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Weltreise daheim oder WG-Leben international

12 Dez

Die Welt entdecken, ohne die Wohnung zu verlassen? Kein Problem, man muss nur in WGs mit internationaler Besetzung leben. In einer Stadt wie Mainz mit riesiger Universität kommt da schnell einiges zusammen. Ein kleine Auswahl meiner Erfahrungen.

wg-kuehlschrank

Marokko

Ich komme nach Hause. In den Rauchschwaden über dem Küchentisch entdecke ich einen halben Afro (mein Mitbewohner aus Marokko) und einen blonden Fusselkopf (sein bester Freund und Kommilitone). Sie sezieren ein Snickers und erklären mir dann irgendwas über Geologie. Nach einem Blick auf die Reste im Aschenbecher nicke ich nur höflich. Sami* grinst, wie meistens. Wenn er nicht grinst, dann redet er. Vieles davon ist durchaus interessant, aber ich bemerke doch einen leichten Hang zur Selbstdarstellung. Ist mir recht, solange er weiterhin so gut kocht und ich im Billard gewinne.

Was ich von Sami aus Marokko gelernt habe: wie man Snickers aufschneidet, um Erdnüsse, Schokolade und Karamell als „Gesteinsschichten“ zu interpretieren und dass Zimt ein hervorragendes Gewürz für Fleischgerichte ist.

***

Indien

Ich bin in der Tiefschlafphase. Exotisch klingende Laute dringen in mein Ohr, in meiner Nase verfängt der Geruch von gebratenen Zwiebeln. Ich schnelle nach oben: Mist, Mittagessen, ich hab‘ verpennt! Ich stolpere in die Küche. Da sitzt ein orientalisch aussehendes Pärchen. Wer sind die? Wie sich herausstellt, kommen Asha* und Kumar* aus Indien und sind Zwischenmieter meines reisenden Mitbewohners. Aha. Wie sich ebenfalls herausstellt, habe ich nicht verschlafen. Es ist erst 8 Uhr, aber das indische Frühstück riecht eben anders als mein deutsches Müsli. Fortan werde ich jeden Morgen von Reis-Zwiebel-Gemüse-Geruch geweckt und versuche mich nicht aufzuregen, wenn mir Kumar danach das Geschirr zum Spülen reicht. Diese WG endet als der Hausverwalter vorbeikommt – der über die Zwischenmiete so wenig informiert war wie ich.

Was ich von Asha und Kumar aus Indien gelernt habe: dass indische Männer nicht unbedingt aussehen wie Sha Rukh Khan und dass Müsli zum Frühstück viele Vorteile hat.

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Kamerun

Ich öffne den Wasserkocher – wie riecht der denn? Ich gucke hinein: Die Heizstäbe sind voll eingebranntem Zeug. Ich ahne es: Philippe*. Dass er Milch in meinem Wasserkocher erhitzt – was soll’s; dass er meine Teflon-Pfanne mit Stahlwolle reinigt – geschenkt; dass er die Topflappen meiner Oma auf dem Gasherd abfackelt – vergeben. Aber eines Nachmittags komme ich nach Hause und will meine Einkäufe in den Kühlschrank räumen. Gerade schiebe ich seine Lebensmittel zur Seite, da knallt es lautstark und mir schießt eine Fontäne Sekt entgegen. Im selben Moment klingelt es, ich öffne die Tür und eine Freundin guckt mich angewidert an: „Es ist vor 16 Uhr und du stinkst nach Alkohol!“ Später fand ich den Korken. Philippe hatte ihn in meisterlicher Schnitzarbeit so bearbeitet, dass dieser die fast volle Flasche wieder verschloss – bis ich kam.

Was ich von Philippe aus Kamerun gelernt habe: dass man beim Öffnen eines Kühlschranks mit allem rechnen sollte und ich leider nicht so tolerant, weltoffen und großzügig bin, wie ich es gerne wäre.

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Türkei

„Bin nach Izmir geflogen. Habe da so einen Typen im Internet kennengelernt. Komme irgendwann wieder!“ – Ayse* ist der impulsivste Mensch, den ich kenne. Und der stolzeste: Ich bin sicher, dass mehrere Busfahrer, Bankberater und Handwerker noch heute Albträume von ihr haben, wenn nicht gar Kratzspuren. Ausgesprochen herzlich, witzig und selbstironisch ist Ayse aber auch – und ein bisschen verrückt oder wie sollte man folgende Mitteilung einordnen: „Nächste Woche bin ich nicht da. Fahre mit ein paar Kolleginnen nach Tschechien und lasse mir die Brüste vergrößern. Tschüssi!“

Was ich von Ayse aus der Türkei gelernt habe: wie man richtig guten Reis macht und dass man einem Arsch gerne sagen darf, dass er ein Arsch ist – wenn man falsch liegt, entschuldigt man sich halt wieder.

