Carpe the hell out of diem – Sicherheit auf Reisen

30 Apr

kaylin_alex

Ich kann kaum zählen, wie viele Diskussionen ich mittlerweile zum Thema Sicherheit in Namibia geführt habe. Manche Reisenden scheinen ihr Gefühl von Bedrohung zu hegen und zu pflegen wie ein kleines Pflänzchen. Ich war drei Monate dort und habe durchaus ein paar Dinge getan, die ich meinen Kindern, wenn ich denn welche hätte, glattweg verbieten würde – um dann zu hoffen, dass sie sie einfach heimlich tun. Ein wenig Vertrauen in die Welt braucht man schon.

Ich will nichts kleinreden. Es geht nicht überall so beschaulich zu wie in Rheinhessen, wo man die meiste Angst davor haben muss, dass einen ein Ranzengardist über den Haufen marschiert. Namibia ist ein Land mit vielen Problemen. Es gibt zwölf Ethnien, die miteinander auskommen müssen und wie man an aktuellen Ereignissen um den abmontierten Südwesterreiter und das Unabhängigkeitsmuseum sieht, hat das schon mal besser geklappt. In manchen Gegenden liegt die Aids-Rate bei knapp 40 Prozent. Und auch fast 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid geht die Schere zwischen Arm und Reich immer noch enorm weit auseinander. Das schürt Neid und Konflikte.

Wer ihn hat: gesunden Menschenverstand einschalten

Realistisch betrachtet funktioniert das Ganze doch so: Man fährt nicht in Länder, in denen Kriege, Unruhen oder Naturkatastrophen toben – es sei denn, man ist bescheuert. Vor der Reise liest man die Sicherheitshinweise vom Auswärtigen Amt durch, ist dann erst mal schlecht gelaunt, weil weltweit Sodom und Gomorrha herrscht, und kriegt sich irgendwann wieder ein. Im Land selbst guckt man sich an, wie sich die Einheimischen verhalten und schaltet seinen gesunden Menschenverstand ein. Ich habe auf Reisen nichts dabei, dessen Verlust ich nicht verkraften könnte. Im Fall der Fälle kann von mir jeder alles haben – viel Spaß damit! Wie die meisten Frauen schreckt mich der Gedanke an sexuelle Gewalt deutlich mehr, aber auch dafür müsste es schon mit dem Teufel zugehen. Und wenn der im Spiel ist, dann habe ich eh keinen Einfluss mehr.

Da, wo Gewalt ist, sind wir in der Regel doch eh nicht. Schwarze Frauen in Slums – das sind die Opfer von Gewalt. Aber nicht wir, wenn wir unsere wohlgenährten, durchgeimpften, weißen Hintern durch einigermaßen entwickelte Gegenden und über die bekannten Touristenpfade schieben. Von jenen Frauen hört man nichts, Überfälle auf deutsche Touristen schaffen es aber in deutsche Zeitungen. Bei unsereins ist die Lobby einfach größer. Ganz im Ernst: Die wenigen Situationen, in denen ich auf Reisen wirklich Angst hatte, ereigneten sich alle im Straßenverkehr. Meiner Einschätzung nach haben weltweit sämtliche Taxi-, Bus-, Tuktuk- und Sonstwas-Fahrer mit dem Leben abgeschlossen. Das scheint Bedingung für den Erhalt der Fahrerlaubnis zu sein.

Alles eine Frage der Stochastik

Noch eins am Rande: In Namibia leben knapp 2,3 Millionen Menschen auf einer Fläche, die zweieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 2,6 Einwohnern pro Quadratkilometer. Unser Wert liegt bei 226 Einwohnern pro Quadratkilometer! Die Wahrscheinlichkeit auf ein Arschloch zu treffen, ist somit in Deutschland deutlich größer. Also seid nicht leichtsinnig, aber macht euch locker und genießt das Reisen. Um es mit den Worten eines mir leider völlig unbekannten Urhebers zu sagen:

„Carpe the hell out of diem!“

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3 Antworten to “Carpe the hell out of diem – Sicherheit auf Reisen”

  1. Mah 08/05/2014 um 4:00 pm #

    mhm. Lucky you. Aber ja, zu viel Gedanken machen schadet. Seh ich ähnlich!

  2. Ariana 13/05/2014 um 5:19 pm #

    Ich finde das eine sehr gute und vernünftige Einstellung. Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand und indem man auf seine Intuition hört, kann man das Risiko, dass etwas passiert, extrem verkleinern. Und es wäre doch schade, nur aus Angst auf so vieles zu verzichten.
    Liebe Grüsse
    Ariana

  3. eichstaettweltweit 29/07/2014 um 4:20 pm #

    Guter Beitrag! Mit dem Thema Sicherheit muss sich jeder auseinandersetzen, der auf Reisen geht – und bei etwas exotischeren Zielen ist da bestimmt oft ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.

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