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Mein Japan-Abc – mit vielen Tipps

11 Jan

 

automaten

A = Automaten

Die Japaner automatisieren gern. Wenn sich Taxitüren wie von Geisterhand öffnen und die Geräuschprinzessin ohne Aufforderung im Klo loslegt, kann einem das einen gewaltigen Schrecken einjagen. Ein Traum sind aber die Getränkeautomaten, die an jeder Ecke stehen, vollgestopft mit liquiden Köstlichkeiten. Wer Stunden lang durchs nieselige, kalte Tokio stapft, für den ist so ein kochend heißer Tee mit Milch und Zucker wie Ambrosia.

Tipp: Wasser mit einem Hauch von Litschi. Leider eine Rarität, gibt es unter anderem in einem Getränkeautomaten an der Info vom Kaiserpalast in Kyoto.

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B = Bauweise

Dunkles Holz, sanft gleitende Schiebetüren, duftende Reisstrohmatten – die traditionelle japanische Architektur hat etwas ungemein Beruhigendes. Vor allem in Kyoto, etwa im Viertel Shimogyo-Ku, stehen in diesem Stil noch ganze Straßenzüge, die allerdings nach und nach saniert werden. Da man als Tourist vermutlich nicht in ein Privathaus kommt, muss man sich mit Ryokans begnügen, also mit Herbergen nach traditioneller, japanischer Art.

Tipp: Übernachten im Nara Backpackers, in dem ich selber gar nicht war. Die Bilder sind aber so reizend und die Lobhudelei meiner Reisebegleitung war so überschwenglich, dass ich es dennoch empfehlen möchte.

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C = Convenience Stores

Ich frage mich, was wohl passieren würde, wenn 7Eleven und FamilyMart plötzlich pleite gingen. Vermutlich würde sofort die komplette Alltagsversorgung zusammenbrechen. Allein in Tokio muss es Hunderte Filialen von Convenience Stores geben. Für Touristen sind sie wie gemacht: rund um die Uhr geöffnet, mit zahlreichen Fertiggerichten und lecker Bierchen im Angebot, zudem gibt es Kopierer, Bankautomaten, Toiletten und Ticketverkauf.

Tipp: Fertig-Reisbällchen in zahlreichen Variationen – lecker, sättigend, günstig und praktisch für unterwegs. Die mit Seegras sind mein Favorit, aber am besten futtert man sich von links oben nach rechts unten durch.

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D = Demografie

In keinem Land der Welt werden die Menschen so alt wie in Japan. Die Bevölkerungsstruktur ist ähnlich wie die deutsche und die Fertilitätsrate sogar noch geringer. Eltern mit Kindern oder gar Schwangere fallen einem auf den Straßen regelrecht auf. Das Bild prägen Senioren, winzig kleine, leicht verschrumpelt und rüstig wirkend. Allerdings ist man als Tourist natürlich häufig unterwegs, wenn die Jungen bei der Arbeit und die ganz Jungen in der Schule sind. Vielleicht ist mein Eindruck daher etwas verzerrt.

Tipp: Vor allem ältere Ladys tauchen in der U-Bahn gerne in Gangs auf. Wenn man ihnen seinen Platz anbietet, dann schenken sie einem ein herzerwärmendes Lächeln – und wenn man Glück hat auch ein Sahnebonbon.

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Kyoto

E = Essen

Reis, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Gemüse und Tofu – die japanische Küche serviert diese Basics in unglaublich vielen Variationen, aber das Essen hat mich enttäuscht. Vielleicht hätte ich mutiger sein und die exotischen Sachen probieren oder mal in einem richtig teuren Restaurant essen sollen. Ein paar Benimmregeln: Man lacht nicht über die Silikondoubles im Schaufenster, man bekommt im Restaurant den Platz zugewiesen, man schlürft seine Nudelsuppe.

Tipp: Der große Nishiki Ichiba-Markt im Zentrum von Kyoto ist eine Wucht. 130 Stände in schöner Atmosphäre, man darf alles probieren und bei der Zubereitung zugucken. Echt spannend!