***

* alle Namen geändert

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Zum Welttoilettentag: Shit happens!

19 Nov

WC_Thailand

Heute ist der Welttoilettentag. Aus diesem Anlass wollte ich eigentlich aus meinem reichen Erfahrungsschatz mit internationaler Klokultur berichten: von Hightech-Toiletten in Japan, Tandem-WCs in Litauen und Stehklos in äußerst wackeligen indischen Zügen. Dann ist mir eingefallen, dass ich mein aufregendstes Klo-Erlebnis in der Heimat hatte – und zwar in Bad Kreuznach.

Einlauf

Meine Freundinnen hatten mir zum 30. Geburtstag einen Gutschein fürs Bäderhaus im berühmten Kurviertel geschenkt. Nachdem wir einen Tag in diesem Wellness-Tempel, dieser klassizistischen Oase der Entspannung verbracht hatten, wollten wir noch etwas essen und dann runderneuert nach Hause fahren. Also drückte ich einer Freundin meinen Bademantel in die Hand, verschwand eben schnell aufs Klo – und kam nicht wieder.

Verschluss

Als ich im Damenklo von der Toilettenkabine in den Vorraum ging, rüttelte bereits eine Frau an der Tür nach draußen. Eine zweite Frau half, aber das Ding öffnete sich nicht. Auch von außen versuchte jemand sein Glück und rief schließlich: „Ich hole Hilfe!“ Ich ahnte Schlimmes.

Abführung

Es war heiß und stickig im Klo. Während zwei Bademeister und mehrere Gäste vor der Tür wild durcheinander diskutierten, lehnte ich nackt am Waschbecken und guckte mein Spiegelbild an. Warum ich? Alles Klopfen, Hämmern und Rütteln beeindruckte die Tür nicht. Ein Bademeister rief: „Gehen Sie in die Kabinen – ich trete die Tür ein!“ Ich setzte mich auf die Klobrille und seufzte. Es polterte gewaltig, aber nichts tat sich. Der Mann, mittlerweile nervöser als wir, rief: „Keine Panik, ich hab‘ eine Idee!“ Ich rechnete mit einem Sprengsatz, um uns den Weg nach draußen frei zu bomben. Während wir leises Kratzen und Ratschen hörten, verfluchte ich mein Dasein. Doch plötzlich sprang die Tür auf und vor uns stand ein keuchender und schwitzender Bademeister. Offenbar war eine Feder gerissen und der Mann hatte mit seiner Bankkarte den Türriegel Millimeter um Millimeter zurückgeschoben.

Auswurf

Ich hatte Schlimmes geahnt, aber es kam noch schlimmer: Kaum trat ich splitternackt mit den beiden Damen aus der Toilette heraus, brandete Applaus auf. Wir standen einer Traube von ebenfalls nackten Menschen gegenüber, die unsere Rettung mit Jubelrufen, wogenden Busen und wild wackelnden Bäuchen feierten. Ich wurde feuerrot, trat zu meinen hysterisch lachenden Freundinnen und versuchte auf die Größe eines WC-Steins zu schrumpfen.

Ein solches Ausmaß an Aufmerksamkeit möchte ich nicht noch einmal erleben – wenigstens nicht im textilfreien Bereich.

4 Tage Berlin – 4 Rätsel

1 Aug

berlindom

Tag 1: Ich komme abends auf dem Berliner Hauptbahnhof an und steige in ein Taxi. Bekanntermaßen sind alle Taxifahrer weltweit wahnsinnig und todessehnsüchtig – wohl auch dieser. „Seele auf Wanderschaft“ heißt das Buch, das der Mann unter die Windschutzscheibe klemmt. Während er den Wagen startet, frage ich mich, ob mir genug Zeit bleibt um schnell Buddhistin zu werden.

