Tag Archives: Chai

Suff weltweit: C wie…

7 Jan

Travel-and-Food-Blogs sind sehr in. Ich lese sie gern. Mit exotischem Essen und mir ist es aber so eine Sache. Mopane-Raupen in Namibia, gegrillte Heuschrecken in Thailand, Froschschenkel in Frankreich? Nein, danke! International gesehen ist das Trinken mehr mein Metier. Deswegen gibt es die Rubrik “Suff weltweit von A-Z” – wird natürlich fortlaufend erweitert.

C wie…

curacao

Genuine Curaçao Liqueur auf Curaçao: Die Bar badet in schummerigem Licht. Flasche reiht sich an Flasche. Ab und an wirbelt eine durch die Luft, wenn der dunkel gekleidete Barmann sie für höchst delikat aussehende Cocktails braucht. Während meine Reisebegleiter die Karte studieren, habe ich mich längst entschieden. Seit wir in Willemstad, dieser schnuckeligen Hauptstadt der Antilleninsel Curaçao sind, kann ich es kaum erwarten, endlich den berühmten Likör zu probieren – und zwar nicht irgendeinen, sondern the one and only Blue Curaçao, das Original.

Der Begriff „Curaçao“ konnte nämlich nicht geschützt werden und so bezeichnet er nicht nur das Karibikprodukt der Familie Senior, sondern ganz generell eine bestimmte Art von Orangenlikören diverser Hersteller. Bei uns im fernen Europa bekommt man meist die Variante von Bols – und ähhh, an die habe ich aus Jugendtagen wirklich keine guten Erinnerungen…

„One Curaçao on the rocks, please!“, sage ich, als der Barmann kommt – und ernte einen Blick, als hätte ich Pipi auf die Theke gemacht. „Sure?“, fragt er und verwirrt mich vollends. „Nnnnoooooyesno“, sage ich und der Lockenkopf erklärt mir lachend, dass ich den Likör zwar gerne pur auf Eis haben könne, aber dass sie ihn eigentlich nur als Zutat in Cocktails verwenden – „with good reason“, sagt er noch. Um es kurz zu machen: Auch das Original macht schlimm Kopfweh, aber vielleicht liegt’s an meinem Kopf.

Wie auch immer, die Geschichte dieses Gesöffs ist trotzdem interessant. Schuld an allem sind die Spanier, die die Insel 1499 entdeckt und ihre geliebten Valencia-Orangen angeschleppt haben. Diese wurden in dem heißen, sehr trockenen Klima allerdings eine im wahrsten Sinne des Wortes herbe Enttäuschung für die stolzen Iberer. Die Bäume verwilderten – bis jemand entdeckte, dass die getrockneten Schalen der bitter schmeckenden Orangen wunderbar duftende ätherische Öle enthalten, aus denen man gut Likörchen brennen kann.

Das Rezept ist selbstverständlich geheim und angeblich seit 1896 unverändert. Mittlerweile gilt die Pflanze als eigene Art und heißt „Laraha“. Sämtlicher Genuine Curaçao Liqueur wird aus gerade mal 45 Laraha-Bäumen gewonnen. Die winzige Destille der Familie Senior & Co. auf dem Landgut Chobolobo nahe Willemstad steht Besuchern offen. Der Likör wird übrigens in fünf verschiedenen Farben produziert: Neben dem originalen klaren und dem berühmten blauen, gibt es auch eine grüne, rote sowie orangene Variante, zudem die Geschmacksrichtungen Kaffee, Schokolade und Rum-Rosine. Ganz ehrlich: Mir schmecken sie alle nicht.

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C wie…

Indischer Pfeffer - gehört in guten Chai.

Indischer Pfeffer – gehört in guten Chai.

Chai in Indien: Nachtzug nach Mumbai. Wir sind zu sechst im Schlafabteil: zwei Australierinnen, zwei Engländer, eine Norwegerin und ich. Es ist eng, heiß und laut, aber der pure Luxus im Vergleich dazu, wie manch anderer diese Fahrt hinter sich bringt. Wir pennen mit unseren Rucksäcken im Bett, weil nur ein schmuddeliger Vorhang das Abteil zum Gang hin verschließt und man uns vor Dieben gewarnt hat. Das Diebischste, das mir begegnet sind jedoch nur Mäuse, die auf der Suche nach Essensresten durch die Abteile laufen. Trotz des Ratterns des Zuges hört man die kleinen Nager über den verdreckten Boden kratzen. Als das Morgengrauen hereinbricht, gebe ich die Schlafversuche auf. Ich krabbele aus dem obersten Bett und über etliche Gepäckstücke. Im Gang treffe ich auf Michael, meinen englischen Reisegefährten. Er steht mit ein paar Indern an den offenen Fenstern. Ich stelle mich dazu, nicke freundlich und strecke erst mal meine Glieder, bis ich im Fahrtwind fröstele. Draußen zieht die grün-braune Landschaft Maharashtras vorbei, ab und an sieht man einen Bauern und seinen dürren Ochsen dem Zug nachblicken. „Chai!“ ruft es plötzlich und ein kleiner Inder mit Schnauzbart quetscht sich durch die Gänge. Michael und ich fackeln nicht lange und lassen uns aus einem Kessel in winzige Plastikbecher den typischen indischen Tee einschenken: stark, heiß, cremig und sehr süß. Ich nippe daran und die Aromen des Masalas explodieren förmlich in mir: Pfeffer, Zimt, Ingwer, Kardamon, Muskat. Ich bin sofort hellwach und ganz sicher: Kein Tag, der so beginnt, kann schlecht enden.

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Indische Küche oder Nie wieder Currypulver

14 Jan

abraham

Falls euch irgendwann mal dieser Mann was kleines Rotes zum Probieren hinhält, dann lauft um euer Leben! Denn das ist Mr. Abraham vom Gewürzgarten in Kerala und das kleine Rote ist eine Chili. Nein, eine #/*dschillihihiii“§%*#.Merke: Man steckt sich nicht alles in den Mund. Oberste Regel beim Essen: Es gibt einen Unterschied zwischen „scharf für Ausländer“ und „scharf für Inder“ – die Beachtung dieses Unterschieds entscheidet zwischen Leben und Tod.

Die indische Küche hat einen tollen Ruf. Im Alltag ist sie aber darauf ausgelegt, viele hungrige Mäuler schnell und billig satt zu machen. Sie besteht vor allem aus Hülsenfrüchten, Reis und Brot. Die meisten Zutaten werden stark gegart, was ich bei den hygienischen Verhältnissen von Herzen begrüße. Von Fleisch und Fisch würde ich komplett die Finger lassen. Wer gesehen hat, unter welchen Umständen Menschen in Indien leben, der kann sich vorstellen, wie dort Tiere leben. Die will man nicht essen. Die vegetarische Küche spielt in diesem multireligiösen Land mit seinen zahlreichen Essensvorschriften eh eine große Rolle. Wer sich beliebt machen will, der kann aber gerne mal in einem Hindu-Restaurant Rindfleisch oder bei Moslems Schwein ordern. Viel Spaß!

In Sachen Gewürze macht diesem Volk keiner was vor. Zimt, Pfeffer, Chili, Kardamon, Kümmel, Kurkuma, Ingwer, Safran, Knoblauch, Koriander, Nelken, Muskat etc. – für jedes Gericht werden eigene Gewürzmischungen, „Masalas“, hergestellt. Bei uns wird die Mischung schnöde als „Curry“ verkauft, was bei einer guten indischen Hausfrau wahrscheinlich Schnappatmung auslöst. Das Wort Curry stammt übrigens vom Tamilischen „Kari“ ab, was „Soße“ bedeutet und mit Gewürzen selbst nichts zu tun hat. Alle verwirrt? Die Engländer sind Schuld! Aber die sind ja eh frei von kulinarischer Kompetenz…

spicebox

Als Amateur aus der Maggi-Liga habe ich natürlich einen Kochkurs besucht – in der Spice Box von Shakti Singh aus Udaipur. Professionell wie ein amerkianischer Showmaster und mit reizendem Akzent hat uns der Maître in die Welt der indischen Küche eingeführt. Leider ist abgesehen von „One cup of rrrrrrice, two cups of vvvvvvatta“ nicht viel hängen geblieben, weil ich darauf konzentriert war, mir das Lachen zu verkneifen. Aber er hat uns ein paar Rezepte geschenkt. Meine Empfehlung ist der Chai, weil er schlicht DER Klassiker einer jeden Indienreise ist. Für drei Personen:

  • Man bringe zwei Tassen Wasser zum Kochen
  • Wenn es blubbert, kommen grüner Kardamon, schwarzer Pfeffer, Nelken, Muskatnuss, Muskatblüte und Ingwer dazu. Die Mischung muss man selbst herausfinden. Ich empfehle äußerste Zurückhaltung bei den Nelken und kenne einige Verrückte, die Unmengen von Zimt hineingeben. Davon steht aber nix im Chai-Rezept von Maître Singh, ätschibätsch!
  • Eine Minute kochen lassen
  • Zwei Teelöffel losen Schwarztee dazugeben
  • Vier Teelöffel Zucker dazugeben (der Maître ist offenbar eine Süßschnute, mir reichen zwei Teelöffel Zucker)
  • Noch mal eine Minute kochen lassen
  • Eine Tasse Milch dazugeben (am besten die Halbfette)
  • Sieben Mal kurz aufkochen lassen (da scheint mir ein bisschen Singh’sche Mystik dabei zu sein, aber gut, er ist der Fachmann)
  • Vom Herd nehmen und zwei Minuten abgedeckt ziehen lassen
  • Filtern – und genießen!
  • Übrigens: In den Augen von Maître Singh ist natürlich jeder Tee außer Assam und Darjeeling indiskutabel. Wer Darjeeling verwendet, sollte das Gebräu nicht kochen, sondern nur ziehen lassen!
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