Suff weltweit: A wie…

11 Okt

Travel-and-Food-Blogs sind sehr in. Ich lese sie gern. Mit exotischem Essen und mir ist es aber so eine Sache. Mopane-Raupen in Namibia, gegrillte Heuschrecken in Thailand, Froschschenkel in Frankreich? Nein, danke! International gesehen ist das Trinken mehr mein Metier. Deswegen gibt es die Rubrik „Suff weltweit von A-Z“ – wird natürlich fortlaufend erweitert…

A wie…

Amarula in Südafrika: Ich bin die Tochter eines Biolehrers und hatte Biologie als Hauptfach in der Schule. Die Photosynthese, Mendels Vererbungslehre, der Klimawandel – alles nur noch rudimentär bei mir vorhanden, festgesetzt hat sich vor allem Quatsch. Ich sage nur: „Die lustige Welt der Tiere“ von Jamie Uys. Ich könnte mich noch heute darüber beömmeln, wie die Strauße nach dem Genuss der Früchte des Marulabaumes durch die Kalahari tippeln, die Paviane vom Baum fallen und die Elefanten ein Tänzchen aufs sandige Parkett legen:

Kein Wunder, dass ich dem Wildfrucht-Crème-Likör Amarula bei meiner Reise auf der Garden Route voller Offenheit begegnet bin. An der Waterfront sitzen, aufs Meer schauen und dabei einen Amarula on the rocks im Glas klirren lassen, diesen sahnigen, süßen, leicht fruchtigen Zungenbeschwerer, während einer dieser gewaltigen südafrikanischen Sonnenuntergänge seine Show abzieht. Bei der Kulisse hätte man mir vermutlich auch Benzin ins Glas kippen können und ich hätte es geliebt. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich Amarula zuhause nie gekauft habe: Mainz ist nicht gerade für seine spektakuläre Küste berühmt… Übrigens hat Bild der Wissenschaft schon vor Jahren mit der Annahme aufgeräumt, dass sich Elefanten mit den vergorenen Marulafrüchten einen ordentlichen Schwips anfuttern. Angeblich liegt der torkelnde Gang an giftigen Käferpuppen, die mitgefressen werden. Kollateralsuff sozusagen. Ich ignoriere das. Ich glaube einfach weiter daran, dass sich die Grauen zum Stammtisch treffen und dann Sauereien in die Ohren tröten.

***

Awa la Munchi auf Curaçao: Die Sonne brennt vom Himmel. Kein Lüftchen geht – untypisch auf der Insel am Rande der Karibik, aber dieser Tage vermutlich einem Wirbelsturm bei Mexiko geschuldet. Wer mehr als zehn Meter läuft, ist völlig fertig. Ich bin nicht mehr als zehn Meter gelaufen, bin aber trotzdem völlig fertig. Eigentlich saß ich mit Hut, Sonnenbrille und Sunblocker auf einem Pickup und habe mich durch den Christoffelpark kutschieren lassen. Aber nach zwei Stunden fühle ich mich kurz vorm Kollaps, ich schwitze wie ein Schwein und sehe Sternchen. Endlich sind wir raus aus diesem Park und rein in ein Restaurant, danke, danke, danke, ich schaffe es nicht, mir eigene Gedanken über die Bestellung zu machen, und nehme einfach das, was meine Nachbarin bestellt hat. Ich schließe die Augen und konzentriere mich aufs Atmen und dann kommt es: Ein großes, ein sehr großes, ein angemessenes Glas, randvoll mit Eiswürfeln und hausgemachter Limonade, sehr sauer, nur leicht süß und voller Vitamine. Ich kippe die trübe Flüssigkeit runter. Ich habe überlebt. Awa la Munchi sei Dank!

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IMG_4271Apfeltee in der Türkei: Flashback. Sofort. Kaum sitze ich auf diesem winzigen, bunten Plastikstühlchen und lasse den süßen Apfeltee über meine Zunge fließen, fühle ich mich wie früher beim Kindergeburtstag. Während die kleine Alexandra im Schatten eines Straßencafés sitzt, guckt sie mit großen Augen dem Leben in Istanbul nach: den alten Leutchen, die ein wenig klapprig ihre Einkäufe auf dem Bazar erledigen; dem Melonenmann, der mit seinem Karren vorbeizieht und die aufgeschnittenen Früchte verkauft; den gläubigen Muslimen, die flotten Schrittes in die Moschee laufen; dem Jungen, der einen kleinen Eimer mit Fischen von den Anglern am Bosporus wegbringt; den Freundinnen, die sich einhaken und kichernd ins Ohr flüstern; den Werbern, die sich gegen den Strom stellen und Passanten Flyer für Restaurants oder Schiffstouren in die Hand drücken; den Schulkindern, die Quatsch machen und mit wippenden Ranzen und verrutschten Hemden nach Hause rennen; dem Simit-Verkäufer, der eine hungrige Touristengruppe mit Sesamkringeln versorgt und danach mit einem Bekannten plaudert… Aber leider ist das Gläschen schnell ausgetrunken und die kleine Alexandra wieder groß und sie fragt sich, ob tatsächlich ein Apfel etwas zu diesem Apfeltee beigetragen hat und ob dieses Instantzeug einen Deut besser ist als das verteufelte Quench-Saftpulver von früher und ob wohl auch waschechte Türken diesen Tee trinken oder ob er eine Erfindung für Touristen ist. Ach, was soll’s. Ich bin Touristin. Ein Glück!

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