Wie ich im Landkreis des Grauens sportlich scheiterte

7 Jun

Es ist lange her, aber ich bin nicht darüber weg: Ein Jahr habe ich in Idar-Oberstein gelebt. Als Volontärin habe ich damals meine Verzweiflung über den Landkreis des Grauens als “Nachrichten aus Death Valley” an meine Freunde in der Zivilisation geschickt. Kürzlich sind mir meine Lamenti wieder untergekommen – und da der Kreis Birkenfeld nicht an Charme gewonnen hat, dachte ich: Rein damit ins Blog! Übrigens existiert aus dieser Zeit kein Foto, ich male daher was.

pferd

 

Spätsommer 2005, Landkreis des Grauens

Es gibt drei Sportarten, mit denen ich besondere Erlebnisse hatte, seit ich im Landkreis des Grauens wohne. Es sind: Schießen, Reiten, Fitness.

Schießen

Ich hatte einen Termin beim größten Schützenverein der Stadt, der alljährlich sein „Freundschaftsschießen“ durchführt. Zu diesem Spaß-Turnier melden sich Behörden, Vereine und Privatleute mit Teams an und ballern um die Wette. Ich mache es kurz: Am Luftgewehrstand hat mir einer die Waffe erklärt, den ich auf neun Jahre schätze. Falls ich also je in eine schlimme Lage geraten sollte, werde ich eher in einer Grundschule als bei der Polizei um Verstärkung bitten.

Reiten

Ich nehme seit einiger Zeit Reitstunden. Der Gaul heißt Salina (*) und hält sich für einen Komiker. Bei meiner ersten Stunde hatte ich Angst, dass ich gar nicht auf das Vieh raufkomme. Deshalb hab ich dermaßen Schwung geholt, dass ich beim Aufsteigen fast wieder auf der anderen Seite runtergefallen wäre. Ich befürchte, das war der Moment, in dem Salina beschlossen hat, mich nie wieder ernstnehmen zu müssen.

Fitness

Ich bin Mitglied in einem Fitness-Studio. Es ist ein hochmodernes Ding und passt deshalb überhaupt nicht zu mir. In meinem ersten Training hat mir Coach Jimmy, ein klitzekleiner Mann mit Migrationshintergrund, die Geräte gezeigt. Jimmy konnte nur einen einzigen Satz in fließendem Deutsch sagen und der lautete: „Wo ist dein Lächeln, Alexandra?“. Ich schwör’s euch: Er hat von mir noch ein paar andere Vokabeln gelernt.

Bei meinem zweiten Training war Coach Andy für mich zuständig. Offenbar enden alle Trainernamen auf „y“, es gibt auch noch Bobby und Josy. Dummerweise hat sich Andy vorgenommen, mich zu einer Fitness-Queen zu machen. Ich habe ihm gleich gesagt, dass er sich lockermachen kann und nicht unter Druck ist, ich bin es dann nämlich auch nicht. Allerdings hat er mich zu seiner Mission erklärt – in jeder Hinsicht.

Bei meinem letzten Training hat er mich nämlich mit roten Bäckchen angestrahlt und – das ist ein Zitat – mit den Worten „na, du kleine, süße Maus!?“ begrüßt. Das müsst ihr euch mal vorstellen! Man hat mir ja schon manches an den Kopf geworfen, aber „kleine, süße Maus“ war noch nicht darunter. Die Bezeichnung will auch so gar nicht zu meiner Selbstwahrnehmung passen, schon gar nicht, wenn ich Leggins trage.

Das mit dem Sport – das ist nichts für mich.

(*) alle Namen geändert

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Eine Antwort to “Wie ich im Landkreis des Grauens sportlich scheiterte”

  1. travelproject2014 10/06/2014 um 10:51 am #

    Ich erinnere mich noch gut an die „Nachrichten aus Death Valley“. Leider sind sie alle mit meinem alten Email-Account untergegangen. Freu mich, dass sie hier wieder zum Leben erwachen. Kann mich über die Geschichten immer noch totlachen.

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