Suff weltweit: M wie…

21 Feb

Travel-and-Food-Blogs sind sehr in. Ich lese sie gern. Mit exotischem Essen und mir ist es aber so eine Sache. Mopane-Raupen in Namibia, gegrillte Heuschrecken in Thailand, Froschschenkel in Frankreich? Nein, danke! International gesehen ist das Trinken mehr mein Metier. Deswegen gibt es die Rubrik “Suff weltweit von A-Z” – wird natürlich fortlaufend erweitert.

M wie…

Malawi Shandy in Afrika:  [Ein Gastbeitrag von Niko Wald]

Am Abend nach einer langen Fahrt. Foto: Niko Wald

Am Abend nach einer langen Fahrt. Foto: Niko Wald

Es gibt Dinge, die gibt es bei mir nur im Urlaub: Autofahren auf der linken Seite, vier Wochen zelten – und Malawi Shandy. Der enthält das Beste aus Ingwer, Zuckercouleur, Enzianwurzeln, Bitterorange, Gewürznelken und Kardamon. Anders als die Zutaten vermuten lassen, geht es hier nicht um einen Kurzurlaub auf den Nürnberger Christkindlmarkt. Malawi Shandy gießen sich Leute bevorzugt dort ein, wo es meist deutlich wärmer als bei uns ist: im südlichen Afrika. Malawi gehört dazu, aber der Bezug ist auch in Südafrika, Namibia und Botswana kein großes Problem. Was nicht bedeutet, dass es überhaupt kein Problem ist. „Shandy“ hat nichts mit den traditionellen Seemanns-Weisen zu tun (das wären dann auch „Shantys“), sondern steht für Mixgetränk. Etwas Glück gehört dazu, eine Bar zu finden, in der jemand das Rezept kennt. Fix angerührt gibt es Malawi Shandy nicht – und aus der Dose oder Flasche würde er nicht schmecken.

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Kaum da, is‘ er wieder weg: der Malawi Shandy. Foto: Niko Wald

Das zweite Hindernis ist, das richtige Verhältnis der Zutaten zu finden, so sie in der Bar verfügbar sind: Ginger Ale, also Ingwerlimonade, gehört definitiv zu den Inhaltsstoffen. Unstrittig ist auch die Zugabe einer geringen Menge von Angosturabitter – der Bitterstoff mit den weihnachtlich klingenden Ingredenzien. Damit endet der Konsensbereich: Darüber, was die dritte Zutat ist, gibt es Diskussionen: Manche nehmen Zitronen- oder Limettenlimonade, andere einfaches Sodwasser (vulgo „Sprudel“). Entscheidend ist die Farbe des Endprodukts: Goldorange (dem Ingwer sei dank) mit einem roten Bitter-Streifen obenauf, aber noch unterhalb der zuletzt eingefüllten Eiswürfel, kennzeichnen den Malawi Shandy. Die weiße Variante nennt sich Rock Shandy. Keinesfalls sollte man sich dieses weniger schmackhafte Derivat aufschwatzen lassen.

Eiswürfel aus Leitungswasser und zuckerhaltige Limonaden, womöglich mit künstlichen Aromastoffen, machen aus dem Malawi Shandy ein Getränk, das nicht den Gesundheitsempfehlungen von Tropenmedizinern und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entspricht. Es könnte sein, dass es mir deswegen besonderen Spaß macht, nach einem heißen Auto-Tag mehrere Gläser Malawi Shandy per Strohhalm leerzusaugen. In Botswana kenne ich zwei Quellen für einwandfreien Malawi Shandy: Das Thorn Tree Restaurant in Francistown und die Bar von Ghanzi Trail Blazers bei Ghanzi. Zwischen diesen Polen der abendlichen Erfrischung bleibt genug Zeit für die anderen Dinge, die es  wirklich nur im Urlaub gibt: Linksverkehr und Zeltübernachtungen.

***

Makkoli in Südkorea: [Ein Gastbeitrag von Niklas Ewert] Makkoli (auch Makgeolli, Hangul: 막걸리) ist ein trüb-milchiger, koreanischer Reiswein mit einem Alkoholgehalt zwischen sechs und acht Prozent. Meistens wird gekochter Klebreis mit Weizen und Wasser fermentiert, um den Alkohol zu gewinnen, einige Hersteller nehmen aber auch Weizen anstatt Klebreis. Makkoli ist süßlich und erinnert in Farbe und Geschmack an den hierzulande bekannten Federweißen. In Korea gibt es ein eigenes Restaurantgenre, in dem Makkoli und Pajeon serviert werden. Der Makkoli ist dabei in einer großen Schale und wird mit einer Kelle in kleinere Trinkschälchen gegeben.

Pajeon sind koreanische, herzhafte Pfannkuchen aus Reismehl mit Frühlingszwiebeln. Meistens gibt es drei Arten von Pajeon: Meeresfrüchte, Kohl und Gemüse. Ein anderes klassisches Anwendungsfeld des köstlichen Reisweins ist beim Picknick auf dem Berg. Die zahllosen, relativ entspannt zu besteigenden Hügel Koreas halten viele Tempel, Schreine und Statuen für den Wandernden bereit. Bergsteigen ist das Lieblingshobby der Koreaner. Oben auf dem Hügel werden dann der Makkoli und das Kimbab (koreanisches Sushi) ausgepackt.

Ursprünglich war Makkoli ein Getränk der Bauern in Korea, weshalb es auch als Nongju (농주 / 農酒) bekannt ist, was so viel bedeutet wie “Bauernschnaps”. In den vergangenen Jahren hat Makkoli aber ein echtes Comeback bei der jüngeren urbanen Bevölkerung feiern können. Es stimmt, was in dieser Posterwerbung versprochen wird: “Makkoli ist dein bester Freund”. Aber man sollte es nicht übertreiben 🙂

[Über den Autor: Niklas hat ein halbes Jahr in Gwangju/ Südkorea studiert und ist danach durchs Land gereist. Das Resultat ist eine romantische, aber nicht immer ganz einfache Intimbeziehung zum Land der Morgenstille. Jetzt arbeitet Niklas bei GoEuro, wo er sich dafür einsetzt, dass das Reisen in Europa zu einer angenehmeren und günstigeren Angelegenheit wird.]

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Durst bekommen? Wenn du einen Gastbeitrag in dieser Rubrik schreiben möchtest, dann her damit!

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2 Antworten to “Suff weltweit: M wie…”

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  1. Unpacking Travel: Ausgabe 14 | GoEuro Blog - 24/02/2014

    […] zu nennen. Ich teile Evas Art zu reisen aus ganzem Herzen und sitze selbst am liebsten mit einem Getränk oder zwei einfach da und lass alles mal ein bisschen wirken. Es gibt an unbekannten Orten […]

  2. Rosenmontag in Mainz | GoEuro Blog - 27/02/2014

    […] in Mainz auf unserem Blog begrüßen zu dürfen. Letzte Woche durfte ich in ihrer Kategorie “Suff Weltweit” (kommt dem Ideal des edukativen Reisebloggs schon sehr nah) meine Liebe zum Makkoli teilen. […]

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