Für Elemotho wurd’s Zeit

4 Nov

Mein Gastbeitrag für „Insight – World Music Magazine“

IMG_5946„Ke Nako“ heißt Elemothos aktuelles Album: „Es ist Zeit“. Eilig hatte es der namibische Musiker aber offenbar nicht, denn zwischen diesem und seinem letzten Album liegen viereinhalb Jahre. Gelohnt hat sich das Warten, denn „Ke Nako“ ist eine wunderbare Sammlung von genreübergreifenden Songs – mal rhythmisch und tanzbar, mal meditativ und weise, mal schnell und unterhaltsam.

Elemotho ist einer der berühmtesten Musiker seines Landes, ein Sohn der Kalahari, geboren als Elemotho Gaalelekwe Richardo Mosimano. Dabei hat der Mann mit dem aufregenden Namen eigentlich afrikanische Philosophie und Psychologie studiert und seine Musikkarriere eher nebenbei gestartet – mit dem Covern bekannter Songs. 1999 gewann er mit seiner früheren Band „Tcoqma“ zwei Musikpreise, 2003 kam sein erstes Soloalbum „The System Is A Joke“ heraus, 2008 folgte „Human“. Seine Popularität dürfte in diesem Jahr erheblich gewachsen sein, denn mit dem Gewinn des „Radio France International Discoveries Award 2012“ war eine Konzerttournee verbunden, die den Singer/Songwriter/Gitarristen durch 24 afrikanische Länder führte.

Setswana ist Elemothos Muttersprache. In ihr singt er, ebenso in Englisch und anderen namibischen Sprachen. Seine Themen sind die Liebe, seine Heimat, die Hoffnung auf Menschlichkeit und der Drang nach Freiheit. Als „musikalischer Aktivist“ bezeichnet er sich selbst, und damit ist es ihm offenbar verdammt ernst – ihm, dem Namibier, in dessen Heimatland die Schere zwischen Arm und Reich so weit ist, wie in wenigen anderen Ländern der Welt, in dem Tausende von Aidswaisen versuchen erwachsen zu werden und in dem es immer noch von einiger Bedeutung ist, welcher Ethnie oder Familie man angehört.

In „A Dose Of Reality“ singt er in anschwellendem Sprechgesang den Kapitalismus nieder und im „Ke Nako“-Remix ruft er über afrikanischen Beats den Systemwechsel herbei. Und wer von all den sozialkritischen „Love is the answer, hate is the cancer”-Texten genug hat, der lässt sich von den meditativen Flötenmelodien in „Butterfly“ (Video) einfach davontragen.

Auch live packt Elemotho seine Zuhörer schnell. Beim Abschlusskonzert seiner 24 Länder umfassenden Tournee im Windhoeker Warehouse ist von Ermüdung keine Spur. Der Mann mit dem vielleicht breitesten Grinsen Afrikas hat ein klares Ziel: Selbst den müdesten Hintern vom Stuhl hochzutreiben. Es ist ein buntes Bild, das sich im alten Brauhaus bietet, so bunt wie der Stilmix in seiner Musik: In der ersten Reihe gibt ein rhythmisch unterversorgter deutscher Tourist sein Bestes beim Tanz, mittendrin lassen ein paar weiße Namibierinnen die Hüften kreisen und verschütten dabei lachend ihr Bier und in der letzten Reihe wiegt eine schwangere Ovambo ihren mächtigen Babybauch. Gleich neben ihr sitzt der Tontechniker hinter seinen Pulten. Er betrachtet sie kurz beim Tanzen, lässt die Regler Regler sein und groovt versonnen vor sich hin.

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