Meisterjäger trifft Jägermeister

15 Mai

jaegermeisterNamibia ist sehr groß und die Bevölkerungszahl sehr klein: Auf mehr als der doppelten Fläche von Deutschland verteilen sich 2,3 Milliönchen Menschen. Das ist super, denn schwuppdiwupp trifft man Leute in wichtigen Positionen.

Kürzlich war ich mit meinem Mitbewohner und einem Kollegen in „Joe’s Beerhouse“ was trinken. Schon nahm das Unheil seinen Lauf – in Gestalt von Ali. Ali ist der wohl einzige kurdische Namibier weltweit, Ende 50 und Fußballtrainer. Und Ali hatte in kürzester Zeit einen Narren an mir gefressen. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber Männer in fortgeschrittenem Alter entwickeln gerne mal eine maskottchenmäßige Begeisterung für mich. Ich habe das mit den Jahren akzeptiert.

Ali wollte eine Runde Jägermeister schmeißen, aber ich hasse Jägermeister. Den Protest konnte man mir wohl schon von den Lippen ablesen, zumindest stürzte er sich plötzlich auf mich, nahm mich in den Schwitzkasten und hielt mir den Mund zu. Ich trat ihm gegen das Schienbein und wir waren Freunde. Er bestellte mir einen namibischen Kaktusfeigenschnaps und sagte: „Ich mag deine Frisur. Sie ist so schön altmodisch.“ Darauf sagte ich: „Danke, du weißt, wie man einer Frau Komplimente macht.“

Ali strahlte von einem Ohr zum anderen, streichelte mir liebevoll über den Kopf und rief den Männern hinter der Bar zu: „Guckt mal! Ihr Haar ist so dünn und weich, wie bei einem Baby!“ In diesem Moment beschloss ich, den Abend zu akzeptieren, wie auch immer er sich entwickeln würde.

Am nächsten Tag erzählte ich in der Redaktion, dass ich so einen ulkigen Ali kennengelernt hatte, macht irgendwas mit Fußball. Mein Kollege vom Sport hielt kurz inne, schob langsam seine Maus zur Seite und erklärte mir mit ruhiger Stimme: „Alexandra. Ali ist DER Erfolgstrainer dieses Landes, sein Team steht auf Platz zwei der Ersten Liga. Er ist sozusagen der namibische Jürgen Klopp. Aber im Unterschied zu ihm kann er noch Meister werden.“ Dann drehte sich mein Kollege wieder ganz langsam um.

Ja, kann ich so was ahnen? Wenn ich nachher im Telefonbuch „Pohamba“ nachschlage und mich zum Kaffee einlade – dann lande ich vermutlich beim Präsidenten am Tisch.

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2 Antworten to “Meisterjäger trifft Jägermeister”

  1. Eva 16/05/2013 um 1:52 pm #

    Aha, das lange Warten hat sich gelohnt; ich wollte nämlich gestern schon mal nachfragen, ob du eigentlich nichts mehr erlebst … Freut mich sehr, Alex, dass dem nicht so ist!

    • silvesterkind 16/05/2013 um 2:08 pm #

      Eva, du musst das verstehen: Ich habe ein wenig länger gebraucht, um den Abend zu verkraften… 🙂 Am Samstag steht hier übrigens die „Mutter aller Derbys“ an – Zitat meines Sportkollegen. Ich MUSS hin.

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