Auf nach Idar-Oberstein!

7 Mrz

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Ui. Ich bin baff: Seit einigen Tagen wird ein Blogbeitrag von mir granatenmäßig geklickt. Granatenmäßig im Vergleich zu sonst jedenfalls. Denn normalerweise kann ich nahezu jeden Klick namentlich zuordnen: Mama, Papa, Freund… Der Beitrag heißt „15 gute Gründe nicht in Idar-Oberstein zu leben„. Er ist schon zehn Jahre alt, geschrieben habe ich ihn, als ich ein Jahr lang dort gelebt und gearbeitet habe. Wie der Titel schon erahnen lässt, sind die Stadt und ich keine Kumpels geworden. Nun bekomme ich aber immer mehr Kommentare im Sinne von, kurz gefasst: Die übertreibt – und zwar mordsmäßig!!! Also, dachte ich mir, ich fahre einfach mal wieder hin! Vielleicht habe ich ja damals wirklich die schönen, coolen, besonderen Ecken verpeilt. Da seid jetzt aber auch Ihr gefragt, die Idar-Oberstein-Kenner! Schickt mir Eure Tipps: Wo muss man hin? Wo ist es schön, wo geht was ab, was sind eure Lieblingsecken?

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15 Antworten to “Auf nach Idar-Oberstein!”

  1. matthias 07/03/2015 um 7:55 pm #

    Zum Punkt dass Idar-Oberstein keinen guten Internetanschluss hat ist übertrieben. Unser Glasfaserkabelnetz wächst kontinuierlich.
    Zum Punkt der Naheüberbauung: Ohne die Naheüberbauung wäre eine vernünftige Anbindung der Stadt nicht möglich. Die einzige Alternative wäre eine aufwendige Umgehung verbunden mit dem Abriss von Häusern in der Innenstadt von Oberstein gewesen.
    Desweiteren ist der Kreis Birkenfeld ein hervorragendes Wandergebiet. Desweiteren wird bald ein Nationalpark im Kreis eröffnet. Ein weiterer Anziehungspunkt ist die Felsenkirche, einmalig auf der Welt.

    • silvesterkind 08/03/2015 um 10:53 am #

      Hallo Matthias!
      Danke für deine Tipps. Ja, die Felsenkirche ist wirklich originell. Kannst du die Wander-Empfehlung etwas konkreter machen? Was ist denn deine Lieblingsstrecke?
      Danke und Grüße

    • Nieder 08/03/2015 um 12:44 pm #

      Die Bedeutung des kommenden Nationalparks ist nicht zu unterschätzen. Sumpfwälder, Hangmoore, seltene Tiere, Wildkatzen. Mit Rangern unberührte Natur entdecken. Eine tolle Sache und eine echte Chance für die Region Hunsrück/Birkenfeld, auch touristisch. An Pfingsten gehts los, ich werde bestimmt mal vorbeischauen.

  2. Kerstin Juta 08/03/2015 um 11:35 am #

    Ich habe auch versehentlich 2 Jahre – von 2006 – 2008 in Idar Oberstein verbracht. Genauer: in Kirschweiler. Deine Liste trifft voll zu 😉. Aber: niemals wieder war unsere Küche mit so hochwertigen Produkten für so wenig Geld ausgestattet wie in dieser Zeit. Warst du etwa nicht regelmäßig beim Fissler- Werksverkauf in Birkenfeld? Oder im Fissler-shop in Idar? Übrigens es geht alles noch schlimmer als bei dir: unser 1. Kind wurde in Idar-Oberstein geboren – damit muss er jetzt ein Leben lang klarkommen… 😉 liebe Grüße!!

    • silvesterkind 08/03/2015 um 12:12 pm #

      Liebe Kerstin,
      im Werksverkauf war ich tatsächlich – mit Mama natürlich! 😊

  3. Marco 08/03/2015 um 3:02 pm #

    Hey Silvesterkind (schöner Name),

    den Punkt mit dem Kino musst Du überarbeiten. Gibt beide nicht mehr. Ich glaub schon langsam im tiefsten Hunsrück ist mehr los als in I-O. Schade eigentlich.

