Costa Rica – 10 Knaller!

31 Okt

Im Norden Nicaragua, im Süden Panama, im Westen der Pazifik, im Osten die Karibik – und dazwischen knapp viereinhalb Millionen Menschen auf 51.000 Quadratkilometern Fläche. Das ist Costa Rica in Mittelamerika. Zehn Eigenheiten, die dieses grüne und wilde Land ausmachen:

1. Die Städte Csanjoseosta Ricas kommen ohne Charme aus. Ich möchte behaupten: Sie sind hässlich. Sehr hässlich. Wer in das Land reist, der tut das um der Natur Willen. Die ist beeindruckend und eigensinnig. Hätte ich den Titel der unansehnlichsten Stadt zu vergeben, dann hätte ich Mühe zwischen San José (Foto) und La Fortuna zu wählen.

2. Santa Elena ist eine Ausnahme. Unsere Anreise mit Schiff und Jeep über teils überschwemmte Ufer und Straßen ist ein Abenteuer. Ich sitze neben einem älteren amerikanischen Paar: Er redet wie ein Buch über Vögel und sie wirft bei jedem Hubbel die Arme in die Luft und ruft: „Rollercoastaaaaa!“ In dem schnuckeligen Städtchen gibt es ein wunderbares Café, das um und in einen riesigen Baum gebaut ist. Man sitzt zwischen Ästen und Zweigen, teils unter freiem Himmel – ich empfehle eine heiße Schokolade in der Dämmerung.

3. Abgesehen von einer schimmeligen Puffbude in La Fortuna haben wir immer schöne Unterkünfte, aber meist von Ausländern geführt: Deutsche, Schweizer, Österreicher, Amerikaner, Kanadier etc. Das Phänomen ist mir in vielen Ländern begegnet: Ausländer sind die Chefs, Einheimische putzen das Klo.

kajaktour4. Ich spreche kein Spanisch und habe daher kaum Kontakt zu Ticos. Ausnahme: Unser Hostelpapa Omar in Manzanillo (verheiratet mit einer Deutschen, da haben wir’s wieder, siehe Punkt 3), der mir in einer Mangrovenlagune mit der ständigen Ansage „Alex, snakes! Turn around!“ Kajak lenken beibringt. Er erzählt viel über die Probleme vor Ort: dass die Regierung Druck mache und das Land haben wolle, weil vor der Küste Öl vermutet werde; dass den Bananenfarmern kein Druck gemacht werde, weil die reich seien und eine Lobby hätten; dass durch Pestizide dieser Farmer Pilze entstünden und die Kakaoernten zerstörten…

5. Wo ich gerade vom Essen schreibe: Wie in vielen Ländern, in denen der Lebensstandard nicht hoch ist, geht es eher ums Sattwerden als ums Genießen. Das Grauen hat einen Namen: Gallo Pinto. Das ist ein Brei aus Reis, Zwiebeln und schwarzen Bohnen. Man meint, den Belag einer frisch geteerten Straße zu löffeln und ich glaube, der Belag einer frisch geteerten Straße würde zumindest meinem Verdauungsapparat besser bekommen. Ich erspare euch Details.

6. Früchte allerdings sind delikat. Wir probieren Sorten, die man bei uns gar nicht bekommt, etwa die „Miracle Fruit“. Sieht aus wie eine Hagebutte, hat die Konsistenz einer Litschi und schmeckt an sich nicht speziell. Aber: Danach kann man Zitronen essen und Essig trinken, alles schmeckt wunderbar süß. Was die kleine, rote Beere, die ursprünglich aus Westafrika stammt, da genau auf der Zunge treibt, können sich Forscher nicht erklären – ist eben ein Mirakel.

kaffeekirschen7. Das hier sind keine „Miracle Fruits“, sondern Kaffeekirschen. Seit ich 14 Jahre alt bin, schütte ich unglaubliche Mengen des Hallo-wach-Gebräus in mich hinein, aber ich habe noch nie einen Kaffeebaum gesehen, geschweige denn die Kirschen gegessen. Die schmecken übrigens nicht – kein Wunder, dass man lieber ihre Steine, die Kaffeebohnen, verarbeitet. Meine Reisebegleiterin findet den costaricanischen Kaffee sauer, ich finde ihn gut. Mein Versuch, mir zu Hause ein Bäumchen zu ziehen ist kläglich gescheitert. Dabei hatte ich so tolle Visionen meiner Schröder-Röstung…

8. Mit dem Wetter ist es so eine Sache: Costa Rica liegt in den Tropen, von Mai bis November ist Regenzeit. Ein richtiges Tropengewitter, das man mit einem Bier auf der Veranda verbringt, kann sehr schön sein. Allerdings trocknet in diesem Klima nichts, alles ist klamm. Und was fehlt: blauer Himmel.

irazu9. Nur die Wolken am Irazú, die finde ich toll. Mit 3432 Metern ist der „grollende Berg“ der höchste Vulkan des Landes. Ganz Harte wandern hoch, aber ich bin ein Weichei und fahre. In dieser Höhe wird das Laufen schon anstrengender. Die Aussicht ist berauschend: Man steht am Rande des Vulkans auf nachtschwarzer Erde und blickt über ein Wolkenmeer.

10. Das Beste in Costa Rica sind die Geräusche. Es krabbelt, kreucht und fleucht, zirpt, zischt, es flattert, raschelt, trillert und trällert, quakt, schnattert, rauscht, brummt, summt, flirrt, wackelt, schnalzt, schmatzt, piept, surrt, schlabbert und schnappt, knurrt, grollt und grummelt, es platscht, rappelt, fiept, bellt und pfeift. Immer. Und überall.

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