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F = Fotografieren

Gelegentlich habe ich an mir hinuntergeguckt und kontrolliert, ob ich die Unterhose über der Jeans trage. Anders konnte ich mir nicht erklären, dass die Japaner mich so begeistert fotografieren. Ich wüsste gern, in wie vielen Familienalben ich klebe. Lustig ist es in jedem Fall, wenn die Ladys wild kichernd mit ihrem Smartphone hantieren. Und das Gute ist, dass die Japaner auch umgekehrt entspannt scheinen. Zur Sicherheit habe ich zwar (fast) immer um Erlaubnis gefragt, aber das Fotografieren war nie ein Problem.

Tipp: Victoryyyyyy! Wer sich original japanisch in Foto-Positur werfen möchte, der muss locker in die Knie gehen, eine möglichst unnatürliche Haltung einnehmen und die Finger zum Siegeszeichen spreizen. Smile!

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G = Geishas

Sie singen, musizieren, tanzen, beherrschen Konversation und Teezeremonie: Geishas sind Künstlerinnen – und keine Prostituierte. Ja, da müssen die Herren jetzt stark sein… Wie wir bei einer tollen Stadtführung in Kyoto erfahren haben, gibt es noch immer Geishas. Allerdings ist der Besuch eines Geisha-Abends wohl nicht nur außerordentlich teuer, sondern man braucht auch einen japanischen Fürsprecher. Die topgestylten Damen im Kimono, die man unterwegs oft trifft, sind meist japanische Touristinnen mit Spaß an Verkleidungen.

Tipp: Neugierig? Dann klickt mal zu Sayuki, der ersten ausländischen Geisha in Tokio. Ich kann nicht einschätzen, wie traditionell sie tatsächlich ist, aber ihre Seite hat einen unschlagbaren Vorteil: Sie ist auf Englisch!

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bar

H = Hiroshima

Hiroshima ist nicht, wie man es erwartet. Man steigt aus dem Zug und ist in einer modernen Millionenstadt: Baustellen ohne Ende, große Einkaufspassagen, idyllische Flussufer. Für Touristen bietet die Stadt wenig. Wie auch? Die Atombombe vom 6. August 1945 hat alles zerstört. So sind der Gedenkpark mit dem Friedensmuseum und dem Atombombendom der Anzugspunkt schlechthin. Man kann es nicht anders sagen: Der Besuch ist bewegend. Es ist immer wieder erstaunlich, was Menschen anderen Menschen antun können.

Tipp: Im Friedensmuseum unbedingt einen Audioguide leihen. Wer danach Zerstreuung braucht, sollte einen Schnaps im Matobakurabunawanai trinken gehen. Falls ein Typ namens Kenji an der Theke sitzt: schöne Grüße! 

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I = Interviews

Ich mache auf Japaner offenbar einen höchst vertrauensvollen Eindruck. Zumindest musste ich locker zehn Interviews geben – zur Reise, zum Essen, zum Frieden in der Welt. In mehreren Schulklassen hängen jetzt Peace Messages von Alex aus Mainz. Vor allem um Sprachkenntnisse zu trainieren, sprechen Schüler und Studenten an Touri-Hotspots gerne Ausländer an – nach strenger Auswahl, versteht sich. Irgendwann meinte meine Freundin trocken: „Dieses pinke Shirt ziehst du nicht mehr an. Du fällst zu sehr auf.“

Tipp: Immer schön mitmachen bei Interviews, man trifft nicht oft auf Japaner, die zumindest rudimentär Englisch sprechen. Und man kommt zu ausgesprochen lustigen Erinnerungsfotos!

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J = Japanisch

So schön ich Japanisch finde – es ist mir ein Rätsel, wie Menschen in diesem Gewirr von Strichen Botschaften erkennen können. Unsere Führerin Mei in Kyoto erklärte uns, dass es sogar vier Schriften gibt, wobei Kanji grundlegend ist und aus dem Chinesischen stammt. Insgesamt gebe es zwar zigtausende Schriftzeichen, viele davon aber ungebräuchlich. Um eine Zeitung lesen zu können, müsse man etwa 2000 Zeichen können. Schüler müssten jeden Tag 100 Zeichen als Hausaufgabe schreiben. Ein Glück bin ich in Rheinhessen geboren.

Tipp: Japaner sprechen kaum Englisch, auch Straßenschilder und Menüs sind meist auf Japanisch. Diese Sprache zu lernen, ist wohl eine Lebensaufgabe, aber ein paar Floskeln sollte man sich draufschaffen.

