Silvesterkinds Zeitreisen – 1955/ Kuba

30 Mai

Ich bin mal gefragt worden, mit wem ich am liebsten verreisen würde. Da fiel mir auf: Die sind alle schon tot. Reisen durch die Zeit – das wär‘ was! Da die nach meinem derzeitigen Kenntnisstand noch nicht möglich sind, denke ich sie mir halt aus. Wer Lust hat, bei Silvesterkinds Zeitreisen mitzumachen, melde sich bei mir!

Kuba, Havanna, ein Mittag im Jahr 1955

capitol

Die Sonne brennt mir den Nacken rot. Ich gehe die Obispo runter zur Bar „El Floridita“, meine Füße und Sandalen sind dunkelbraun vom Staub der Straßen. Den ganzen Morgen bin ich durch Havanna gelaufen, habe am Hafen vergeblich auf eine kühle Brise gehofft und am Malecon den Kindern beim Baden zugesehen. Die Stadt ist voll von amerikanischen Touristen, die zum Zocken hier sind. Selbst eben in der „Bodeguita del Medio“, in der ich mich mit einem Mojito abgekühlt habe, ging es um nichts anderes.

Eigentlich hatte ich gehofft, einen alten Bekannten zu treffen. Aber offenbar hat Hemingway heute Daiquiri-Tag und ich betrete deswegen das „Floridita“.  Er sitzt in seinem alten Leinenanzug am Tresen und leert gerade das dritte Cocktailglas. Ich setze mich zu ihm und bestelle mir noch einen Mojito. Wir geben uns die Hand. Mein Mojito kommt. Ich stecke mir einen Zweig Minze hinters Ohr, trinke einen Schluck und spüre sofort die Wirkung des Rums.

„Ernie“, sag ich mit schwerer Zunge, wobei der Zweig Minze geradewegs in den Ausschnitt meines Sommerkleides fällt. „Wenn du so weitermachst, dann errichten sie dir hier noch ein bronzenes Denkmal. Das betatschen dann Touristen mit ihren Schweißfingern und lichten sich mit ihren Smartphones ab.“ Hemingway guckt angewidert und wischt sich eine Mücke aus dem Bart. „Smartphones, was soll das denn sein? Hör auf zu trinken, Alex“, sagt er, während er die Minze aus meinem Ausschnitt angelt. „Saufen ist Krieg – und in den ziehen Männer!“

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Eine Antwort to “Silvesterkinds Zeitreisen – 1955/ Kuba”

  1. Betrachterauge 30/05/2014 um 4:41 pm #

    „Saufen ist Krieg – und in den ziehen Männer!“ – schöner Spruch! Und wie wahr…

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