    Gruss & Schönen Sonntag

  4. trasher 09/03/2015 um 8:24 pm #

    Selbst auf einem Friedhof ist mehr los als in IO

  5. Subdominante 10/03/2015 um 2:21 pm #

    Liebes Silvesterkind,
    Du hast eine interessante Attraktion vergessen. Daher schlage ich Punkt 16 vor:

    Es gibt Lokale in Idar-Oberstein, in denen man so dermaßen unfreundlich bedient wird, dass es schon zum event werden kann.
    Nur die Stadtverwaltung und das Touristeninformationsbüro können noch unfreundlicher sein.

    Das mit dem Reiten ist übrigens die beste Idee.
    Dafür haben wir hier Gegend ohne Ende.
    Die Natur ist hier sehr schön, und wenn die Eingeborenen etwas weltoffener wären, hätten wir sicher auch einen gepflegten Tourismus.

  6. lilalalu 23/03/2015 um 11:24 am #

    Hallo Silvesterkind!
    Ich war eine der Klicker auf den veralteten Beitrag habe diesen damals allerdings nicht kommentiert da ich noch kein WordPress hatte. Du hast mich also praktisch zum bloggen animiert 🙂
    Ich denke ich kann mir denken warum der uralte Beitrag deines Blogs soviel Aufmerksamkeit bekommen hat. Er wurde von jemand gefunden und in Facebook immer und immer wieder geteilt, so hatte ich ihn damals auch gefunden. Aktuell ist die Lage in Idar-Oberstein noch viel viel schlechter als das was du beschrieben hattest. Die Menschen versuchen die Stadt wieder zu beleben und alles anzukurbeln. Ein neuer Bürgermeister musste her, es gibt eine Art Ausschuss die daran arbeitet die Stadt interessanter zu machen und man hofft die Stadt drehen zu können. Deshalb schalten auch viele auf stur und versuchen sich gegen solche „Anschuldigungen“ zu wehren, frei nach dem Motto „getroffene Hunde bellen“. 😀
    Ich muss dir wirklich recht geben in dem was du geschrieben hast. Ich bin in Idar-Oberstein aufgewachsen und kann dir versichern dass du die Stadt geliebt hättest wärst du so 1997 rum dort gewesen. Die Stadt war voll und man hatte genügend Shoppingmöglichkeiten so wie Möglichkeiten die Freizeit besser zu gestalten. Danach traf all das ein was du beschrieben hast. Mittlerweile gibt es wirklich High-Speed-Internet 😀 Wenn du jetzt nach Idar-Oberstein kommst kannst du wenigstens schnell surfen. Die Funklöcher sind allerdings immer noch aktuell 😀
    Seit zwei Jahren lebe ich selbst in einer Großstadt im hessischen Raum und bin überglücklich über diese Wendung in meinem Leben. An Idar-Oberstein denke ich nicht so gerne zurück, denn Idar-Oberstein ist für mich der Inbegriff der Depression. Ich bin selbst gespannt welche Vorschläge du erhältst, es gibt absolut nichts was ich dir empfehlen könnte. Vielleicht die Edelstein-Erlebniswelt 😀 (das war ein Scherz tu dir das bloss nicht an!) Momentan ist die Lage wie folgt: das nächste noch offene Kino ist 20 Minuten Fahrtzeit entfernt, es gibt außer dem heruntergekommenen Hallenbad kein einziges Schwimmbad, es gibt ein Naturbad aber da würde ich nicht reingehen denn da hatten einige bereits gesundheitliche Probleme nach ihrem Besuch, es gibt eine gähnend leere Innenstadt mit Apotheken, es gibt eine Shishabar welche ….ja lassen wir das mit der Shishabar und es gibt nach Jahren der Abstinenz eine wiedereröffnete Dorfdisko Granada! Die Disko soll gar nicht soooo grottig sein also wäre das eventuell eine Überlegung wert, ich habe mich gegen einen Besuch dieser Disko entschieden. Ich würde dir das Sterneland empfehlen, dort kannst du wenigstens ein Bällebad nehmen und eine Rutsche runterrutschen…ist bei weitem nicht so deprimierend wie ein Spaziergang durch die Innenstadt von Idar-Oberstein. Mittlerweile ist es sogar problematisch in der Innenstadt ein annehmbares öffentliches WC zu finden! Ich wünsche dir viel Spaß und freue mich auf deinen neuen Beitrag 🙂 Sorry für den langen Text 😉