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Kyoto

K = Kyoto

Die Weltklimakonferenz – sie ist meist das einzige, das viele mit Kyoto verbinden. Dabei ist die Millionenstadt das kulturelle Herz von Japan. Diese Tatsache hat sie vor der Atombombe bewahrt, denn ursprünglich stand sie oben auf der Liste. Der US-Kriegsminister wusste um ihre Bedeutung und ließ sie streichen. Kyoto ist wirklich schön und bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten – wobei man sich den Kaiserpalast getrost sparen kann, aber den Fushimi Inari-Schrein nicht verpassen darf.

Tipp: eine Stadtführung mit Johnnie & Co. Johnnie führt nur noch mittwochs selber. Wir waren freitags und daher mit Mei unterwegs – fünf Stunden, voll gut! Man erfährt echt viel und kann aaaaaalles fragen.

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L = Literatur

Oliver Hoffmann und Kikue Ryuno haben den Führer „Reise Know-how Japan“ geschrieben, den ich rundweg empfehlen kann. Zugegeben: Ich kenne auch keinen anderen so gut wie diesen. Die aktuelle Ausgabe von 2014 bietet tolle Bilder, gute Tipps und interessante Infos. Die Stadtpläne jedoch kann man vergessen, die Drecksdinger! Aber ich befürchte, das gilt für viele Japan-Führer. Am besten holt man sich Pläne in Touri-Infos. Die haben einen guten Maßstab und sind meist auf Englisch und Japanisch – damit sollte nichts schiefgehen.

Tipp: Murakami, Murakami, Murakami – wer in deutschen Buchläden nach japanischer Belletristik fragt, landet unweigerlich beim Meister der lakonischen Geschwätzigkeit. Wer mal was anderes lesen will, hier lang.

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M = Mode

Geht nicht, gibt’s nicht – das scheint die prinzipielle Haltung der Japaner bei Klamotten zu sein. Sie gelten als ziemlich modeverrückt mit einem Hang zu wildem Stilmix. Ist schon ulkig: Im Alltag sieht man die typischen Business-Japaner mit Kostüm oder dunklem Anzug, Aktentasche und Föhnwelle. Aber ab und an blitzt dazwischen eine kreischbunte Fantasiegestalt auf. Dabei scheinen die Frauen mit ultrakurzen Röcken, Kniestrümpfen und geflochtenen Zöpfen einen merkwürdigen Hang zur Schulmädchenoptik zu haben.

Tipp: Wer einen Eindruck von den unendlichen Weiten der japanischen Modewelt haben möchste, sollte sich das Blog Japanese Streets angucken: Die Fashion-Bilder sind spitze.

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Nara

N = Nara

Was für eine Erholung! Nach all den Millionenstädten auf unserer Reise war das mit 360.000 Einwohnern fast dörfliche Nara die reinste Idylle. Das liegt auch an den rund 1200 Sikahirschen, die mitten in der Stadt leben. Wie und wann die Tiere in den Nara-Park und die umliegenden Straßen fanden, ist nicht bekannt. Vermutlich stammen sie von Hirschen ab, die einst am Kasuga-Schrein gelebt haben. Dort wurden sie von der Familie Fujiwara angesiedelt, weil in der Vorstellung der Gläubigen die Gottheiten des Kasuga auf Hirschen reiten.

Tipp: ein Picknick im Nara-Park – wunderschön, wenn das feuerrote Herbstlaub in der Sonne leuchtet. Das Essen sollte aber unbedingt gut verpackt sein, sonst kommen die unersättlichen Hirsche und fressen alles weg.

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O = Osaka

Warum sollte man nach Osaka reisen? Ich habe keine Ahnung! Die Stadt ist ganz nett, aber nicht so reich an Kultur wie Kyoto, nicht so bombastisch wie Tokio, nicht so erholsam wie Nara. Osaka ist vor allem „nicht so wie…“. Die 2,5-Millionen-Stadt direkt an einer Bucht war allerdings unsere erste Station einer viel zu kurzen Reise und ich muss zugeben, dass mich nicht nur der Jetlag voll im Griff hatte, sondern mich auch die allgegenwärtige Beschallung ganz huschig machte. Ich war nicht in Osaka, ich war in einer Zwischenwelt.

