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Suff weltweit: W wie…

18 Jan

Travel-and-Food-Blogs sind sehr in. Ich lese sie gern. Mit exotischem Essen und mir ist es aber so eine Sache. Mopane-Raupen in Namibia, gegrillte Heuschrecken in Thailand, Froschschenkel in Frankreich? Nein, danke! International gesehen ist das Trinken mehr mein Metier. Deswegen gibt es die Rubrik “Suff weltweit von A-Z” – wird natürlich fortlaufend erweitert.

W wie…

windhoek_lager

Windhoek Lager in Namibia: Stampriet – erste Station auf unserer Reise durch Namibia. Der Campingplatz ist gefunden, das Dachzelt steht wie eine Eins, ich verspüre eine zarte Leidenschaft fürs Outdoorleben. Ich hole mir ein eisgekühltes Windhoek Lager aus unserem Minikühlschrank und mache es mir auf meinem Campingstühlchen bequem. Es zischelt verlockend beim Öffnen, aus der Flasche entströmt ein hopfiger Duft. Ich nehme einen Schluck und fühle mich nach der heißen, staubigen Autofahrt total erfrischt. Das ist ein Leben!

Windhoek Lager stammt wie Tafel Lager von der Namibia Breweries Limited aus Windhoek. Diese geht zurück auf die Südwestbrauerei, die 1920 von Carl List und Hermann Ohlthaver gegründet und nach der Unabhängigkeit Namibias umbenannt wurde. Das Bier wird nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und regelmäßig von der DLG ausgezeichnet. Es ist ziemlich spritzig und schmeckt gut, irgendwie unauffällig, was ich als Biermuffel durchaus positiv meine. Einen Unterschied zum Tafel Lager schmecke ich allerdings nicht.

Ich gucke in den rosafarbenen Himmel und genieße die Abendsonne im Gesicht. Während in den Palmen der Wind rauscht, rauscht in meinem Kopf gar nichts. Das Windhoek Lager hat nämlich nur 4 Prozent Alkohol und ist angenehm leicht – echte Bierfreaks würden wohl sagen wässrig. Meine Backen glühen, ich halte die kalte Flasche daran und bewundere, wie die Sonnenstrahlen im grünen Glas funkeln. Eisgekühltes Lager in der Kalahari – Spitzenidee!

Da bimmelt mein Handy. Ich hole es aus der Tasche und schreibe ein paar Nachrichten an Daheimgebliebene. Als ich wieder hochgucke, funkelt nichts mehr. Im Gegenteil: Ich sehe meine Bierflasche kaum noch, denn es ist urplötzlich stockfinster. Und arschkalt, ich fröstele. Was trinke ich da überhaupt? Von diesem viel zu kalten Bier frieren einem ja die Zähne ein. Nur zu gerne würde ich dieses Lager gegen ein hochprozentiges Starkbier eintauschen, am liebsten ein warmes, nein, lieber gleich zwei: eines zum Trinken und eines zum Füße baden. Eisgekühltes Lager in der Kalahari – wer denkt sich denn so einen Quatsch aus?

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Fünf Erkenntnisse als Wackelelvis von Windhoek

30 Sep

schilder

Der Taxifahrer geht aufs Gas, als müsse er ein gefährliches Tier zertreten. Mit quietschenden Reifen heizen wir die Independance Avenue entlang und ich werde von der Fliehkraft in den Beifahrersitz gedrückt wie Thomas Reiter beim Start zur ISS. Ich will mich anschnallen, aber der Gurt ist kaputt. Macht nichts, denn kaum winken drei schwarze Ladys vom Straßenrand, geht der Mann wieder auf die Bremse – ich kippe katapultartig nach vorne.

Während die drei einsteigen, schwankt mein Sitz wild hin und her und ich beschließe, den namibischen Taxiverband mit dem deutschen TÜV bekannt zu machen. „Hello everybody!“, sagt die erste. „Jesus!“, sage ich und versuche den Sitz zu beruhigen. „Germany?“, fragt die zweite grinsend und ich sage: „No, Kuiseb Street, please!“ Ein erdbebenähnliches Lachen kommt von der dritten und wir diskutieren die Route: Ich muss nach Eros, das Trio zur Maerua Mall, also die andere Richtung. Aber ich habe es nicht eilig und fahre die Runde mit.

