Wunderkerzen weltweit – heute: Mombasa

16 Mrz

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Dieser Mann schwankte im Sitzen. Jede seiner Bewegungen setzte wabernde Wölkchen frei, die sich im Halbdunkel des Kinos verteilten und einen Duft von Alkohol und Magensäure mit sich brachten. Kaum war die indische Flagge auf der Leinwand zu sehen, sprang er auf und packte sich mit der rechten Hand ans Herz. Das brachte sein Gleichgewicht endgültig durcheinander.

Während sein Kopf wild auf den Schultern tanzte und sein rechter Ellbogen orientierungslos durch die Luft eierte, kippte sein Oberkörper unentschlossen nach vorne. Die rechte und linke Pobacke ahnten in diesem Moment offenbar schon Schlimmes. In einer konzertierten Aktion versuchten sie, die Kante des Klappsitzes zu schnappen. Zu spät: Sein Oberkörper hatte sich endültig für vorn entschieden und der Mann fiel zu den Schlussklängen der Nationalhymne über die Sitzreihe.

Während der Film startete, erklang am Boden des nahezu leeren Kinosaals ein lautstarkes Schnarchen, gelegentlich unterbrochen von Rülpsern und Schimpftiraden. Vom Film hörten wir nichts. Machte auch nichts, denn wie sich herausstellte, war dieses indischen Meisterwerk weder englisch synchronisiert noch untertitelt. „Gute Idee, Alex, ausgerechnet hier ins Kino zu gehen“, raunte mir eine meiner Reisebegleiterinnen ins Ohr. „Ausgezeichnete Idee!“

Ich musste zugeben, dass es Alternativen gegeben hätte, denn mit „hier“ war Mombasa gemeint – eine geschichtsträchtige Stadt am indischen Ozean mit Stränden, Hafen, Festung, Märkten und manchem mehr. Die britischen Kolonialherren hatten einst tausende Arbeiter vom Subkontinent zum Bau von Eisenbahnlinien nach Kenia geschafft, was dieser eigentlich arabisch-afrikanisch geprägten Stadt einen Hauch von Indien verlieh. Dieser Hauch, so fand der Autor meines Reiseführers, wehe einem besonders intensiv beim Besuch eines indischen Kinos um die Nase – in unserem Fall mit einer dominanten Alkoholnote.

Heute, da meine Reise nach Kenia fast 20 Jahre her ist, muss ich dem Autor eines zugestehen: Kaum ein Kinobesuch ist mir so in Erinnerung geblieben wie dieser.

Mehr zu Mombasa gibt es hier!

***

Silvesterkinds Funkentrio:

  1. Funke: Warum sich Extrarunden in Windhoeker Taxis lohnen…
  2. Funke: Wie man via Lissabon in die Hölle kommt…
  3. Funke: Warum man für Costa Rica ein Testament braucht…

 

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