Tipp: Nachtfahrt in einem der größten Riesenräder der Welt nahe der Hankyu Umeda Station. Der Blick über die funkelnde Stadt ist toll – und die Geräuschkulisse ist minimal.

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P = Platz

Auf den Mainzer Wohnungsmarkt kann man nicht genug schimpfen – ein Japaner kann darüber aber wohl nur milde lächeln. Die bauen Häuser auf Flächen so groß wie unsere Parkplätze und sind Meister der Raumnutzung. Ins Extreme treiben das die Kapselhotels. Statt Zimmern gibt es winzige, gestapelte Schlafkapseln, die mich schwer an die Leichenaufbewahrung in einer Pathologie erinnern. Zudem gibt es Gemeinschaftsbäder und extra Gepäcklager. Speziell, aber nichts für Klaustrophobe!

Tipp: Leider oft auch nichts für Frauen. Die sollten unbedingt vorab checken, ob sie im Kapselhotel übernachten dürfen. Traditionell sind die für Männer – da bin ich voll auf die Nase geflogen!

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Q = Quatar Airways

Ich muss bekloppt gewesen sein. Ich habe nämlich einfach den billigsten Flug genommen, der so kurzfristig noch frei war. Er war billig, 680 Euro, und ich habe für mein Geld echt was bekommen: 20 Stunden Reisezeit. Nichts gegen Quatar Airways: viel Platz, nette Crews, gutes Essen und eine schöne Auswahl Bollywood im Sitzkino. Hilft aber alles nichts, denn Japan ist weit weg und die Zwischenlandung in Doha macht es noch weiter und ich habe mich am Schluss gefühlt, als bekäme ich acht Thrombosen gleichzeitig. Nur noch Direktflug!

Tipp: Vorm Ticketkauf unbedingt das Gehirn einschalten. Hilft immer, für Japan und alle anderen Ziele.

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tokio

R = Religion

Die Japaner scheinen eine entspannte Haltung zur Religion zu haben. Je nach Laune, Anliegen und Festivität wendet man sich dem Buddhismus oder Shintoismus zu. Der Shintoismus hat keinen Begründer, keine Dogmatik und keinen Jenseitsglauben, sondern er sieht das Göttliche in allen Dingen. Das nenne ich menschenfreundlich! Wenn man sich eine Weissagung machen lässt, die einem nicht passt, hängt man den Zettel mit ihr irgendwohin und ist sie los. Meine flattert am Geländer des Asakusa-Schreins in Tokio.

Tipp: der Fushimi-Inari-Schrein in Kyoto. Dort ist zwar die Touri-Hölle los. Aber wenn die Abendsonne die 10.000 Shinto-Tore im unglaublichsten Rot leuchten lässt, dann hat dieser Ort etwas zutiefst Spirituelles.

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S = Sumo

Als Rheinhessin kommt man sich beim Sumo schon etwas fremd vor. Aber faszinierend ist sie halt auch, diese vielleicht japanischste aller Sportarten, die sich aus Shinto-Veranstaltungen entwickelt hat und noch heute sehr archaisch anmutet. Die Bedeutung vieler Rituale wird man nachlesen müssen, aber das Spektakel an sich mit seinen umjubelten Makuchi-Kämpfern, der traditionellen Bekleidung und den immer wiederkehrenden Rhythmen ist den Besuch wert. Und den Ablauf der Kämpfe versteht man schnell: kawumm-aua-aus.

Mein Tipp: Unbedingt beim Sumo-Verband checken, wann und wo die großen sechs Turniere des Wettkampfjahres sind und dann nix wie hin !

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T = Tokio

Tokio ist Urbanität der Extreme. Der Hauptbahnhof dürfte so groß sein wie mein Heimatdorf. Alles ist riesig, voll und weit weg. Die Stadt ist Teil des mit Abstand größten urbanen Raums der Welt: In Tokio-Yokohama leben knapp 38 Millionen Menschen. Nichts für Schlenderer mit Lust auf Zufallsentdeckungen. Leider bin ich an dieser Stadt gescheitert, ich habe sie irgendwie nicht aufbekommen. Es fühlt sich an, als hätte ich eine Tafel deliziöse Schokolade in der Hand gehalten und es nicht geschafft, die Verpackung zu öffnen.

Tipp: Am tollsten sind natürlich Ratschläge von Einheimischen. Wer keine kennt, findet bestimmt originelle Hinweise auf Tokyo for 91 days – leider habe ich die reiselustigen Herren zu spät entdeckt.

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andon

U = Unterkünfte

Lange fackeln ist keine gute Idee. Wer wie wir in der Hochsaison im Herbst unterwegs ist und gerne günstig wohnt, sollte einige Tage im Voraus buchen. Sonst verbringt man Stunden am PC auf der Suche nach einem freien und bezahlbaren Bett – das letztlich nur in einem Schlafsaal steht. Ich bin eigentlich kein Freund von Portalen wie Booking und Hostelworld, aber die Verständigung auf Englisch kann durchaus schwierig sein und da sind diese internationalen Dienste mit verstellbaren Sprachen doch ziemlich praktisch.

Tipp: übernachten im Andon, einem tollen Designer-Ryokan in Tokio mit reizendem Personal, dem weltbesten Hagebuttentee und einem wunderbaren Jacuzzi, ideal für strapazierte Waden.

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V = Verhalten

Ich befürchte, eine Supermarktkassiererin erzählt noch heute von mir. Ich hatte eine Flasche Wasser gekauft, wartete nach der Kasse auf meine Freundin und trank derweil meine alte Flasche aus. Das war offenbar schlimm. Jedenfalls bekam die Frau einen nach japanischen Verhältnissen erstklassigen Wutanfall und faltete mich lautstark zusammen. Ich kapierte leider nichts – bis ihr Kollege mir mit Händen und Füßen klarmachte, dass das mit dem Trinken nicht geht und mich eiskalt rauswarf. Andere Länder, andere Sitten…

Tipp: Japaner schlürfen mit Wonne ihre Nudelsuppe und verabscheuen Naseputzen. Leider sind das noch nicht alle Unterschiede. Am besten guckt man im Reiseführer nach – und akzeptiert ansonsten die Schreierei.

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rheingau

W = Wein

Ich stamme aus Rheinhessen. Natürlich probiere ich gerne die Weinvarianten anderer Kulturen. Bei den Japanern ist das bekanntermaßen in erster Linie der Reiswein Sake, der lauwarm und in herbem Ausbau sehr lecker sein kann. Als mir aber ein Freund vom „Rheingau“, einer deutsch-japanischen Version rheinromantischer Gemütlichkeit in einem Tokioter Hintergässchen berichtete, musste ich dorthin. Eröffnet hat sie ein in Mainz lebender Japaner. Ich hoffe sehr, dass Herr Sasaki bald auch eine Sake-Bar bei uns aufmacht.

Tipp: Ich könnte jetzt hier beschreiben, wie man zum „Rheingau“ findet, aber das wäre ja langweilig. Der Weg ist das Ziel! 🙂 Wer es geschafft hat, dem empfehle ich den Riesling von Schloss Schönborn.

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X = X-Crossing

Zebrastreifen, die nicht nur im rechten Winkel, sondern auch diagonal über Straßen führen – das gibt es zwar nicht nur in Japan, aber vermutlich sind nirgendwo sonst auch nur annähernd so viele Menschen unterwegs. Der japanische Name für diese X-Crossings lautet Knäuel-Kreuzung – wie passend. Sobald nämlich die Fußgängerampeln für alle Richtungen gleichzeitig auf Grün springen, setzt sich die Masse in Bewegung – Augen zu und durch! Als kleiner Mainzer kann man da mal kurz verwirrt sein.

Tipp: Die Diagonalquerung am Bahnhof Shibuya in Tokio ist mittlerweile angeblich einer der meistfotografierten Orte in der Hauptstadt. Was für ein Gewusel!

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Y = Yen

10 Euro entsprechen 1408,350 Yen. Das Umrechnen im Kopf ist die Hölle! Ich habe es irgendwann einfach bleiben lassen, hatte ich doch eh den Eindruck, dass Japan nicht so teuer ist, wie bei uns gemeinhin angenommen wird. Alltagsdinge sind im Schnitt etwas teurer als bei uns, allerdings ist Deutschland halt auch in vielem sehr billig. Für meine zweiwöchige Reise durch Osaka, Kyoto, Tokio, Hiroshima, Fukuoka und Nara, inklusive Flug, Japan Rail Pass und allem anderen habe ich 1700 Euro gelöhnt. Und das geht sicher noch etwas billiger.