Reisetipps und die reale Welt

Während der Fahrer erneut sein Gaspedal malträtiert, ziehe ich Zwischenbilanz: Oft hört man, Taxifahren sei gefährlich, man solle sich die Registriernummer auf der Karosserie merken, sich unbedingt anschnallen und dem Fahrer unmissverständich klar machen, dass man keine anderen Fahrgäste wünscht. Ich habe in kürzester Zeit alles falsch gemacht. Diese Tipps sind eben nicht alltagstauglich für Windhoek. In dieser Stadt gibt es nahezu keinen öffentlichen Nahverkehr, alles läuft über Sammeltaxis, die nonstop hupend durch die Straßen cruisen, möglichst viele Leute aufnehmen und Fixpreise verlangen: 9 Namibia-Dollar für eine kurze Tour, 18 Dollar für eine lange.

Es gibt zwar spezielle Touristen-Taxis, aber die sind rar gesät und deutlich teurer, ich nehme sie nur für Nachtfahrten. Mir scheinen die Warnungen vor kriminellen Taxifahrern ein wenig übertrieben. Während die Weißen fast alle ein eigenes Auto haben, können sich das die wenigsten Schwarzen leisten und fahren ausschließlich mit den billigen Sammeltaxis. In Windhoek müssen pro Tag zigtausende von Fahrten über die Bühne gehen und ich finde, dafür hört man recht selten von Überfällen.

Wir brausen die Mugabe Avenue entlang, vom Rücksitz kommt ein einziges Geschnatter und Gegacker. Der Fahrer stöpselt seinen USB-Stick in die Anlage und dreht die Musik so laut auf, dass den Ladys fast das Kunsthaar aus den Zöpfen fliegt. Mein Sitz groovt mit. Eins muss ich diesem Verrückten lassen: Die Musik ist top. Ich beginne mich als Wackelelvis ganz gut zu fühlen, stupse mich mit der Schulter an der Scheibe ab und schwanke voll im Rhythmus hin und her. Als wir an der Mall halten frage ich nach dem Musiker. Es entbrennt eine wilde Diskussion, die zu nichts führt. Konsens: Der Mann ist Nigerianer.

Der Nordstern für Taxifahrer

Wir gabeln neue Passagiere auf und der Fahrer fragt noch mal, wohin ich will. „Kuiseb Street“, sage ich und der Mann runzelt die Stirn. „Muhammed Ave“, ergänze ich und verwirre ihn gänzlich. Okay, ich gebe es auf. Das war mein ultimativer letzter Versuch mit dieser Ansage ans Ziel zu kommen. Ich sage „Joe’s Beerhouse„. Er geht aufs Gas, tippt auf seiner Anlage herum und ich wackele wieder vor mich hin.

Wir heizen Richtung Eros und ich genieße diese Fahrt so richtig: Sonnenbrille auf, Ellbogen aus dem Fenster und Fury unterm Hintern. Yo, baby, yo! Aber schon legt der Taxi-Gangsta eine Vollbremsung hin, Split spritzt nach allen Seiten und wir schlittern vor die Einfahrt zu Joe’s. Mein Sitz schleudert so heftig nach vorne, dass mir die Brille von der Nase rutscht und an einem Ohr baumelt. Ich schlage mir das rechte Schienbein an. Während ich mich auf ernsthafte Verletzungen untersuche, frage ich nach dem aktuellen Song. Wieder gehen Diskussionen los, die wieder zu nichts führen. Einziger Konsens: Auch diese Musik ist aus Nigeria. Als sich auch noch die Security von Joe’s einschaltet, lege ich zehn Dollar aufs Armaturenbrett und klinke mich aus. Leicht wackelig auf den Beinen schwanke ich nach Hause und ziehe Schlussbilanz:

  1. Es gibt Reiseführer und es gibt die Realität. Die Realität gewinnt.
  2. Verkehrsregeln werden überschätzt. Straßennamen auch. Der TÜV auch.
  3. Humor hilft. Immer. Schienbeinschoner sind aber auch nicht schlecht.
  4. Namibische Taxis sind gar keine Taxis, sondern rollende Diskotheken.
  5. Die beste Musik kommt aus Nigeria – aber keiner weiß, von wem genau.