Tag 2: Gegen alle Erwartung habe ich die Taxifahrt überlebt. Blendend gelaunt trete ich morgens aus meinem Hotelzimmer, zu dem mich am Abend ein Angestellter gebracht hatte. Ich gehe um drei Ecken und bin verloren in einem Nichts aus weißen Wänden und verwinkelten Fluren. So stelle ich mir die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Anstalt vor. Unsere Sekretärin hat dieses Hotel für mich ausgewählt. Soll mir das was sagen?

Tag 3: Ich blättere in dem Magazin mit Berlin-Highlights, das im Hotel ausliegt. Ein Empfehlung ist das „Haus der Spione“. Ich frage den Ticketverkäufer in der Lobby danach, er hat noch nie davon gehört. Ein Kollege sagt, er kenne die Gegend, da sei kein „Spy Museum“. Ich rufe die angegebene Nummer an – keine Verbindung. Ich gucke mir die anderen Empfehlungen des Magazins an. Existiert das Brandenburger Tor? Ist der Funkturm real? Gibt es ein Bundeskanzleramt?

Tag 4: Die Fragen vom Vortag haben sich noch nicht beantwortet. Schwitzend und schnaufend quäle ich mich in brüllender Hitze die 270 Stufen zur Kuppel des Berliner Doms hinauf, um den viel gepriesenen Panoramablick zu genießen. Der erste Mensch, den ich auf dem Aussichtsrundgang treffe, ist ein Blinder. Ich bin so perplex, dass ich vergesse, nach dem Brandenburger Tor, dem Funkturm und dem Bundeskanzleramt zu gucken. Berlin – eine Stadt voller Rätsel.

Zoologischer Garten Berlin – 10 Stopps für offene Ohren

20 Jul

1. Eingang Zoologischer Garten: Schnelle Schritte aus der U-Bahnstation hinaus. Schock. Presslufthammer links, Hupen rechts, quietschende Autoreifen hinten, Baustellenlärm überall, Gebrüll, Fahrradklingeln, Gesprächsfetzen. Ich – in einer Wolke aus Ohrenstress, orientierungslos. Kasse? Rauschen im Kopf. Und plötzlich ganz leise vibrierendes Brummen, tiefes Grollen, rhythmisch, archaisch und anziehend. Ich drehe mich um: ein schmaler Glatzkopf, halb nackt, völlig versunken, ein einsamer Kämpfer. Bläst mit seinem Didgeridoo Berlin weg.

kamel

2. Kamelgehege: Sommerstille. Leichter Wind rauscht durch die Baumkronen, warm, sehr warm. Blingbling – schwere Lider fallen nach unten und ziehen sich wieder hinauf. Der Kopf dreht sich. Arroganter Blick. Die Überheblichkeit des Wüstenbewohners bei Hitze. Leise mahlende Geräusche. Der Schwanz wischt durch die Luft, Fliegen surren davon. Ändern der Beinstellung, Knirschen der Tritte auf Sand. Blöken von nebenan, tief und dunkel. Der Kopf dreht sich wieder weg. Blingbling.

3. Tierkinderzoo: Aufgeregtes Gekreische, Kichern, Babys kieksen entzückt, Gelache und Gegacker, wenn die rauen Zungen der Ziegenkitze Futter aus der Hand lecken. Bollerwagen eiern polternd über holprigen Untergrund. Flaschen zischen beim Öffnen, sprudelnd plätschert Wasser über. Schleifgeräusche, ein Bock zieht eine Bäckertüte aus einem Kinderwagen. Empörter Aufschrei: Vater schnappt Tüte, Papier reisst, Brötchen patscht in Sand, Bock meckert, Vater meckert, Mutter meckert, Kind quietscht und klatscht Applaus.

tierkinderzoo

4. Fütterung Orang-Utans: Das Mikro knackt und knistert. Knirschen gefolgt von dumpfem Poltern, als eine Wanne voller Früchte und Gemüse auf staubtrockenem Boden landet. In fünf träge Orang-Utans kommt Bewegung, lautloses Hangeln. Peitschendes Schlagen von Tauen gegen Metallstäbe, Halterungen klappern und klirren. Hell schnatternde Kinderstimmen verstummen angesichts der Waldmenschen. „Orang-Utans mögen im Sommer auch gern ein Eis“, sagt der Tierpfleger mit sanft säuselnder Stimme. Weiße, tropfende Blöcke aus gefrorenem Fencheltee verschwinden still in rotbraunen Mäulern, Obst und Gemüse hinterher. Kein Geräusch, nur manchmal leises Knacken und Krachen. Lautes Gelächter, als eine hakenförmige Hand artig eine Tomate zurückreicht und Banane verlangt. Zottelige Süßmäuler.

