Und schwupp is‘ er durch

24 Jun
Prinzessin Tanja I. und Prinz Horst II. von Swakopmund führen den Zug an.

Prinzessin Tanja I. und Prinz Horst II. von Swakopmund führen den Zug an.

Ich stehe in Swakopmund an der Sam-Nujoma-Straße, es ist fast 11.11 Uhr. Ich gucke rechts und gucke links. Nichts. „Jetzt nicht die Nerven verlieren“, sage ich zu meinem Schwellkopp-Anhänger und kratze mich am Kopf. Wo sollte dieser Karnevalsumzug noch mal starten? Eigentlich dachte ich, ich laufe den Menschenmassen nach, aber in Namibia ist das so eine Sache mit Menschenmassen, nämlich keine Sache bei 2,56 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Irgendwas war mit Autohaus und weit entfernt sehe ich ein Toyota-Schild. Ich schalte das Nasenblinklicht bei meinem Schwellkopp an und wir marschieren los. Keine wildfremden Teenies, die mir Luftschlangen um den Hals hängen, kein Duft von Fleischwurst und verschüttetem Schoppen, der schwer in der Luft liegt, keine besoffenen Eisbären, die in Hauseingänge pinkeln. Ich werde nervös.

Doch plötzlich entdecke ich kleine Unregelmäßigkeiten im Straßenbild. Da sitzt eine Frau in einem weißen Plastikstuhl auf der Ladefläche ihres Pick-ups, trägt eine riesige Glitzer-Sonnenbrille und angelt sich ein Windhoek Lager aus der Kühlbox.  Das ist ein Zeichen, eine Brotkrume: Schwellkopp-Hänsel und Schröder-Gretel sind auf dem richtigen Weg.

Ich biege am Autohaus ums Eck – und da is‘ er, der Zuch, ganz winzig klein, aber kreischbunt und alles dran: 19 Motivwagen, dazwischen Fußtruppen, eine Garde, Akrobaten und der Reiterverein. Sogar die Pferde sind verkleidet, eins als Zebra, eins als Giraffe, eins als Leopard… Ich mache einen kleinen Hüpfer und da rollt er auch schon an. Prächtig gelaunt zeige ich meinem Nebenmann die blinkende Nase von meinem Schwellkopp. „Küska!“, ruft er. „Helau!“, rufe ich.

Ich krame in meiner Handtasche nach zwei „Kleinen Feiglingen“, gucke wieder hoch und – alle weg. Ich blinzele verdutzt und drehe mich um. In der Kirchturmuhr spiegelt sich die Sonne. Ich höre das Meeresrauschen und sehe am Ende der Straße ein Staubwölkchen tanzen. Keine Spur mehr von Karneval und ich überlege, ob das eben nur eine Fata Morgana war. „Na gut“, sage ich zu meinem Schwellkopp. „Lass uns an den Strand gehen und in der Sonne liegen!“ Seine Nase blinkt zustimmend und wir marschieren los.

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3 Antworten to “Und schwupp is‘ er durch”

  1. Arnulf 24/06/2013 um 2:44 pm #

    Hi Alexandra,
    auch wenn ich weder Inhalt noch sonstetwas vom oben Geschriebenen verstanden habe, so wünsch´ ich dir doch eine gute Zeit in wo auch immer…
    PS: Kafka habe ich auch gelesen und nie verstanden.

    • silvesterkind 24/06/2013 um 2:52 pm #

      Aber Arnulfius, so schwierig war das doch gar nicht. Hast du in unseren gemeinsamen Deutsch-Leistungskursen nix von mir gelernt? 🙂 Kafka finde ich dennoch sehr schmeichelhaft. Mit Verwirrung kann man es auch zu Weltruhm bringen.
      Geht’s dir gut? Wenn du Lust hast, schreib gern an meine Mailadresse schroederalexandra@hotmail.com – und grüß mir Rheinhessen!

  2. Mari 05/07/2013 um 9:53 pm #

    Wie goldisch der umzug… is halt doch schee die fassenacht in meenz!! Helau

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