Adeus Eusébio!

8 Jan

eusebio

Wir sind im Almirante. Es ist eines dieser typischen Lissabonner Cafés: klein, günstig, praktikabel. Einheimische kehren hier ein, um im Stehen einen schnellen Café Bica oder einen Port zu trinken und ein paar Worte mit dem Wirt zu wechseln. Es ist spät am Abend, draußen regnet es in Strömen.

Wir nehmen einen Absacker und gucken uns um. Hinter uns steht ein etwa 30-jähriger Schönling und isst sein Lachstörtchen. Vor uns lehnt eine junge Frau an der Treppe, blonder Pferdeschwanz, enge Jeans, armeegrüner Parka, und trinkt ein Sagres-Bier. An einem der zwei Tische sitzt ein alter Schwarzer mit Schiebermütze und Regenflecken auf der Cordhose vor einem leeren Weinglas.

Im Fernsehen laufen die Nachrichten und plötzlich werden alle ganz still. Es sind die Bilder des Tages: Ein dunkler Leichenwagen kämpft sich durch die Lissabonner Innenstadt, die Straßen sind gesäumt von Menschen, die Abschied nehmen von einem Idol. Zwei Tage zuvor ist Eusébio gestorben, der „schwarze Panther“, eine Ikone des portugiesischen Fußballs.

1960 kam Eusébio da Silva Ferreira aus der Kolonie Mosambik nach Portugal. Benfica hatte das junge Talent dem Rivalen Sporting vor der Nase weggeschnappt. Ein Coup: Eusébio schoss Tor um Tor, wurde zur Legende und sorgte für Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis der kleinen Nation eingebrannt haben. Unvergessen die Weltmeisterschaft 1966 in England: Als Portugal im Viertelfinale gegen Nordkorea 0:3 zurücklag, wendete Eusébio das Spiel, schoss 4 Tore und bereitete den 5:3-Endstand vor. Letztlich wurde Portugal Dritter, Eusébio Torschützenkönig.

Noch immer starren im Almirante alle auf den Bildschirm. Der Leichenwagen dreht mittlerweile eine Ehrenrunde durch das Benfica-Stadion. Noch immer ist es ganz still. Der Schwarze hält sich an seinem Regenschirm fest. Der Wirt drückt die Hände ins Küchentuch. Der Schönling vergisst das Schlucken. Die Blondine nimmt ein paar Servietten vom Tresen und wischt sich die Tränen von den Wangen. Auch die Bilder von Eusébios Abschied werden ins portugiesische Gedächtnis eingehen. Legende bleibt Legende.

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