    • silvesterkind 23/03/2015 um 9:15 pm #

      Hallo lilalalu!
      Danke für deine vielen Eindrücke – sie entsprechen in etwa dem, was mir einige alte Bekannte aus der Stadt erzählt haben. Tja, bislang waren die Tipps eher spärlich beziehungsweise etwas unkonkret. Ich weiß also nicht, ob oder wann ich wirklich noch mal hinfahre. Aber du kannst sicher sein: Dein Bällchenbad lasse ich mir nicht entgehen! 🙂
      Viel Spaß beim Bloggen!

  7. peppermintpepper 18/07/2015 um 1:21 am #

    Hallo liebe (Ex-)Idar-Obersteiner,
    Ich bin in Hessen geboren und in der Nähe von Heidelberg, in Sinsheim aufgewachsen, in einer Gegend also, in der wirklich viel los ist, wie man so sagt.

    Und ich bin jetzt auch wegen eines Volontariats für 2 Jahre in die schöne Schmuckstadt gekommen, in knapp drei Monaten werde ich in Frankfurt studieren gehen/ weiter ziehen sozusagen.

    Ich.liebe.Idar.Oberstein
    Und gehöre damit wohl zu den letzten Überlebenden 20 Jährigen hier.

    Die Kultur blüht nirgendwo so herzhaft wie hier. Jazztage, Theatersommer, Oldtimerausfahrt, Aperitif DJ Night, Karl May Festspiele, Märkte, Märkte Märkte 🙂

    Konkrete Tipps für dieses Wochenende: im Moment komme ich gerade vom Open Air Kino an der Weiherschleife in Tiefenstein. Morgen und übermorgen fängt dort um 22Uhr/ bei Einbruch der Dunkelheit nochmal jeweils ein Film in kuscheliger Picknickatmosphäre an.

    Außerdem ist wieder Rock im Daal bei der Waldbühne in Kirchenbollenbach, ein Musikfestival bei freiem Eintritt am ersten Tag.

    Baderlebnistag mit Flohmarkt, Gartendusche und Hüpfburgenparadis bei der Firma Leysser morgen.

    Auf der Kirner Kyrburg findet auch irgendein Jazz/Swing Benefizevent zugunsten der Soonwaldstiftung mit Johannes Kilpers statt.

    In Thalfang: Kunst/Handwerkermarkt 🙂

    Außerdem ein Graffiti Workshop dieses Wochenende und das Open Air Boxen hat auf dem Schleiferplatz in Idar wieder stattgefunden heute.

    Apropos Idar: da ist morgen auch noch ein Antik- und Trödelmarkt.

    Außerdem natürlich viele Kirmese zur Zeit 🙂

    Soweit die Sachen, die ich so mitbekommen hab und die mir spontan für dieses Wochenende einfallen.

    Falls du ein anderes Wochenende kommen willst, sag Bescheid, dann suche ich dir für dann etwas aus 🙂

    Und wenn wirklich mal gaaar nicht geht ( meine Devise ist ja: irgendwo geht immer irgendwas), winkt immer noch die Schönheit der Region 🙂

    Ach ja und über das Naturbad hat man dieses Jahr glaub nichts mehr Böses gehört, das hatte wie viele Dinge einen schwierigen Start, ich bin da suuuuper gerne. Strandfeeling und richtig schön angelegt!!

    Hoffe, ich konnte ein bißchen zur Oberstener Toleranz beitragen 😉

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass du dich mehr wegen doofen Rahmenbedingungen deiner damaligen Situation depressiv gefühlt hast, als wegen eines kleinen Städtchens, das dir bestimmt nie wirklich etwas böses wollte 🙂

    Ps: ach ja und welches kleine Städtchen hat schon seinen eigenen Radiosender? 😉

    • silvesterkind 18/07/2015 um 8:46 am #

      Hi Peppermint,
      ich muss es zugeben: Die Liste ist beeindruckend! Trifft man bei diesen Veranstaltungen tatsächlich auch noch auf andere Menschen?
      Bei so viel Begeisterung: Warum ziehst du weg?
      Grüße

      • peppermintpepper 18/07/2015 um 8:38 pm #

        Hallo Silvesterkind,
        Also Rock im Daal ist proppenvoll. Der Baderlebnistag ging heute so und das Open Air Kino hatte im letzten Jahr viel mehr Besucher – das liegt wohl daran, dass das dieses Jahr nicht mehr der nette Herr Friedel organisiert, mal schauen, wie es heute ist 🙂 Ich glaube, Idar-Oberstein fehlt wirklich effizientes Marketing. Ich bin zu Jung und zu neugierig auf die Welt, um mich jetzt schon an einen Ort zu binden. Irgendwann kehre ich (mit hoffentlich viiiiiel Geld!! :D) in die Edelsteinstadt zurück und lass‘ es mir gut gehen 😛

  8. Chris 07/03/2016 um 11:24 am #

    Auch wenn diese Liste jetzt „etwas“ älter ist, ist diese Aufzählung definitiv nicht abzustreiten. Idar-Oberstein hat gerade in den 60er bis 80er Jahren politische Fehlentscheidungen getroffen, die mitunter auch für die entsprechende Ist-Situation gesorgt haben. (z. B. US-Depot anstelle Opel-Werk). Allerdings finde ich es von einer (damaligen) Volontärin etwas anmaßend sich nach nur 3 Monaten und garantiert mit 0 Interesse für die Region ein solches Urteil für alle im (Nationalpark-)Landkreis Birkenfeld zu fällen. Eine Volontärin ist 2 Jahre in Idar-Oberstein gewesen und im letzten Jahr hat sie dann so langsam verstanden warum es so ist, wie es bei uns nun mal leider ist. Wie gesagt abstreiten konnte man bis 2012 viele Punkte auf dieser Liste nicht, jedoch bewegt sich wieder etwas in Idar-Oberstein!

    Ohne jetzt eine große Aufzählung abzugeben nur ein paar wesentliche Beispiele: In I-O gibt es wieder ein funktionierendes Freibad, das Hallenbad wird derzeit saniert und erweitert, das ehemalige Kammerwoog-Freibadgelände wird wieder begehbar gemacht (Schwimmbadbetrieb ist eine Kostenfrage und wie betont ist die Stadt nicht gerade reich).

    Es wird nur nicht in 2-3 Jahren „die“ Stadt werden – sowas brauch Zeit und vor allem Geld! Du bist bei einem Nachrichtenmedium Volontärin gewesen? Wenn Du auch die Stadtratssitzungen unter Oberbürgermeister Hans Jürgen Machwirth besucht hast, müsstest Du auch um die finanzielle Lage der Stadt Bescheid wissen. Wo kein Geld da ist, kann keins ausgegeben werden 🙂

    Zur Naheüberbauung: Es gab nun mal KEINE andere Alternative, um die B41 zwischen Kirn und Birkenfeld zu verlegen… Von Kirn nach Birkenfeld aus gesehen ist zur linken Seite der Truppenübungsplatz und zur rechten Seite massiver Fels. Also die Wahl zwischen Panzer mit Schießbefehl und einem der Länge der Naheüberbauung entsprechenden Tunnel der gut das Dreifache gekostet hätte 🙂

    Zur Region (NLK Birkenfeld):
    Natürlich haben wir auch 2016 noch Teile im Landkreis die nicht gut mit Mobilfunkanlagen abgedeckt sind, aber das liegt oh Wunder an der geografischen Lage. Was tun? Alles einebnen? Netter Gedanke…

    Wer ohne Anstrengungen Wandern oder Radfahren will, muss nach Holland! Diese kommen übrigens gerade deswegen in „unsere“ Region.

    Wer behauptet im Kreis Birkenfeld ist nichts los, der irrt auch! Es gibt im gesamten Landkreis so viele sehenswerte Veranstaltungen die durch die Medien teils gar nicht oder leider zu spät bekannt gemacht werden. Im schlimmsten Fall erfährt man erst am Tag danach von ihnen in der Zeitung.

    Wer von der Großstadt verwöhnt ist und kein Interesse am „ländlichen Raum“ hat, dem empfehle ich den Regionalexpress nach Mainz/Frankfurt oder Saarbrücken! Wer es lieber ruhig und naturnah möchte, ist hier genau richtig! Wer ins Kino will, dem steht das Movietown in Neubrücke zur Verfügung (was auch unter anderem einer der Gründe ist, weshalb die beiden Kinos in Idar-Oberstein dicht machen mussten [Beide konnten nicht mehr erweitert werden und eine „Sanierung“ hätte aufgrund der schwindenden Zahlen nicht mehr gelohnt]).

    Jede/r hat seine eigene Meinung die vertreten wird. Das gilt auch über I-O und das ist auch gut so! ich selbst bin auch mit vielen Situationen nicht einverstanden aber wenn ich niemanden auf Probleme aufmerksam mache, darf ich mich nicht wundern, wenn dieser Zustand von Dauer ist! Es gibt Menschen, die WOLLEN die Stadt lebenswerter und attraktiver machen, aber auch wie in jeder anderen (Groß-)Stadt auch Chaoten und Idi****, die das zunichtemachen! In der einen Stadt fällt es mal mehr und in der anderen mal weniger auf..

    Un zum Spissbrore noch wad: Erfunn issed in Brasilie un die gescheit Würzung (do kloppe sich die Irada un die Uwastäner heit noch welch von dene zwo bessa is), kimmt aus ira-Uwastän 😀

    So wie das Fleisch im Kreis Birkenfeld und Bad Kreuznach zubereitet wird (Dicke und Gewürz), gibt es kein zweites Mal. Eine Schulgruppe aus dem Sauerland ist letztes Jahr in I-O gewesen und der Lehrer ist mit einer Kühlbox am letzten Tag zum Metzger gegangen, um eingelegte „Stücker“ mit nach Hause zu nehmen 😛

  9. Sebastian 29/06/2016 um 11:57 am #

    Du übertreibst in keiner Zeile!
    Nach langer Zeit habe ich nun einen Fehler gemacht: ich habe den Ort, an dem ich leider geboren wurde, wieder besucht. Idar-Oberstein. Kann man mal machen, dachte ich, da freut sich meine Mutter. Eine Fehleinschätzung, wie sich nach dem ersten Schlagloch zeigte-von denen noch viele folgen sollten!
    Fataler Weise entschied ich, mit einem alten Freund aus besagter Ortschaft die sogenannte ‚Innenstadt‘ aufzusuchen. Einsamkeit fanden wir dort leider keine-stattdessen zahnlose Menschen, die Mittags um 1 alkoholschwanger durch die „Fußgängerzone“ zogen und ihre Kinder mit einem liebevollen ‚awei kimmste lo her sust gits ein uff die Fress!‘ zu erziehen versuchten.
    Zugegeben, der Marktplatz ist ganz nett. Abseits davon kombiniert die Stadt allerdings den Charme verwitternden Betons à la DDR mit der Lebensfreude einer Beerdigung, denn selbst die sonst üblichen Ein-Euro-Läden machen einen Bogen um das Hoyerswerda des Westens, das sich den Luxus zweier leerstehender Kaufhäuser und einer leerstehenden Ladenpassage eben so leistet, wie zwei leerstehende Kinos und ein leerstehendes Freibad. Auch die mittlerweile in einem schreienden Orange gehaltene Edelsteinbörse in Idar (auch großteils leerstehend) konnte die Begeisterung über meinen Geburtsort nicht steigern.
    Der Tiefpunkt allerdings folgte bei einem lokalen Highlight: dem Spießbrstenfest. Benannt nach jener lustlos auf Feuer verbrannten ‚Spezialität‘, ist dieses Volksfest die scheußlichste Karrikatur eines Rummels, die mir westlich (und auch östlich) des Rheins bekannt ist. Glücklich beseelt vom regionalen Kulturgut ‚Kirner Pils‘ erwartete mich hier die wohl größte Ansammlung an Jogginganzugträgern und lieblos ‚aufgemotzten‘ B-Corsas, 3er-Golfs und sonstigen rostigen Kleinwagen seit New Kids Turbo. Natürlich hatte ich auch das Glück auf alte Bekannte zu treffen, die erschreckend früh erschreckend viele Kinder hervorgebracht haben. Auch ein Kirner ‚Stubbi‘ konnte da meinen Tag nicht mehr retten. Besonders entzückend war die Begegnung mit ein paar mir bekannten Anhängern des 1. FC Kaiserslautern. Kaum erblickt, wurde ich sogleich auf Grund meines Wohnortes und meiner Lieblingsmannschaft als ’schwuler Mainzer‘ tituliert. Zu Schulzeiten bekam man als ’schwuler Mainzer‘ noch auf die Fresse, in so fern war es ein Lichtblick, dass es nur bei Pöbeleien blieb. Immerhin. Warum der Fanatismus für den Zweitligisten aus dem ähnlich hässlichen Herz der Pfalz in Idar-Oberstein so verwurzelt und verborgen ist, bleibt mir wohl immer ein Rätsel. Vielleicht liegt es an den Parallelen zwischen Verein und Stadt.
    Denn früher-etwa zu der Zeit als der 1.FCK tatsächlich für erstklassigen Fußball und Bundesliga stand- war Idar-Oberstein dank Naheüberbauung zwar nicht gerade eine Perle, aber eine Stadt, die doch ganz liebenswert war. Mit Straßencafés, Freizeitangeboten, einer belebten Fußgängerzone mit überraschend vielen Geschäften. Eine Stadt, die manchmal ein bisschen Weltstadt sein durfte, war sie doch lange das Edelsteinzentrum schlechthin und US-Garnisonsstadt. Monostruktur, eine miserable Anbindung an Wirtschaftszentren, Überalterung, Abwanderung und eine unglaublich engstirnige und provinzielle Bevölkerung haben die Stadt jedoch zu dem gemacht, was sie heute ist: ein heruntergekommenes Kaff, vergessen und unattraktiv.
    Ob sich das je ändern wird? Ich bezweifle es. Die Stadt braucht dringen frische Ideen. Aber dafür braucht es junge, qualifizierte Menschen. Genau die, die Idar-Oberstein reihenweise den Rücken kehren.
    Zurück bleiben Prekariat und die Älteren. An den Misständen der Stadt sei man nicht Schuld und ändern könne man wenig, heißt es oft. Wer von Auswärts kommt wird oft schief angeschaut, egal ob aus Damaskus oder Darmstadt. Man ist lieber unter sich. Was eint sind überbordender Lokalpatriotismus, wehmütiges Klammern an der Vergangenheit und der Glaube, dass ‚die anderen‘ Schuld an der Misere sind.
    Ähnlich wie ein Fußballverein und seine Anhänger aus Kaiserslautern, wo seit Abstieg und quasi-Bankrott ein Mantra von Tradition und glorreicher Vergangenheit gepredigt wird.
    Eigentlich schade.

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