Suff weltweit: S wie…

9 Mai

Travel-and-Food-Blogs sind sehr in. Ich lese sie gern. Mit exotischem Essen und mir ist es aber so eine Sache. Mopane-Raupen in Namibia, gegrillte Heuschrecken in Thailand, Froschschenkel in Frankreich? Nein, danke! International gesehen ist das Trinken mehr mein Metier. Deswegen gibt es die Rubrik “Suff weltweit von A-Z” – wird natürlich fortlaufend erweitert.

S wie…

Ein Savannaaaa... Erst fotografiert und dann getrunken von: Ben LInsner.

Savannaaaa… Erst fotografiert und dann getrunken von: Ben Linsner.

Savanna in Namibia: Ich sitze auf dem Hof vor unserem Häuschen in Windhoek und lasse mir den Rücken von der untergehenden Sonne wärmen. Wenn ich die Füße so auf dem grünen Geländer abgelegt habe, dann kann ich über meinen Schuhspitzen die Auasberge sehen. Ich liebe diesen Blick: Die Berge leuchten orangerot und der Himmel blitzt im klarsten Blau, bevor sich ganz langsam etwas Lila hineinschleicht. Die Weite, das Licht, die Luft – meine namibische Trias. Darauf ein Savanna!

Zu Hause in Mainz habe ich für Äbbelwoi nur tiefste Verachtung übrig. Aber dieser Cider Savanna dry ist mein neues Lieblingsgetränk und – neben meinem Lieblingsmitbewohner, meinem Lieblingsfußballtrainer und meinem Lieblingssportkollegen – zu meinem ständigen Begleiter geworden. Flüssig gewordenes Namibia sozusagen, herbfruchtig im Geschmack, golden in der Farbe und mit 6 Volumenprozent Alkohol genau im richtigen Maße gehirnlockernd. Dabei stammt das wunderbare Gesöff aus Südafrika. Alles andere hätte mich auch gewundert, denn ich habe bislang keinen einzigen Apfelbaum in Namibia gesehen. Das trilaterale Miteinander funktioniert bei mir allerdings vorbildlich. Zumindest schließen der namibische Sweet-Chili-Biltong und der südafrikanische Cider gerade mit meiner rheinhessischen Zunge einen sehr schmackhaften Freundschaftsvertrag…

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Carpe the hell out of diem – Sicherheit auf Reisen

30 Apr

kaylin_alex

Ich kann kaum zählen, wie viele Diskussionen ich mittlerweile zum Thema Sicherheit in Namibia geführt habe. Manche Reisenden scheinen ihr Gefühl von Bedrohung zu hegen und zu pflegen wie ein kleines Pflänzchen. Ich war drei Monate dort und habe durchaus ein paar Dinge getan, die ich meinen Kindern, wenn ich denn welche hätte, glattweg verbieten würde – um dann zu hoffen, dass sie sie einfach heimlich tun. Ein wenig Vertrauen in die Welt braucht man schon.

Ich will nichts kleinreden. Es geht nicht überall so beschaulich zu wie in Rheinhessen, wo man die meiste Angst davor haben muss, dass einen ein Ranzengardist über den Haufen marschiert. Namibia ist ein Land mit vielen Problemen. Es gibt zwölf Ethnien, die miteinander auskommen müssen und wie man an aktuellen Ereignissen um den abmontierten Südwesterreiter und das Unabhängigkeitsmuseum sieht, hat das schon mal besser geklappt. In manchen Gegenden liegt die Aids-Rate bei knapp 40 Prozent. Und auch fast 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid geht die Schere zwischen Arm und Reich immer noch enorm weit auseinander. Das schürt Neid und Konflikte.