Tipp: Bloß kein Trinkgeld geben! Ich habe nicht verstanden, wo das Problem in dieser nettgemeinten Geste liegt, aber in Japan macht man das nicht.

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zug

Z = Zugfahren

Lieber Fußpilz als pendeln mit der Deutschen Bahn. Ich sage das aus vollster Überzeugung, seit ich drei Monate zwischen Koblenz und Mainz hin- und herfahren musste. Aber als Mainzer ist man mit der Bahn ja Kummer gewöhnt. Japan dagegen ist ein Zugland, die Strecken sind gut ausgebaut, die Bahnhöfe top organisiert, die Fahrpläne eng getaktet, die Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen blitzschnell, sauber und bequem. Und das Beste sind die Bento: kleine Menükästchen mit kreischbuntem Essen für die Reise, die es an jedem Bahnhof in Hülle und Fülle gibt.

Tipp: Unbedingt einen Japan Rail Pass kaufen. Der ist nicht billig, aber billiger als vieles andere. Achtung, den Pass gibt es nur im Ausland und nicht in Japan!

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Osaka – 10 Stopps für offene Ohren

23 Nov

1. Flughafen: Koffer streichen sanft über Teppich, Reisverschlüsse ratschen, Pässe und Visa rascheln, Trippelschrittchen, Stimmengewirr. Abbiegen Richtung Toilette, die Tür knallt in den Rahmen, der Riegel klackt. Stille. Japan – endlich! Glieder strecken, Muskeln dehnen, es kracht im Nacken. Plötzlich Sturzbäche, Plätschern und Rauschen aus versteckten Lautsprechern, ich erschrecke und kiekse, knalle mit dem Ellbogen an die Wand, stöhne auf und muss doch lachen: erster Kontakt zur Geräuschprinzessin. Japan – endlich!

klo

2. Irgendwo: Schritte auf Asphalt, stetes Verkehrsrauschen. Erfreutes Quieken beim Anblick des Getränkeautomaten: Wasser, Cola, Schorle, Café au lait, Grüntee, Limo, Espresso, Molke mit Orange, British Tea, Isotonisches, Bier, Pflaumenwein, Vanilleshake, Apfelsaft – feuchte Träume aller Durstigen! Aufgeregtes Klimpern in meiner Hand. Der Schlitz, Münzen rappeln hindurch, lautes Dong gegen die Plexiglasklappe, zischen, gluckern, schlucken, aaaaahh… Automatenwunderland!

3. Backpacker Hotel Toyo: Brummen, Brummen, Brummen. Finsternis, mein Schädel dröhnt. Laken streicheln über Reisstrohmatten, Kruscheln und Rascheln, mein Handy. „20.38 Uhr“ – deutsche Zeit? Es brummt und brummt. Gleichmäßiges Atmen meiner Freundin. Seufzen. Ich stopfe mir etwas Schmatzendes in die Ohren, hoffentlich Ohropax. U-Boot-Brummen. Sehr lautes U-Boot-Brummen. Flüche Richtung Kühlschrank.

4. Nirgendwo: Motoren röcheln, Züge knattern über Hochgleise, unaufhörliches Biepen der Ampeln. Genervtes Blättern im Reiseführer. Karten klappen auf und zu, auf und zu, Quietschen von Fahrradbremsen. Fremdartige Laute aus einer winzigen, lächelnden Omi. Fingertippen auf der Karte. „Shitennoji“, sagen wir, „hai, hai!“, sagt sie. Drei Paar Füße marschieren im Gleichklang, vorbei an tosenden Kreuzungen, geschäftig klappernden Einkaufsstraßen, polternden Baustellen und gemütlich klingenden Gässchen. „Shitennoji“, sagt sie plötzlich, „ooooh, aaaah“, sagen wir und winken zum Abschied. Leises Flattern ihrer Einkaufstasche im Wind.

osaka

 

 

5. Shitennoji-Tempel: Platsch – meine Tasche fällt. Platsch – ich daneben. Rauschen im Kopf, Puls in den Ohren, Schlafmangel, tiefes Einatmen. Gähnen. Ein Mann mit Hut, Handschuhen und Mundschutz recht den Kies bedeckten Boden zwischen den Pagoden. Langsam, mit Hingabe zieht sein Rechen Schlangenlinien. Ein unverändlicher Rhythmus. Knirschen wird zu Zischeln wird zu Säuseln zu Atmen. Mit leisem „Plopp!“ fallen meine Augen zu.

