Liebe Washington Post…

5 Apr

– english translation below –

…wie schön, dass ihr Mainz entdeckt habt. Leider seid ihr nicht auf unseren wunderbaren Rhein, die schnuckelige Altstadt, den schaurig-schönen Dom, die köstlichen Rieslinge, die sympathisch abgeranzte Multi-Kulti-Neustadt oder unsere mehr als 2000-jährige Geschichte gestoßen – nein, ihr musstet das Thomas-Neger-Logo auftun!

Gutenberg

Bei uns haben mehr als 30 Prozent der Einwohner Migrationshintergrund. Manche kommen sogar aus Wiesbaden! Dafür leben wir erstaunlich gut gelaunt zusammen, finde ich. Aber plötzlich stehen wir wie Rassisten da: Der Deutschlandfunk hat über das Logo berichtet, der SWR, die Welt, n-tv, Focus, Tagesspiegel und jetzt auch noch ihr, die Washington Post.

Wir haben vielleicht einen Dachschaden, aber wir sind weltoffen und herzlich. Falls ihr also mal auf Betriebsausflug vorbeikommen wollt, dann seid ihr willkommen! Damit ihr wisst, was Mainz ausmacht, hier ein paar Tipps:

  1. Unser Rhein – hach…! Bei seinem Anblick geht jedem Mainzer das Herz auf. Falls ihr am Ufer steht und drüben Amöneburg, Kastel und Kostheim seht: Diese rechtsrheinischen Gemeinden haben bis 1945 auch zu uns gehört. Aber gut, wir wollen nicht nachtragend sein…
  2. Marktfrühstück am Dom mit Riesling, heißer Fleischwurst und einem Paarweck. Bei Problemen mit der Handhabung quatscht einfach jemanden an. Mainzer sind spätestens seit Jockel Fuchs‘ Zeiten bekannt für herausragendes Englisch – da könnt ihr Queen Elizabeth fragen.
  3. Da ihr nun eh schon am Markt seid, müsst ihr natürlich noch ein Stück weiter zum Rathaus. Sobald ihr denkt, dass ihr euch verlaufen habt und vorm Gefängnis steht – Volltreffer! Wie ihr am Rathaus seht, hat gutes Design bei uns lange Tradition.

P.S.: Bei der Anreise müsst ihr aufpassen. Wir haben mit der Schiersteiner Brücke ein klitzekleines Problem – ungefähr 30 Zentimeter klein. Mit der Absenkung eines Brückenpfeilers haben wir es übrigens vor der Neger-Logo-Debatte zum letzten Mal bundesweit in die Medien geschafft. Und davor mit dem Bahnhof, aber das sind olle Kamellen. Hat eure Redaktion vielleicht einen Privatjet?

Viele Grüße aus Mainz, eure Alexandra

 ***

Dear Washington Post…

…how nice, you discovered Mainz. Unfortunately, you did not find our wonderful Rhine, the cute old city, the eerily beautiful dome church, the delicious Riesling wines, the sympathetically run-down district called Neustadt with its multicultural atmosphere or our impressing town history, starting more than 2000 years ago. No, you spotted the logo of Thomas Neger’s roofer company.

rhein

30 percent of our population are people with a migration background. Some of them even originate from Wiesbaden! In view of this, we get along quite well, I believe. But now, everyone thinks, we are racists: the Deutschlandfunk reported on the logo, n-tv, SWR, the newspapers Welt, Focus, Tagesspiegel and now you, the Washington Post.

We may have a slate loose, but we are open-minded and warm-hearted. So, in case you are heading on your next company outing towards Mainz, you are very welcome. Some tips on what to see and what to do:

  1. Our beloved Rhine – oh…! The sight of the river warms up every Mainzer’s heart. In case you stand at the riverbank and spot the districts Amöneburg, Kastel and Kostheim on the other side, you may remember, that they once belonged to Mainz. But don’t worry, we are not carrying a grudge against you…
  2. Breakfast on the weekly market next to the Dome church with Riesling, Fleischwurst (a Mainz-style sausage) and a bread roll. If you get in trouble with the handling, don’t hesitate to ask for help. Since the days of mayor Jockel Fuchs we are famous for our excellent english – feel free to consult Queen Elizabeth.
  3. As you now are already quite close to it, you should definitely walk on to the town hall. If at some point you consider yourself to be lost and in front of a prison – Bingo! When looking at the town hall you will see, that we have a long tradition of good design in Mainz.

P.S.: Pay attention when arranging your arrival. We have a tiny little problem with the Schierstein Bridge – about 30 centimeters tiny. By the way: the subsidence of one of the bridge piers brought us into nationwide newspapers right before the Neger-logo-controversial started. And before the bridge it was the main train station, but that’s old hat. Do your editors maybe have a private jet?

Many greetings from Mainz, Alexandra

Advertisements

3 Antworten to “Liebe Washington Post…”

  1. silvesterkind 05/04/2015 um 8:39 pm #

    Falls jemand meine kleine Mainz-Liste erweitern möchte, sehr gerne! Falls jemand meine englische Übersetzung korrigieren möchte, sehrsehr gerne! 🙂

  2. Betrachterauge 05/04/2015 um 10:17 pm #

    In China gibt es seit 1933 eine Zahnpastamarke „Darlie“, früher „Darkie“ – man kann den entsprechenden Artikel in Wiki finden. Unser chinesische Prof erzählte uns, wie sich eine Gruppe schwarzer Studenten diesbezüglich aufregte und im Rahmen einer Kursarbeit vorschlug, die Marke zu re-branden.

    Ehrlich, solche Spinnereien kommen mir vor wie Hexenjagd des 21. Jahrhunderts.

    • Chrissi S. 06/04/2015 um 11:09 am #

      Toller Artikel, jedoch nicht zu vergessen, die virale Philo -Tür #technikeristinformiert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Autor, Träumer und Freibeuter

Verfasser von Gegenwartsliteratur, Kurzgeschichten, Gedichten ...

Reiseblog Weltenbummler Mag

Reisen macht glücklich & darüber lesen auch

Abenteuer Mexiko

Ich gehe 9 Monate nach Mexiko. Und das ist mein Blog. So!

Erdmannlibob's Weisheiten

Erlebnisse, Erfahrungen und Erdichtungen

Betrachterauge

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Urgeschmack

Das Blog von Alexandra Schröder über Reisen und Knaller aller Art

101places.de

Das Blog von Alexandra Schröder über Reisen und Knaller aller Art

Lilies Diary

Der alltägliche Wahnsinn

Anemina Travels

Dein Urlaub kann mehr: Individualreisen und Abenteuer weltweit

Little Miss Itchy Feet

Nachhaltiges, Inspirierendes und Mutmachendes von unterwegs.

Das Abenteuer im Gepäck

Als Backpacker die Welt entdecken

Jo Igele Reiseblog

Das Blog von Alexandra Schröder über Reisen und Knaller aller Art

danares.mag

Kulturblog für Weltliteratur & Straßenpoesie

WIRRE WELT BERLIN

Ihr werdet euch noch wundern

Wäller Weisheiten

Wie Opa die Welt sieht

%d Bloggern gefällt das: