Man muss auf Reisen gönnen können

7 Aug

toilette

Ich bin kein missgünstiger Typ. Ich kann auch gönnen. Allerdings habe ich an einigen meiner Freunde Eigenheiten entdeckt, um die ich sie schlimm beneide, weil sie auf Reisen von großem Vorteil sind:

1. Der Im-Stehen-ist-es-am-Schönsten-Pinkler: Dass Unsereins die mieseren Gehälter kassiert, sich von Mechanikern verarschen lassen muss und unter Qualen Kinder gebiert – geschenkt. Ich hadere nur in einem Punkt mit meinem Geschlecht: Ich würde gern im Stehen pinkeln können. So wie jener Reisegefährte, der seinen Weg durch die Welt nach alter Sitte markiert. Der Mann trinkt so viel er will, schert sich nicht um sanitäre Infrastruktur, sorgt sich nicht um Zuschauer – der huscht hinter den nächsten Busch und hält sein entspanntes Lächeln in die Sonne, während ich nach einer Toilette gucke. Die Welt ist schlecht.

2. Die Schwätzchen-geht-immer-Raucherin: Ob auf Fähren, in Kneipen oder bei Wandertouren – Rauchen hat was Geselliges, erst recht, wenn man solch ein Labertalent hat wie jene Freundin von mir. Die fragt nach Feuer und bekommt drei Freunde dazu. Ich habe das Rauchen auch probiert. Ich mag indonesische Nelkenzigaretten, die riechen so gut und haben Zucker im Filter. Allerdings ist kaum ein Kraut mehr geeignet, um wahre Raucher in die Flucht zu schlagen. Meist vergesse ich eh, dass ich Zigaretten habe und wenn ich mal wieder eine anstecken will, bröselt der vertrocknete Tabak aus dem Filter und das Papier verpufft in einer Stichflamme. Ich sehe dabei nicht intelligent aus.

3. Die Egal-wo-wie-und wann-Schläferin: Der Bus kann noch so heftig durch die kubanische Pampa hoppeln, der Durchgangsverkehr im südafrikanischen Dorm noch so nerven und die Zeitumstellung nach Costa Rica noch so verwirren – diese Frau wickelt sich in ihr Seidensäckchen und schläft. Während ich mit rotgeränderten Äuglein und einem anschwellenden Gefühl von Verzweiflung daneben liege. Die ist schon beim Reden eingepennt, mitten in ihrem eigenen Satz! Ich bin sicher, die schläft notfalls auch mit offen Augen und auf einem Bein an die Wand gelehnt. Das wäre mal eine wissenschaftliche Untersuchung wert!

4. Der Ich-erobere-all-eure-Herzen-Tänzer: Ich brauche manchmal ein bisschen, bis mir der Rhythmus in die Beine fährt. Ganz anders als dieser Freund von mir, der ist ein Phänomen. Sobald der anfängt zu grooven, schart sich international die Tänzergemeinde um ihn und lässt sich den wahren Hüftschwung predigen. Diesen Mann lieben einfach alle, umgehend und von Herzen. Falls John Travolta das je sehen sollte, wird er ins nächste Grab hüpfen und sich vorher nicht mal von seinen Scientology-Freunden verabschieden.

5. Der Immer-top-ausgerüstete-Naturbursche: Schnickes. Das denke ich jedesmal, wenn ich meinen für alle Outdooraktivitäten gerüsteten Bekannten sehe. Die hässliche Thermounterwäsche bedenke ich mit einem schiefen Grinsen, über die Luxus-Funktionsjacke kann ich nur den Kopf schütteln und das Spezialzelt gucke ich ziemlich arrogant an. Tatsache ist: Während ich so manche Nacht beim Campen nur durch Glück überlebt habe, geht es ihm immer blendend. Aufreizend blendend. Unerträglich blendend.

Vielleicht klappt das mit dem Gönnen doch nicht immer ganz so gut…

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4 Antworten to “Man muss auf Reisen gönnen können”

  1. Jule 07/08/2014 um 4:34 pm #

    Und ich lese: Man muss auf Reisen können können…. Hätte auch so gut zu Deinem Foto gepasst.

  2. Jan 07/08/2014 um 8:03 pm #

    Punkt 1 kann ich nur bestätigen. ((-:

  3. Frau Shmooples 09/08/2014 um 6:23 pm #

    Wirklich sehr herrlich geschrieben 🙂
    Da kommt man nicht ums Schmunzeln herum! Ich kann auch bei fast jedem nachvollziehen, warum Du sie so beneidest, denn bei mir ist es das Gleiche. Außer die Raucherfreundin und der Tänzer 😉 Raucher beneide ich keineswegs und ich hab selbst genug Rhythmus im Blut 😉

  4. silvesterkind 09/08/2014 um 6:55 pm #

    Frau Shmooples, du hast den Mann noch nicht in Aktion gesehen! 😉

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