6. Isshinji-Tempel: Schnürsenkel ratschen auf, Schuhe fallen dumpf klackernd auf Holzstufen. Lautlose Schritte über duftende Tatami-Matten, vorbei an goldglänzenden buddhistischen Utensilien. Menschen werfen schrill klimpernde Münzen in Boxen, das klirrende Echo peitscht zu den Fenstern hinaus. Eine Frau huscht zu den Mönchen, ein Gehstock fällt tönend um. Singsang. Klöppel streichen durch Klangschalen, das angenehme Wispern schleicht sich ins Ohr. Der wabernde, helle Ton füllt den Raum. Die Gedanken ziehen davon ohne Adieu.

isshinji

7. Shinimamiya-Station: Knirschende Schritte die Treppe hinauf. Vögel zwitschern aus Lautsprechern. Knattern, Rattern und Rauschen, Quietschen und Fiepen, Summen und Brummen und das immerwährende Warnsignal für einfahrende Züge, das kaskadenartig direkt ins Ohr donnert und so lange darin herumwirbelt, bis man Zahnschmerzen bekommt.

8. Riesenrad: Leise Jazzmusik aus knisternden Boxen. Eine Frauenstimme, die irgendetwas auf Japanisch flüstert. Der Nachtwind, der die Gondel sanft anschubst und sich klappernd in den Luftschlitzen verfängt. Weit entfernt das Rotorengeräusch eines Hubschraubers und das Surren und Klicken unserer Kameras, die dem funkelnden Lichtermeer unter uns doch nicht gerecht werden können.

riesenrad

9. Pier: Plätschern am Okawa-Ufer. Warten auf den Aqualiner. Eine süßliche Frauenstimme, die unaufhörlich durch dröhnende Lautsprecher knarzt. Und niemand da, der sie versteht. Flatternde Flügel, Klauen scharren über Erde, Blätter rascheln, Krächzen. Krähen, die sich von Mülltonnen verjagen. „Krah-krah“. Zeit, viel Zeit. Und immerfort diese einschmeichelnde Frauenstimme mit ihren scheppernden Botschaften. Soundtrack zum Science-Fiction-Film.

10. Burg Osaka-jo: Dumpfe Tritte, Faustschläge prasseln auf Brustkörbe, aggressives Gebrüll. Zwei Männer dreschen aufeinander ein – zur Show. Schnelle Schritte von Schulkindern, aufgeregte Rufe von hellen Stimmen, Taschen schleifen über Asphalt, Klatschen und Jubel für die „Samurai“. Es brutzelt, zischt und dampft an zahlreichen Ständen, eine Eismaschine surrt, Verkäufer rufen ihre Kunden herbei. „Sorriiiii!“, sagt eine junge Japanerin schüchtern und hält mir ihr iPhone hin. Kichern, Glucksen und Gickeln, als sie sich mit ihrer Freundin in Victory-Pose wirft. „Smile“, sage ich – klick!

Galerie

Japan – ein Land in Rot

19 Nov

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Thailand – 10 Knaller!

30 Nov

Knapp 70 Millionen Menschen leben in Thailand, dem Reich von König Bhumibol Adulyadej. Das tropisch-heiße Land, das mit viel Fantasie die Form eines Elefantenkopfes hat, ist das einzige Südostasiens, das nie europäische Kolonie war.  Zehn weitere Eigenheiten, die das Paradies ausmachen:

meer

1. Thailand ist schön. Ich bin Rheinhessin. Rheinhessen ist hübsch, aber nicht für seine Küste berühmt. Vielleicht bin ich deswegen immer ergriffen, wenn ich am Meer bin und mir die Brandung in den Ohren rauscht. Unsere Tage auf der kaum erschlossenen Insel Koh Chang sind paradiesisch.

