marulabaumes durch die Kalahari tippeln, die Paviane vom Baum fallen und die Elefanten ein Tänzchen aufs sandige Parkett legen:

Kein Wunder, dass ich dem Wildfrucht-Crème-Likör Amarula bei meiner Reise auf der Garden Route voller Offenheit begegnet bin. An der Waterfront sitzen, aufs Meer schauen und dabei einen Amarula on the rocks im Glas klirren lassen, diesen sahnigen, süßen, leicht fruchtigen Zungenbeschwerer, während einer dieser gewaltigen südafrikanischen Sonnenuntergänge seine Show abzieht. Bei der Kulisse hätte man mir vermutlich auch Benzin ins Glas kippen können und ich hätte es geliebt. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich Amarula zuhause nie gekauft habe: Mainz ist nicht gerade für seine spektakuläre Küste berühmt… Übrigens hat Bild der Wissenschaft schon vor Jahren mit der Annahme aufgeräumt, dass sich Elefanten mit den vergorenen Marulafrüchten einen ordentlichen Schwips anfuttern. Angeblich liegt der torkelnde Gang an giftigen Käferpuppen, die mitgefressen werden. Kollateralsuff sozusagen. Ich ignoriere das. Ich glaube einfach weiter daran, dass sich die Grauen zum Stammtisch treffen und dann Sauereien in die Ohren tröten.

***

Awa la Munchi auf Curaçao: Die Sonne brennt vom Himmel. Kein Lüftchen geht – untypisch auf der Insel am Rande der Karibik, aber dieser Tage vermutlich einem Wirbelsturm bei Mexiko geschuldet. Wer mehr als zehn Meter läuft, ist völlig fertig. Ich bin nicht mehr als zehn Meter gelaufen, bin aber trotzdem völlig fertig. Eigentlich saß ich mit Hut, Sonnenbrille und Sunblocker auf einem Pickup und habe mich durch den Christoffelpark kutschieren lassen. Aber nach zwei Stunden fühle ich mich kurz vorm Kollaps, ich schwitze wie ein Schwein und sehe Sternchen. Endlich sind wir raus aus diesem Park und rein in ein Restaurant, danke, danke, danke, ich schaffe es nicht, mir eigene Gedanken über die Bestellung zu machen, und nehme einfach das, was meine Nachbarin bestellt hat. Ich schließe die Augen und konzentriere mich aufs Atmen und dann kommt es: Ein großes, ein sehr großes, ein angemessenes Glas, randvoll mit Eiswürfeln und hausgemachter Limonade, sehr sauer, nur leicht süß und voller Vitamine. Ich kippe die trübe Flüssigkeit runter. Ich habe überlebt. Awa la Munchi sei Dank!

***

IMG_4271Apfeltee in der Türkei: Flashback. Sofort. Kaum sitze ich auf diesem winzigen, bunten Plastikstühlchen und lasse den süßen Apfeltee über meine Zunge fließen, fühle ich mich wie früher beim Kindergeburtstag. Während die kleine Alexandra im Schatten eines Straßencafés sitzt, guckt sie mit großen Augen dem Leben in Istanbul nach: den alten Leutchen, die ein wenig klapprig ihre Einkäufe auf dem Bazar erledigen; dem Melonenmann, der mit seinem Karren vorbeizieht und die aufgeschnittenen Früchte verkauft; den gläubigen Muslimen, die flotten Schrittes in die Moschee laufen; dem Jungen, der einen kleinen Eimer mit Fischen von den Anglern am Bosporus wegbringt; den Freundinnen, die sich einhaken und kichernd ins Ohr flüstern; den Werbern, die sich gegen den Strom stellen und Passanten Flyer für Restaurants oder Schiffstouren in die Hand drücken; den Schulkindern, die Quatsch machen und mit wippenden Ranzen und verrutschten Hemden nach Hause rennen; dem Simit-Verkäufer, der eine hungrige Touristengruppe mit Sesamkringeln versorgt und danach mit einem Bekannten plaudert… Aber leider ist das Gläschen schnell ausgetrunken und die kleine Alexandra wieder groß und sie fragt sich, ob tatsächlich ein Apfel etwas zu diesem Apfeltee beigetragen hat und ob dieses Instantzeug einen Deut besser ist als das verteufelte Quench-Saftpulver von früher und ob wohl auch waschechte Türken diesen Tee trinken oder ob er eine Erfindung für Touristen ist. Ach, was soll’s. Ich bin Touristin. Ein Glück!

***

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Fotoreise: Von A wie Addo bis Z wie Zagreb

7 Okt

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Curaçao – 10 Knaller!

2 Okt

150.000 Menschen auf einer 444 Quadratkilometer großen Insel am Rande der Karibik – das ist Curaçao. 10 Dinge, die das kleine Eiland nördlich von Venezuela besonders machen:

1. „Holland unter PalIMG_5794men“ heißt Curaçao auch. Man spricht Niederländisch, trinkt Amstel und findet Willem-Alexander ganz nett. Gezahlt wird mit dem Niederländischen Antillen-Gulden (Kurs: 10 Euro = 24,62 Nafl), wobei Curaçao kein Billigland ist. Die Innenstadt von Willemstad mit der kreischbunten Kolonialarchitektur ist übrigens Weltkulturerbe. Seit Oktober 2010 gilt die Insel als unabhängig im niederländischen Königreich. Was auch immer das bedeutet…

2. Menschen mit Wurzeln in mehr als 50 Nationen leben hier. Seit ein Leutnant von Columbus die Insel 1499 „entdeckt“ hat, wird die Mischung immer wilder: Indianer mussten Spanier, Engländer, Franzosen und Niederländer verkraften, die Sklaven aus Afrika, Indien und weiteren Kolonien herbrachten, um sie für den Verkauf fitzumachen. Dazu kommen Kariben und Amerikaner sowie sephardische Juden, die eine wunderschöne Synagoge gebaut haben. Fehlen nur noch ein paar Mongolen und Rheinhessen!