5. Eiswagen: Ein schwerer Hitzemantel, der jedes Geräusch dämpft. „Mama, Mama!“, Kinder betteln um Eis. Kleine Finger klopfen ungeduldig auf Plexiglas. Der Schiebedeckel rauscht auf, knallt gegen die Seitenwand, ein Hauch von Kühle. Ich auch, ich auch! „2 Euro, bitte.“ Münzen klappern gegen Holz. Verheißungsvolles Ratschen, als sich die Folie löst. Schmatzend schiebt sich die hellrot glitzernde Eisstange die Pappverpackung hoch. Leck, schleck, schlürf, aaah – Calippo Erdbeer. Kindheit auf der Zunge.

elefant

6. Elefantengehe: Sprinkleranlage, Zischen des Wasserstrahls am Gehegerand. Ein Elefant direkt am Graben, der Rüssel wird lang und länger. Das Wasser prasselt mal links, mal rechts ins Nasenloch. Es zischelt und rauscht unaufhörlich, die Luft vibriert und glitzert in Regenbogenfarben. Prustend spritzt sich der Graue das Wasser um den Kopf. Flappend fächeln die Ohren durch die Luft. Zuschauer johlen und kichern, Kameras surren und klicken ohne Unterlass. Der Feuerwehr-Elefant schnaubt gut gelaunt und macht wieder den Rüssel lang – vollsaugen, innehalten, abspritzen. Klick-klick.

7. Raubtierhaus: Tumult. Schreie und Gelächter, tratschnasse, tropfende Zoobesucher, die lautstark giggelnd ins Raubtierhaus flüchten. Draußen hämmert Regen auf aufgeheizten Asphalt. Quietschende Kinderwagen, Wühlen und Rascheln in Taschen, Tupperdosen knallen zu Boden, Plastikflaschen kollern unter Sitzbänke, Seufzen. Lärm und Radau überall. Meine Flucht, vorbei an Löwen und Geparden, die Fleisch von der Fütterung in Stücke reißen, Knochen krachen, Splittergeräusche, Zungen lecken schmatzend über Beutestücke. Hinten ein Jaguar, der durchs Gitter faucht und mir eine Kaskade erregter Geräusche entgegenspuckt: Hecheln, Röcheln, dumpfes Röhren. Tiefes Grollen eines gefangenen Jägers, das sich mit Donnern und Poltern des Gewitters von draußen mischt. Unheimlich. Weg hier.

8. Draußen: Eltern rotzgenervt und drohend: „Luca!“ Luca lacht und quiekt und springt juchzend zur Mitte einer riesigen Regenpfütze. Es platscht und spritzt, Passanten kichern, triefnasse Schuhe schmatzen und schnalzen bei jedem Schritt, letzte Regentropfen ploppen in die Pfütze. Luca klatscht mit den Händen auf die Wasseroberfläche – pures Glück.

Quallen

9. Aquarium: Faszinierte Stille. Leises Flüstern aus der Ferne. Quallen, die elegant und lautlos durch mystisches Halbdunkel tanzen. Unterwassersound im Kopf: Rauschen, gedämpftes Fließen, Sonar…

10. Cafeteria: Theo. Sirenenartiger Auftakt neben meinem rechten Ohr. Verzweifelte Mutter, die Waffelstücke in Theo stopft. Theo atmet und hustet und spuckt und weint und greint und flennt und plärrt und heult und schluchzt und schreit und brüllt, Theo überall. Zweiter Versuch: Eine Fantaflasche sprudelt und zischelt beim Öffnen, Theo stockt, leises Wimmern, Nase hochziehen, gluckgluck. Zufriedene Stille. „Röstzwiebeln?“, fragt mich die Verkäuferin mit Hotdog auf der Hand. „Ja!“, sage ich noch halb betäubt. „Senf?“ – „Ja!“ – „Sauerkraut?! – „Ja!“. Münzen klimpern, Papier raschelt, beißen, schlucken. Sauerkraut – uäh!

Wunderkerzen weltweit – heute: Norderney

29 Okt

norderney

Achtung, Achtung, bitte betreten Sie diesen Rasen nicht mit Ihrer Robbe!

Mehr zu Norderney gibt es hier!

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