bangkok2. Bangkok heißt wörtlich übersetzt „Dorf im Pflaumenhain“. Dieser Name muss aus Zeiten stammen, als Buddha noch Pipi in die Windeln gemacht hat. Jedenfalls sehe ich kein Dorf, keine Pflaumen, keinen Hain. Ich sehe eins: Gute Chancen auf einen schnellen Tod im Verkehr. Augen zu und durch!

revue3. Am Sextourismus kommt man nicht vorbei. Es ist ein Vorurteil, dass nur alte Säcke das Angebot nutzen. Ich sehe auch attraktive Traveller anbändeln. Suggeriert einem das ständige Angebot, die scheinbare Normalität, dass man sich das „gönnen“ darf? Mittlerweile ist die Prostitution eine Attraktion für sich. Die Welt der Geschlechter ist eh verwirrend: Ladyboys sind oft von solch graziler Schönheit, dass man als tumber Touri ziemlich dumm guckt.

garkueche4. Es gibt ein Sprichwort: Thais sind am Essen oder denken daran, was sie essen werden. Kein Wunder: Die Küche ist die leckerste, die ich kenne. Überall brutzelt und dampft es, Garküchen säumen die Straßen und das schmeckt! Duftiger Jasminreis, perfekt gegartes Gemüse, delikate Früchte, frischer Fisch, Kokosdesserts, oooh…

muecken5. Es krabbelt und flattert überall, vor allem nachts. Einiges Getier ist gefährlich, allerdings haben die Viecher genauso wenig Bock auf uns wie wir auf sie. Das ist die gute Nachricht, denn ich sage es ganz deutlich: Abgesehen von Ameisen kann ich Insekten nicht leiden. Wer es schafft, kann seine Pole-Position in der Nahrungskette dadurch unterstreichen, dass er gebratene Insektensnacks verspeist.

jadebuddha6. Religion – ich finde sie faszinierend, aber ich verstehe sie nicht. Als Tourist lernt man den allgegenwärtigen Buddhismus wie so vieles nur oberflächlich kennen. Man bewundert die Würde der Mönche, den Glanz der Buddhafiguren, die Exotik der Tempel. Fertig, das nächste Highlight bitte! Allein die Anlage Wat Phra That Doi Suthep bei Chiang Mai mit ihrem Glockenspiel und dem grünen Jade-Buddha hinterlässt bleibenden Eindruck bei mir.

7. Ich mag klare Ansagen. Das ist das Problem in der Kommunikation zwischen mir und den stets lächelnden Thais. Für klare Ansagen sind sie zu höflich und enttäuschen wollen sie den Gast schon gar nicht. Das ist liebenswert, aber es erschwert das Reisen. Vom oft überraschend schlechten Englisch mal ganz abgesehen. Bei einem Taxifahrer in Bangkok raste ich aus. Keine Details.

boxen8.  Die Höflichkeit hat Grenzen. Wir besuchen in Bangkok einen Kampf im Thaiboxen. Ich bin pikiert, weil wir in einen extra Bereich müssen, aber dann bin ich dankbar. Die stillen Thais verlieren die Fassung! Noch während des Kampfes wird gewettet, heilloses Chaos, man rüttelt an den Gittern, wirft Gegenstände und brüllt, als ginge es ums Leben.

loikrathong9. Möge aller Groll davonschwimmen und die Seele gereinigt zurücklassen – kann nix schaden, oder? Darum geht es beim Lichterfest Loi Krathong, bei dem Flößchen aus Blättern, Blumen und Kerzen auf dem Wasser treiben und leuchtende Papierballons in den Nachthimmel ziehen. Was zudem eine Augenweide ist. Wir feiern Loi Krathong in Sukhothai, in den Ruinen der alten Königsstadt. Manche halten diesen geschichtsträchtigen Ort für das Herz von Thailand. Ich weiß nicht, ob das stimmt – aber es scheint mir realistisch.

10. Ob Taxifahrten, bei denen allein der Fahrer Ziel und Preis festlegt, ob ungeplante Übernachtungen bei Heinz Herrmann nahe der Grenze zu Kambodscha, weil die letzte Fähre weg ist, ob Regenfälle, die einem die Flip-Flops von den Füßen und durch den halben Königspalast schwemmen – unverhofft kommt oft. Ich empfehle, ganz locker zu bleiben – im Notfall hilft dabei ein Eimer Mekong Whiskey mit Mangosaft!

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