Wer ihn hat: gesunden Menschenverstand einschalten

Realistisch betrachtet funktioniert das Ganze doch so: Man fährt nicht in Länder, in denen Kriege, Unruhen oder Naturkatastrophen toben – es sei denn, man ist bescheuert. Vor der Reise liest man die Sicherheitshinweise vom Auswärtigen Amt durch, ist dann erst mal schlecht gelaunt, weil weltweit Sodom und Gomorrha herrscht, und kriegt sich irgendwann wieder ein. Im Land selbst guckt man sich an, wie sich die Einheimischen verhalten und schaltet seinen gesunden Menschenverstand ein. Ich habe auf Reisen nichts dabei, dessen Verlust ich nicht verkraften könnte. Im Fall der Fälle kann von mir jeder alles haben – viel Spaß damit! Wie die meisten Frauen schreckt mich der Gedanke an sexuelle Gewalt deutlich mehr, aber auch dafür müsste es schon mit dem Teufel zugehen. Und wenn der im Spiel ist, dann habe ich eh keinen Einfluss mehr.

Da, wo Gewalt ist, sind wir in der Regel doch eh nicht. Schwarze Frauen in Slums – das sind die Opfer von Gewalt. Aber nicht wir, wenn wir unsere wohlgenährten, durchgeimpften, weißen Hintern durch einigermaßen entwickelte Gegenden und über die bekannten Touristenpfade schieben. Von jenen Frauen hört man nichts, Überfälle auf deutsche Touristen schaffen es aber in deutsche Zeitungen. Bei unsereins ist die Lobby einfach größer. Ganz im Ernst: Die wenigen Situationen, in denen ich auf Reisen wirklich Angst hatte, ereigneten sich alle im Straßenverkehr. Meiner Einschätzung nach haben weltweit sämtliche Taxi-, Bus-, Tuktuk- und Sonstwas-Fahrer mit dem Leben abgeschlossen. Das scheint Bedingung für den Erhalt der Fahrerlaubnis zu sein.

Alles eine Frage der Stochastik

Noch eins am Rande: In Namibia leben knapp 2,3 Millionen Menschen auf einer Fläche, die zweieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 2,6 Einwohnern pro Quadratkilometer. Unser Wert liegt bei 226 Einwohnern pro Quadratkilometer! Die Wahrscheinlichkeit auf ein Arschloch zu treffen, ist somit in Deutschland deutlich größer. Also seid nicht leichtsinnig, aber macht euch locker und genießt das Reisen. Um es mit den Worten eines mir leider völlig unbekannten Urhebers zu sagen:

„Carpe the hell out of diem!“

Suff weltweit: O wie…

17 Mrz

Travel-and-Food-Blogs sind sehr in. Ich lese sie gern. Mit exotischem Essen und mir ist es aber so eine Sache. Mopane-Raupen in Namibia, gegrillte Heuschrecken in Thailand, Froschschenkel in Frankreich? Nein, danke! International gesehen ist das Trinken mehr mein Metier. Deswegen gibt es die Rubrik “Suff weltweit von A-Z” – wird natürlich fortlaufend erweitert.

O wie…

suff_namibia

Oshikandela in Namibia: Wir sitzen bei einer Freundin in Windhoek und gucken mit ihren Mädels Big Brother Africa. Nebenan rührt ihr Mutter den typischen Hirsebrei der Ovambo an. Schließlich serviert sie uns den grauen, sehr festen Brei in einem Bastkorb. Pur schmeckt er nach fast nichts, er ist eher ein preiswerter Sattmacher. Jeder schneidet sich ein Stück ab und gießt Oshikandela darüber. Mmmhh, da ist sogar Big Brother erträglich…

Oshikandela wird aus Kuhmilch gemacht und ist ähnlich wie Buttermilch, nur dickflüssiger, cremig und leicht süß. Man kann es in Tetrapacks kaufen, auch in Geschmacksrichtungen wie Banane, Guave und Mango. Die schmecken aber sehr künstlich und zahnbrecherisch zuckrig. Schon die Variante „plain“ ist leicht süßlich und alles andere als vergoren-sauer. Den Unterschied zu Omaere, einem weiteren namibischen Sauermilchgetränk, habe ich nie verstanden. Bei beiden gilt: Wer einen halben Liter von dem Zeug intus hat, kann die nächste Mahlzeit ausfallen lassen – mit oder ohne Hirsebrei.

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