IMG_57263. Papiamentu ist ebenfalls ein Mix – beeinflusst von Portugiesisch und Spanisch. Beispiel: „Batatas matshi“. Na? Kartoffelbrei, hihihi! Das wichtigste Wort ist „Dushi“. Wenn nix mehr geht, geht Dushi noch. Gutes Essen, ein heißer Typ, die beste Freundin – alles dushi. Klingt putzig, allerdings wurde die Kreolsprache lange unterdrückt. Mein Lieblingstaxifahrer Chernov (auf dem Foto mit Enkelin) hat erzählt, dass er als Schüler zur Strafe mit dem Finger auf den Lippen in der Ecke stehen musste, wenn er beim Papiamentu sprechen erwischt worden war.

4. Woher der Name Curaçao stammt, ist unklar. Eine Vermutung ist, dass er vom Wort „Corazón“ (Herz) herrührt, so hatten die Spanier die Insel getauft. Eine andere, dass er auf das lateinische „Curare“ (Heilung) und besonders vitaminreiche Früchte zurückgeht. Sagt der Toursimusverband, ich habe aber neben Kakteen, Agaven und Aloe wenig wachsen sehen.

5. Die Piekser wachsen dafür wie bekloppt. Im Christoffelpark stehen riesige Kakteen, mit denen ich nicht streiten würde. Hautkranke sollten die Aloe Vera Plantage besuchen. Eine Bekannte von mir schwört auf deren Gel, vor allem in Verbindung mit dem Salzwasser und der Wärme. Ich bin zum Glück nicht hautkrank, mir sind die Produkte daher wie die meisten Kosmetikartikel zu teuer.

6. Wer mehr über Pflanzen wissen möchte, sollte zu Dinah Veeris gehen. Die 74-Jährige schnackt über Naturheilkräfte, serviert köstliche Limo, die an Hagebuttentee erinnert, und ist erfrischend direkt. Auf meine Frage, welche Ziele sie nach dem Anlegen ihres Botanischen Gartens hat, sagte sie: „Kommerzielle. Wir haben hart gearbeitet, das soll sich lohnen, Dushi!“ Da habe ich direkt einen Liebestee gekauft. Kann nix schaden, oder?

IMG_58957. Apropos Getränk: Der berühmte Curaçao ist nicht blue, sondern auch red, green, orange und klar. Bei uns verwenden Bars oft den von Bols aus Amsterdam. Mir schmecken beide nicht. Als ich den Likör zum Probieren on the rocks bestellt habe, hat man mich angeguckt, als hätte ich gepupst. Aus gutem Grund nimmt man ihn nur zum Mischen. Gebrannt wird der Curaçao of Curaçao aus den Schalen der Pomeranzenart „Laraha“, deren Früchte bitter sind. Die winzige Destillerie nahe Willemstad fand ich ziemlich unsympathisch.

8. Kulinarisch ist die Inselguenni vielfältig und international, wobei viele Lebensmittel importiert werden. Eine Besonderheit ist Kaktussuppe, die kräftigend sein soll, aber schleimig im Teller wabbelt. Man isst Leguan, geschmacklich nahe am Hühnchen. Unbedingt probieren sollte man Kokosnusseis – eine Sünde. Tipps: Norman’s Place im Caracasbaaiweg, schon wegen der EQ Entertainment Band, deren Sänger die Texte vom Handy abliest, und die Markthalle Marshe Bieu hinter der Hauptpost, topfrisches Einheimisches zum Ausprobieren.

9. Wer kilometerstrandlange Sandstrände erwartet, ist falsch. Dafür gibt es reizende Buchten wie Grote Knip und Porto Mari mit azurblauem Wasser. Die Begeisterung für die Insel Klein Curaçao teile ich nicht und das liegt nicht an der Überfahrt. Ich fand sie trostlos. Ich bin ja nun keine Actionmaus, aber wer Wassersport treibt, der wird Spaß haben.

10. Das Wetter auf Curaçao ist heiß und schwül. Nein, es ist heisssssss und schwühühüüül. Es kühlt nachts kaum ab, das Meer ist eher lau und kalte Getränke kann man gar nicht genug in sich hineinkippen. Mich hat die Mischung aus gefühlter Temperatur um 40°, hoher Luftfeuchtigkeit, zu viel Sonne, Jetlag und irgendwas zu Essen, was gerade nicht das Passendste war, so umgehauen, dass ich zum Arzt musste. Ich spare mir Details, nur so viel: Der erste Arzt war beim Lunch und durfte nicht gestört werden, der zweite gilt vermutlich noch heute als verschollen und als ich in der Auffahrt des dritten kurz aus meiner Tüte hochgeschaut und das Schild „Veterinario“ gelesen habe, habe ich beschlossen, in aller Stille weiterzubrechen und meine Begleiter machen zu lassen. Allerdings war ich nicht mehr richtig bei mir. Möglicherweise war alles ganz anders…

Die Reise wurde finanziert vom Curaçao Tourist Board. Mehr Informationen gibt es auf www.curacao.de und www.1000awesomethingsaboutcuracao.com. Transportdienste von Chernov Rozier: Tel. 00599-9-5651809.

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